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|    Sascha Rheker to Harald Lodan    |
|    Re: Hochwasser    |
|    05 Apr 06 12:09:34    |
      From: sascha@srheker.de              Harald Lodan schrieb:       > "Sascha Rheker" schrieb       >       >>Harald Lodan schrieb:       >>       >>>>Jens Schröder schrieb:       >       >       >>>>>Wenn wir Deichplanen im Wasser verlegen, und 100te Sandsäcke schleppen,       >>>>>drücke ich jedem sein Objektiv samt Kamera in sein Maul       >       >       >>>>Körperverletzung, Sachbeschädigung? Na, Mitglied in einer       >>>>Hilfsorganisation* oder nur doof?       >       >       >>>Lieber doof, als diese Doppelmoral von Journalistischenpflicht.       >       >       >>Vorneweg: Ich denke, daß niemand das Recht hat jemand anderen einfach so       >>zu verprügeln, egal welchen hochmoralischen Anspruch er zu haben glaubt!       >> Wer meint anderen "eine Kamera ins Maul drücken" zu dürfen, der hat in       >>der freien Wildbahn nichts verloren und das wird auch nicht dadurch       >>gerechtfertigt, daß man gerade Flutopfern hilft.       >       >       > Vorneweg: Mit dem Recht ist das so eine Sache: Es hat auch niemand       > das Recht einen anderen als doof abzukanzeln. Man tut dass trotzdem,       > um seinen Standpunkt zu verdeutlichen, zu unterstreichen. Soweit zur       > Wortklauberei. Ohne Jens zu kennen, oder ihn verteidigen zu wollen, bin       > ich sehr wohl in der Lage, die ohnmächtige Wut der Betroffenen zu       > verstehen, die von der Politik im Stich gelassen werden (was ganz       > neues!) und jedes Jahr um ihre Existenz bangen müssen. Ich möchte       > bezweifeln, daß er (Jens) seine Worte 1zu1 umsetzt. Und selbst wenn:       > So wäre das nur ein Zeichen dafür, daß der Betroffene, also jener, der       > Kamera und Objektiv *aufs Maul* kriegt, zu nahe am Geschehen war.              Das ist völlig daneben! Das ist eine Argumentation in der Art von "Die       Frau im kurzen Rock wollte vergewaltigt werden." und "Die haben das       Asylbewerberheim ja nur angesteckt, weil die keinen Arbeitsplatz haben       und Mutti säuft."              Es steht definitiv niemandem zu aus Frustration andere zu schlagen.       Schluß aus!              Wer das nicht akzeptieren kann, soll sich mal fragen wo denn bitte der       Anspruch herkommt, daß da niemand fotografieren darf.              >       > Ich sehe, um dies ganz deutlich zu sagen, sehr wohl die immens       > wichtige Aufgabe des Journalismus (gerade) in diesem Land. Einen       > Unterschied zu machen zwischen Katastrophentouristen und       > Journalisten, die ihrer Pflicht nachkommen, ist aber gerade Menschen       > in Not und ihren Helfern nicht leicht möglich              Und deswegen ist es ok jedem mit Kamera erstmal die Kamera in den Mund       zu drücken? Der zivilisierte Mensch würde fragen.              > Und: Die Frage der Ethik werde ich (nicht nur weil hier OT) mit Dir       > sicher nicht dikutieren.              Und warum? Bin ich Dir dafür zu doof, steht mir Ethik nicht zu?              > Dazu nimmst Du nicht nur mich als       > Gesprächspartner viel zu wenig ernst              Das ist auch nicht leicht, bei dem nun folgenden Text:              > Muß ich denn ein       > verdurstendes, oder verhungerndes Kind fotografieren um der Welt       > Untätigkeit vor Augen zu halten, oder verzichte ich auf das *Foto       > des Jahres* und reiche dem Kind (mein) Wasser oder ein Stück Brot?       >              Gutmensch sein wollen ist ja so einfach, wenn man es sich so einfach       machen will wie Du!              Nach Afrika fliegen, einem Kind ein Stück Brot geben und ein tolles       Gefühl auf dem Rückflug haben statt Bilder zu machen?              Klasse Idee. Nur welchem der 2000 vehungernden Kinder im Flüchtlingscamp       gibst Du denn Dein Butterbrot? Oder kannst Du ein komplettes       Flüchtlingslager (2000 Leute ist klein) so lange durchfüttern bis die       wieder selbst klar kommen?              Was hilft es denn dem Kind, wenn man ihm einen Schluck Wasser oder ein       Stück Brot gibt? Was hilft es, wenn ich eines von 2000 Kindern einen Tag       länger am Leben erhalte (wenn es das Stück lecker deutsches       Sauerteigbrot nicht eher schneller hinrafft) statt es zu fotografieren?              Meinst Du es ist geil sowas zu fotografieren? Meinst Du die machen das       weil man da tierisch Kohle mit verdient? Bilder von Pamela Anderson beim       Einkaufen bringen übrigens mehr Geld.              Machst Du dir das nicht alles ein wenig einfach, wenn Du dieses       rührseelige "mach kein Foto, gib ihm lieber ein Stück Brot"-Geschwafel       abläßt?              Gibt es denn nur "entweder oder"? Wer sagt denn, daß Fotografen nicht       helfen? (es gibt da ein Bild auf dem Nachtwey Kinder durch die Gegend trägt)                     Und im übrigen arbeiten viele Fotografen in solchen Situationen auch für       Hilfsorganisationen die das sicher nicht machen würden, wenn es       kontraproduktiv wäre, oder?              SASCHA              --- SoupGate-Win32 v1.05        * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)    |
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