From: msobi@windfall.ca   
      
    Martin Lemke schrieb:   
      
      
   >   
   >Mal ganz davon abgesehen, dass es eine objektive Wirklichkeit nicht geben   
   >kann; welchen Kompromiss schließt man in der Fotografie? Einerseits wenden   
   >Profis eine enorme Technik auf, um größtmögliche Farbtreue u.s.w. zu   
   >erzielen, auf der anderen Seite liegt in jedem Bild eine gewisse   
   >Subjektivität. Die Möglichkeiten digitaler Nachbearbeitung verschärfen dies   
   >noch zusätzlich.   
   >   
      
   Das Bild ist das Ziel! Nicht das Foto! Damit meine ich, dass es   
   grundsätzlich egal ist, welche Technik zur Erstellung eines Bildes   
   angewendet wird, wenn das Ergebnis der Absicht seines Urhebers   
   entspricht. Man könnte also auch eine Betriebsanleitung für ein Auto   
   mit Ölmalerei illustrieren, wenn sich das zweckentsprechend machen   
   ließe.   
      
   Die meisten Bilder, die ich produziere, sind Abbilder der   
   Wirklichkeit, die etwas zeigen sollen, was ich als besonders   
   wahrnehme. Wobei das Besondere in Farbe, Form, Blickwinkel,   
   Lichtstimmung oder Kombinationen daraus bestehen kann. Dazu kommen   
   noch "Erinnerungsbilder", die für unbeteiligte Betrachter eher   
   belanglos sind. Aber auch dabei bemühe ich mich, minimale ästhetische   
   Anforderungen zu erfüllen.   
      
   Das Können bei jeder Tätigkeit besteht darin, dass man zielgerichtet   
   und effektiv vorgeht und ein angestrebtes Ergebnis schließlich   
   erreicht. Das wäre professionelles Handeln. Ein Profi wird nicht mit   
   allen möglichen Werkzeugen am Bild herumpfuschen, sondern die   
   einsetzen, die zum Ergebnis führen.   
      
   Dem Amateur steht es frei, nicht so zielgerichtet und absichtsvoll zu   
   arbeiten und sich unter seinen eher zufallsabhängigen Produkten das   
   auszusuchen, was gefällt.   
      
   Wegen der Manipulationsmöglichkeiten, die es nicht erst seit der   
   digitalen Bildbearbeitung gibt, kann man mit Fotos im Grunde nichts   
   beweisen. Welchem Foto man vertraut, hängt in erster Linie von der   
   Quelle ab. Dem Foto einer Radarfalle wird in der Regel Beweiskraft   
   zugestanden. Einem Foto aus einer Bedienungsanleitung vertraut man,   
   dass das gezeigte Produkt wirklich so aussieht. Aber schon bei einem   
   Prospekt darf man annehmen, dass das Gezeigte in "Wirklichkeit" nie so   
   toll rüberkommt. Der (kritische) Umgang mit Bildern und Ihren Aussagen   
   ist eine Kulturtechnik und kann erlernt werden.   
      
   Ob also bestimmte Manipulationen an Bildern legitim sind oder nicht,   
   hängt einzig und allein vom Zweck ab. Bei einem Radarfoto darf man den   
   Kontrast zum Zwecke der Erkennbarkeit verändern, nicht jedoch ein   
   anderes Gesicht einkopieren. Bei einem Architekturfoto darf man die   
   Verzeichnung des Objektivs rausrechnen. Ein Stockwerk in ein Gebäude   
   einzufügen, wäre meist fragwürdig. Bei einem Portrait kann man   
   Hautunreinheiten beheben oder die Augenfarbe verstärken. Bei einem   
   Passfoto wäre das grenzwertig usw..   
      
   Gruß   
      
   PeterOinDO   
      
   --- SoupGate-Win32 v1.05   
    * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)   
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