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|    Udo Steinbach to All    |
|    Re: "Sicher und einfach wie ein Fahrrad"    |
|    25 Aug 25 20:23:44    |
      From: trashcan@udoline.de              Am 2025-08-25 um 10:16 schrieb Anton Ertl:       > Dass diese Wunschtraeume keiner rationalen Betrachtung und auch nicht der       > Alltagserfahrung standhalten              spielt deshalb keine Rolle, weil dafür System 2 in Aktion treten müßte, der       Verstand. Der aber ruht, solange alles Rund läuft. Also bestimmt System 1,       die Schnelldenkabteilung und Intution, welche kaum Energie benötigt.       Neurologisch hat Michael Nehls das in seinen Videos erläutert,       https://michael-nehls.de/ .              Aber das kann man auch leicht beobachten, wenn etwa Linksabbieger jede noch       so lange Lücke vorbeiziehen lassen, oder wenn ich wild mit den Armen rudern       muß, damit der Autofahrer reagiert, obwohl ich noch rolle. Die zeitliche       Länge der Lücke spielt offensichtlich keine Rolle, sondern vielmehr, das,       nach Art heutiger Programmierung, ein Erwartungswert erfüllt wird, hier       vielleicht in Form eines Radars mit der Bedingung „in diesem Bereich darf       sich nichts bewegen, dann kann ich losfahren“. So ist auch zu erklären, das       Linksabbieger Radfahrer überfahren: Als das Radar aufgespannt wurde, fehlte       mangels Radfahrern deren Bereich. Straßenbahnen, die man ja nun wirklich       nicht übersehen kann, ebenso, das Gleis wird nicht berücksichtigt. Und dann       tritt man aufs Gas. Die Straße „Langenhof“ in Zwischenahn hat eine       geradezu       luxuriöse Fußgängerampel. Obwohl man dort oft einfach so rüber gehen kann,       sogar schlendern, aktivieren die Leute sie und warten dann.       Der Verstand, System 2, ist beim Gasgeben eben nicht beteiligt, eine       Einschätzung der gegenwärtigen Realität findet nicht statt. Deshalb wirkt       sich auch Ablenkung im falschen Moment so fatal aus. System 2 würde sie als       solche erkennen und verwerfen. Doch System 1 muß darauf umschalten. Und der       Fuß bleibt auf dem Gas, bis System 2 endlich reagiert.              Für System 1 haben ganz andere Merkmale Priorität: Herdentrieb (die dauernd       wiederholte positive Botschaft bzw. ein solches Symbol verspricht       Anwesenheit der/einer Herde), Angst und Sorge (Bereitschaft erhöht die       Überlebenswahrscheinlichkeit), und noch andere. Diese beiden finden wir in       Werbung und Propaganda.       Mit Wunschträumen, womöglich noch selbstgemachte, hat das ganze nichts zu       tun. Niemand glaubt ernsthaft, an einen solchen scharfen Hasen ranzukommen,       oder ohne jede Anstrengung dünn zu werden, auch läßt sich das niemand       aufschwatzen. Doch ist der scharfe Hase und Idealgewicht eben eine positive       Botschaft, zu der die Herde strebt, bzw. von der System 1 annimmt, die       Herde strebe danach. Der folgt man, nicht mehr und nicht weniger.              Nun hat man dem Pedelec per Übertragung der positiven Eigenschaften des       Fahrrades eine Herde verschafft. Jedenfalls glaubt System 1 das. Dazu noch       1, 2, 3 tatsächliche Vorteile. Also wirds gekauft. Alles danach ist       nachträgliche Rationalisierung a.k.a. Schönreden. Ist bekannt, man will       seinen Leuten gegenüber den Fehlkauf nicht als solchen zugeben. Weil System       2 aber doch eine Rolle spielt, kommt sowas wie „Pedelec fahren steigert       Fitness und Gesundheit“ gerade recht. Oder man sucht nach einer Ausrede, es       vergammeln zu lassen.       Wie groß ist die (vermutete) Herde mit Rudermaschinenartigen Geräten?       Vielleicht würde sich die Madame tatsächlich damit betätigen, hätte man ihm       wie dem Pedelec zuvor positive Eigenschaften von einem anderen Gerät mit       (vermuteter) großer Herde übertragen. Mindestens aber hätte sie eine       gewisse Zeit lang getestet, lang genug, eine ausreichende Ausrede zu       finden.                     Ich habe jetzt spontan und zum ersten mal zur Frage System 1+2 Perplexity       gefragt. Das sei hier nur so nebenbei wiedergegeben.              System 1 des menschlichen Gehirns behandelt das schnelle, automatische,       intuitive und unbewusste Denken und Handeln. ...       Auch beim Warten auf eine Lücke zum Linksabbiegen im Straßenverkehr ist       System 1 beteiligt:...              > Nehmen wir nur das Linksabbiegen ohne jede Besonderheit.       Beim reinen Linksabbiegen ohne jede Besonderheit, also in einer       routinierten Alltagssituation, übernimmt fast ausschließlich System 1 die       Steuerung und Entscheidungsfindung. ...              > These: Genau deshalb werden entgegenkommende Radfahrer auf Radwegen       > überfahren. Oder Kollisionen mit Bussen und Straßenbahnen.       Die These ist plausibel: Gerade weil System 1 im Alltag als „Autopilot“       agiert und auf bekannte Routinen zurückgreift, werden dabei spezifische       Gefahren – wie entgegenkommende Radfahrer auf Radwegen oder Busse und       Straßenbahnen – häufig übersehen und unterschätzt. System 1 filtert       Informationen und „sieht“ oft vor allem das Erwartbare, also das, was in       der typischen Erfahrung liegt; Ungewohntes oder Veränderungen werden       schnell übersehen – vor allem, wenn Stress, Zeitdruck oder Ablenkung       vorliegen.       ...              > These: Sie werden nicht übersehen, sondern von vorn herein nicht       > berücksichtigt. Das jedoch ist nötig, damit System 1 darauf reagiert.       Die These ist zutreffend und wird von der Forschung unterstützt: Im Alltag       „berücksichtigt“ System 1 viele Verkehrsteilnehmer – vor allem solche,       die       selten sind oder außerhalb der gelernten Routinen liegen – tatsächlich gar       nicht aktiv, statt sie bewusst zu „übersehen“. Damit System 1 zuverlässig       reagiert, müssten Radfahrer, Busse oder Straßenbahnen schon Teil der       inneren Routinen und Erwartungsmuster sein; fehlt diese Einprägung, werden       sie schlicht nicht in die automatische Verarbeitung aufgenommen und       entsprechend oft übersehen.       ...              > Schlußfolgerung: Der Linksabbieger spannt sozusagen ein Radar auf ...       ...       Allerdings berücksichtigt dieses „Radar“ nur die gegenwärtigen und aktiv       wahrgenommenen Umstände zum Zeitpunkt des „Aufspannens“. Wenn also gerade       keine Radfahrer auf dem Radweg oder keine Straßenbahn auf den Gleisen       wahrnehmbar sind, werden diese Objekte im inneren Modell von System 1 nicht       als potenzielle Gefahr einbezogen. Somit reagiert System 1 anfangs nicht       auf sie, weil sie schlicht nicht „da“ sind.       ...              Und so braucht man nichtmal auf steuernde Telefonierer und Smombies       schimpfen, weil sie auch ohne Gerät durch den Verkehr schlafwandeln.       KI: „Das Smartphone ist oft wie ein Verstärker oder Multiplikator der       ohnehin häufig schon vorhandenen reduzierten Aufmerksamkeit im       Straßenverkehr. Die Grundtendenz zu automatisiertem, wenig reflektiertem       Verhalten besteht jedoch auch ohne es.“       Für mich, jemanden, der im Verkehr den Verstand eingeschaltet hat, schlägt       KI den Begriff „Bewusstfahrer“ vor.              Die olle KI hat mir auch hier zugestimmt,              [continued in next message]              --- SoupGate-Win32 v1.05        * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)    |
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