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|    Harald Lodan to Sascha Rheker    |
|    Re: Hochwasser    |
|    05 Apr 06 10:36:19    |
      From: harald-lodan@freenet.de              "Sascha Rheker" schrieb       > Harald Lodan schrieb:       > >>Jens Schröder schrieb:              > >>>Wenn wir Deichplanen im Wasser verlegen, und 100te Sandsäcke schleppen,       > >>>drücke ich jedem sein Objektiv samt Kamera in sein Maul              > >>Körperverletzung, Sachbeschädigung? Na, Mitglied in einer       > >>Hilfsorganisation* oder nur doof?              > > Lieber doof, als diese Doppelmoral von Journalistischenpflicht.              > Vorneweg: Ich denke, daß niemand das Recht hat jemand anderen einfach so       > zu verprügeln, egal welchen hochmoralischen Anspruch er zu haben glaubt!       > Wer meint anderen "eine Kamera ins Maul drücken" zu dürfen, der hat in       > der freien Wildbahn nichts verloren und das wird auch nicht dadurch       > gerechtfertigt, daß man gerade Flutopfern hilft.              Vorneweg: Mit dem Recht ist das so eine Sache: Es hat auch niemand       das Recht einen anderen als doof abzukanzeln. Man tut dass trotzdem,       um seinen Standpunkt zu verdeutlichen, zu unterstreichen. Soweit zur       Wortklauberei. Ohne Jens zu kennen, oder ihn verteidigen zu wollen, bin       ich sehr wohl in der Lage, die ohnmächtige Wut der Betroffenen zu       verstehen, die von der Politik im Stich gelassen werden (was ganz       neues!) und jedes Jahr um ihre Existenz bangen müssen. Ich möchte       bezweifeln, daß er (Jens) seine Worte 1zu1 umsetzt. Und selbst wenn:       So wäre das nur ein Zeichen dafür, daß der Betroffene, also jener, der       Kamera und Objektiv *aufs Maul* kriegt, zu nahe am Geschehen war.              Ich sehe, um dies ganz deutlich zu sagen, sehr wohl die immens       wichtige Aufgabe des Journalismus (gerade) in diesem Land. Einen       Unterschied zu machen zwischen Katastrophentouristen und       Journalisten, die ihrer Pflicht nachkommen, ist aber gerade Menschen       in Not und ihren Helfern nicht leicht möglich - das sollte mein Beispiel       von Deiner brennenden Bude verdeutlichen.              Und: Die Frage der Ethik werde ich (nicht nur weil hier OT) mit Dir       sicher nicht dikutieren. Dazu nimmst Du nicht nur mich als       Gesprächspartner viel zu wenig ernst und es würde auch zu weit       führen. So weit, daß ich schließlich zu der Frage käme, wo denn       die Grenze ist zwischen Journalistenpflicht und Anteilnahme. Zum       Beispiel in den Dürregebieten dieser Welt: Muß ich denn ein       verdurstendes, oder verhungerndes Kind fotografieren um der Welt       Untätigkeit vor Augen zu halten, oder verzichte ich auf das *Foto       des Jahres* und reiche dem Kind (mein) Wasser oder ein Stück Brot?              > > Aber ich sehe es ja ein, es ist schon schwierig,       > > das mit der Ethik im Beruf....              > Wenn man eine unabhängige Presse will, dann sollte man die       > Entscheidungen über deren Berufsethik nicht in fremde Hände legen, oder?              Aber das ist doch genau das Problem, daß die eigenen Hände zu oft       nicht wissen, was sie tun.              Harry              --- SoupGate-Win32 v1.05        * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)    |
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