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   Message 499,813 of 500,110   
   Sascha Rheker to Wolfgang Decker   
   Re: Hochwasser   
   05 Apr 06 09:48:41   
   
   From: sascha@srheker.de   
      
   Wolfgang Decker schrieb:   
   > "Harald Lodan"  schrub:   
   >   
   >   
   >>Lieber doof, als diese Doppelmoral von Journalistischenpflicht.   
   >   
   >   
   > Ich glaub, es ging weniger um Jornalisten/Fotographen, die in der   
   > Regel wissen, was sie wann wie tun, als um Katastrophentouristen, die   
   > mit Fotoapparat und Videokamera bewaffnet hunderte Kilometer anreisen,   
   > den Helfern und den Betroffenen im Weg herumstehen, ein paar Bilder zu   
   > machen und ein bissi Videofilm zu drehen, um dann wieder ins warme   
   > wohlige Zuhause zu fahren und sich vielleicht noch aufzuregen, dass in   
   > der Gegend kein Wirtshaus offen hat, wo man bei einem Bierchen die   
   > geschossenen Bilder begutachten kann.   
   >   
      
   Und auch die darf man nicht einfach verprügeln. Das ist einfach   
   induskutabel, mal ganz abgesehen davon, daß solche Maulhelden das eh   
   nicht tun, sondern nur ihren ganzen Frust ablassen, um dann in der   
   Bildzeitung genüßlich zu lesen wie andere Menschen demontiert werden.   
      
   >   
   >>Wenn Dein Hab und Gut mangels Hochwasser abbrennt und   
   >>Deine Kollegen von der Sensationspresse die Rettungsarbeiten   
   >>behindern, weil sie doch nur Bilder machen müssen (es spendet   
   >>ja sonst niemand für Dich), dann ist das natürlich ganz was   
   >>anderes, gell? Aber ich sehe es ja ein, es ist schon schwierig,   
   >>das mit der Ethik im Beruf....   
   >   
   >   
   > Das hat mit Ethik nix zu tun, Journalismus kann vor menschlichem Leid   
   > und Elend keinen Halt machen, sonst hätten viele andere Dinge den Weg   
   > in die Medien und damit auch zu einer Lösung nicht gefunden.   
      
   Gerade Bilder sind durchaus sinnvoll, denn gerade ein Bild auf dem man   
   sieht, daß da bei den Leuten das Wasser 70cm hoch im *Erdgeschoss*   
   steht, hilft Menschen im Rest der Welt den Begriff "Hochwasser"   
   einzuordnen und zu der Erkenntnis zu kommen, daß das wohl doch schlimmer   
   ist als die 5cm im eigenen *Keller* im letzten Herbst und daß man den   
   Spruch "Wir im Westen müssen uns immer selber helfen, bei den Ossis   
   kommt gleich die Bundeswehr." besser mal runterschluckt.   
      
   > Wenn über die Hochwässer, Erdbeben, Kriege, Hungersnöte, Dürren,   
   > Tsunamis, etc. nicht in Bild und Ton berichtet wird, wird's kaum die   
   > Menge an Spenden, Reaktionen, Verbesserungen, etc. geben, die   
   > erforderlich sind, um das Leid schneller zu lindern oder in Zukunft zu   
   > vermeiden.   
      
      
   Eine Welt in der man nicht mit negativen Nachrichten belästigt wird,   
   weil nur über schöne Dinge berichtet wird ist eine Illusion und die   
   Realität wird sich zunehmend verschlechtern, weil ja niemand etwas gegen   
   die Dinge tun wird, von denen niemand was weiß.   
      
   Oder glaubt einer von Euch, daß sich an der Rütli-Schule in Berlin was   
   geändert hätte, wenn die den Brief nur an den Bildungssenator   
   geschrieben hätten und der nie unter öffentlichen Druck geraten wäre,   
   was zu tun. Wenn jetzt einer "ja" sagt, dann soll er sich mal fragen,   
   wie es denn dann überhaupt so weit kommen konnte.   
      
      
   SASCHA   
      
   --- SoupGate-Win32 v1.05   
    * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)   

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