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   de.rec.fahrrad      More than just Kraftwerks Tour De France      6,175 messages   

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   Message 4,200 of 6,175   
   Andre Eiger to Wolfgang Strobl   
   Re: "Sicher und einfach wie ein Fahrrad"   
   21 Aug 25 17:43:26   
   
   From: greenman@fantasymail.de   
      
   Wolfgang Strobl  wrote:   
   > Am Tue, 19 Aug 2025 11:42:49 -0000 (UTC) schrieb Andre Eiger   
   > :   
   >   
   >>Martin Kozlowski  wrote:   
   >>> Am 25.01.25 schrieb Wolfgang Strobl:   
   >>>   
   >>>> Auf die Tretkurbel-Mofas aka Pedelec übertragen heißt das: ich glaube   
   >>>> schon, dass ein gar nicht so kleiner Anteil deren Nutzer Radfahren   
   >>>> wollen und sich davon auch den Nutzen des Radfahrens versprechen, der   
   >>>> i.W. auf der damit verbundenen Anstrengung beruht.   
   >>   
   >>Über die Motivation fremder Leute kann man trefflich spekulieren.   
   >>Du meinst, die suchen im Wesentlichen positive Gesundheitseffekte, wie   
   >>sie ein intensives körperliches Training hervorbringen kann.   
   >   
   > Ih befürchte, es ist nicht mal im Ansatz so simpel.  Die   
   > Marlboro-Reklame - der Duft von Freiheit und Abenteuer, der ein   
   > klein wenig auch auf den abfärbt, der in seinem Bürojob eine   
   > Kippe nach der anderen im überquellenden Aschenbecher ausdrückt,   
   > diese Suggestion funktioniert durchaus, auch ohne dass irgendwer   
   > irgend etwas davon glaubt bzw. einen solchen Zusammenhang bewußt   
   > herstellt.   
      
   Du schreibst die Verbreitung der Pedelecs der Werbung zu? Damit hältst Du   
   die Leute für blöd. Und wie kommst Du aufd die Idee, Zigarettenwerbung   
   zu zitieren, wo Nikotin ein Suchtmittel darstellt?   
      
   > Radfahren hat ein positives Image, zu dem auch die Effekte   
   > intensiven körperlichen Trainings wie Fitness und Gesunheit   
   > beitragen, ...   
      
   Ja, ein Image von Fitness und Gesundheit. In der Werbung breit verwendet,   
   und es justifiziert das eigene Verhalten und Entscheidungen.   
      
   > ... Das positive Image färbt   
   > ab, nicht das das intensive körperliche Training.   
      
   So ist es, denn es knüpft an innerliche Bedürfnisse, Wünsche und   
   Vorstellungen an.   
      
      
   >>Mag sein, Deine Sicht ist vom Blickwinkel eines Alters getrieben, wo man   
   >>merkt, dass körperliche Fitness und Gesundheit endlich und kein   
   Selbstläufer   
   >>sind, noch verstärkt von Deiner Aversion gegen E-Bikes.   
   >   
   > Das klingt wie von einem angestrebten Urteil her argumentiert.   
      
   Nein, ich habe überlegt, was Deinen Blickwinkel so verengen könnte, und   
   mit fiel nicht besonders viel ein.   
      
   Deine Sichtweise stülpst Du ohne einen Hauch von Zweifel allen anderen   
   über, und bist dann erstaunt, entäuscht oder verbittert über die Realität.   
      
   Wenn jemand beispielsweise zum Organisieren seiner Alltagswege ein Pedelec   
   anschafft, dann justifizieren zusätzlich sportliches Image,   
   Umweltfreundlichkeit, Gesundheit, Ressourcensparsamkeit usw. seine   
   Entscheidung. Dahinter steckt das vielbeschworene Wertesystem.   
      
   Wem die Umweltfreundlichkeit am Arsch vorbeigeht, nimmt stattdessen   
   vielleicht Kostengünstigkeit, Gewicht reduzieren, etc.   
      
   Natürlich kann man sich irren, was die Erfüllung solcher Erwartungen   
   betrifft. Das ist auch vollkommen normal bei halbwegs optimistischer   
   Grundeinstellung. Doch der primäre Grund für die Entscheidung war hier   
   immer noch das Bewältigen seiner Alltagswege, und nicht der Wunsch nach   
   Trainingseffekten. Das ist vielleicht DEIN Wunsch.   
      
      
   > Ich bin mir meines Alters durchaus bewusst und freue mich   
   > darüber, wie fit ich trotz Alter und einiger Beschädigungen durch   
   > Unfälle noch immer bzw. schon wieder bin, aus Gründen, die mit   
   > mit meiner spezifischen Aversion gegen eine ganz bestimmte Sorte   
   > E-Bike durchaus orrelieren.  Das muß man nicht verstehen und es   
   > nicht verstehen wollen darf man auch. Also tu' Dir keinen Zwang   
   > an.  :-)   
      
   Was auch immer Du damit sagen willst, die Wirkung des Alters erlebe   
   ich an mir selbst. Diesen Fokus richte ich allerdings auf meine eigene   
   Person und nicht auf andere Leute, deren konkrete Situation ich   
   überhaupt gar nicht kenne.   
      
      
   >>Das Spektrum an Motivationsfaktoren ist zweifellos weitaus größer, wie z.B.   
   >>der Spaß- und Erlebnisfaktor, das Bedürfnis nach sozialer Interaktion, oder   
   >>die banale Organisation des Alltags. Den Erfolg der Pedelecs sehe ich   
   >>stark von solchen Faktoren befördert.   
   >   
   > All diese Faktoren gibt es in mindestens demselben Umfang auch   
   > bei Fahrrädern.  Die Unterschiede fangen da an, wo sich   
   > Kraftfahrzeuge von muskelbetriebenen Fahrzeugen unterscheiden.   
      
   Genau das ist der Punkt. Der Motorantrieb verschiebt im Wesentlichen nur   
   die Grenzen der Machbarkeit, wie Geschwindigkeit, Reichweite oder   
   Transportkapazität, und schränkt sie an anderer Stelle wiederum ein,   
   z.B. wieder Reichweite, Tragen und Heben, Trainingseffekt, Betriebskosten,   
   etc.   
      
   Ich wüsste nicht, wie ich das für wildfremde Leute beurteilen sollte.   
      
   > Der soziale Aspekt des Herumfrickelns an Motorfahrzeugen   
   > ("Benzingespräche", "Tuning") ist genau so wenig zu unterschätzen   
   > wie die nicht erlernte, sondern angeborene Motivation, sich   
   > _nicht_ anzustrengen, wenn es nicht erforderlich ist.   
      
   Tuning und Benzingespräche, wieder mal Dein sehr spezieller Blickwinkel.   
      
   Bei "sozialer Interaktion" hatte ich beispielsweise an gemeinsame   
   Ausfahrten in der Gruppe gedacht. Das Pedelec ist ein Gleichmacher.   
   Mit dem Fahrrad wird man in so einer Gruppe fast immer eine   
   Sonderlocke beanspruchen müssen.   
      
   Dass Du nicht gerade der Experte für "Rudelradeln" bist, hast Du   
   allerdings schon mehrfach kundgetan.   
      
      
   > Lass einen Menschen irgendwo stranden, wo es in der Nähe kein   
   > trinkbares Wasser gibt, und er wird fünfzehn Kilometer laufen,   
   > wenn er durstig wird.  Stell ihm ein Fahrrad hin, und er wird die   
   > Strecke in einem Drittel der Zeit fahren und sich dabei weniger   
   > angestrengt haben. Gib ihm ein Pedelec mit vollem Akku, und er   
   > wird in einem Viertel der Zeit seinen Durst gestillt haben und   
   > sich noch etwas weniger angestrengt haben.  Wiederhole das   
   > Experiment in ein oder  zwei Tagen, ohne zwischenzeitliche   
   > Versorgung mit Wasser.  Was wird passieren?   
      
   Ehrlich, ich weiß nicht, worauf Du hinauswillst.   
      
   Er kann sich auch noch um seine Tiere kümmern und bringt Wasser   
   in zwei Kannen und ein Bündel Brennholz mit nach Hause, oder   
   kann das Essen zubereiten.   
      
   Allerdings ist der Akku am dritten Tag leer und er nimmt wieder das   
   Fahrrad.   
      
      
      
   > Der Erfolg des Pedelec ist recht einfach dadurch zu erklären,   
   > dass es als Alternative zum Fahrrad gerade für diejenigen, die   
   > das Pedelec besser mieden, besonders attraktiv und schädlich ist.   
      
   Schädlich also. Wieder mal nur Dein persönlicher Blickwinkel. Dass   
   jemand einfach regelmäßig seinen Arbeitsweg oder Einkäufe erledigen   
   will, reicht DIR nicht, er muss nach DEINEN Maßstäben etwas für seine   
   GESUNDHEIT tun, weil DIR das wichtig wäre.   
      
   Warum GLAUBST Du, er würde sich auf einem Fahrrad MEHR anstrengen?   
   Siehst Du DICH an seiner Stelle in einer hypothetischen Situation?   
      
   Jugendliche nehmen heute stattdessen den E-Scooter.   
      
      
   [continued in next message]   
      
   --- SoupGate-Win32 v1.05   
    * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)   

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