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   de.rec.fahrrad      More than just Kraftwerks Tour De France      6,175 messages   

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   Message 4,224 of 6,175   
   Udo Steinbach to All   
   Re: "Sicher und einfach wie ein Fahrrad"   
   25 Aug 25 20:23:44   
   
   From: trashcan@udoline.de   
      
   Am 2025-08-25 um 10:16 schrieb Anton Ertl:   
   > Dass diese Wunschtraeume keiner rationalen Betrachtung und auch nicht der   
   > Alltagserfahrung standhalten   
      
   spielt deshalb keine Rolle, weil dafür System 2 in Aktion treten müßte, der   
   Verstand. Der aber ruht, solange alles Rund läuft. Also bestimmt System 1,   
   die Schnelldenkabteilung und Intution, welche kaum Energie benötigt.   
   Neurologisch hat Michael Nehls das in seinen Videos erläutert,   
   https://michael-nehls.de/ .   
      
   Aber das kann man auch leicht beobachten, wenn etwa Linksabbieger jede noch   
   so lange Lücke vorbeiziehen lassen, oder wenn ich wild mit den Armen rudern   
   muß, damit der Autofahrer reagiert, obwohl ich noch rolle. Die zeitliche   
   Länge der Lücke spielt offensichtlich keine Rolle, sondern vielmehr, das,   
   nach Art heutiger Programmierung, ein Erwartungswert erfüllt wird, hier   
   vielleicht in Form eines Radars mit der Bedingung „in diesem Bereich darf   
   sich nichts bewegen, dann kann ich losfahren“. So ist auch zu erklären, das   
   Linksabbieger Radfahrer überfahren: Als das Radar aufgespannt wurde, fehlte   
   mangels Radfahrern deren Bereich. Straßenbahnen, die man ja nun wirklich   
   nicht übersehen kann, ebenso, das Gleis wird nicht berücksichtigt. Und dann   
   tritt man aufs Gas. Die Straße „Langenhof“ in Zwischenahn hat eine   
   geradezu   
   luxuriöse Fußgängerampel. Obwohl man dort oft einfach so rüber gehen kann,   
   sogar schlendern, aktivieren die Leute sie und warten dann.   
   Der Verstand, System 2, ist beim Gasgeben eben nicht beteiligt, eine   
   Einschätzung der gegenwärtigen Realität findet nicht statt. Deshalb wirkt   
   sich auch Ablenkung im falschen Moment so fatal aus. System 2 würde sie als   
   solche erkennen und verwerfen. Doch System 1 muß darauf umschalten. Und der   
   Fuß bleibt auf dem Gas, bis System 2 endlich reagiert.   
      
   Für System 1 haben ganz andere Merkmale Priorität: Herdentrieb (die dauernd   
   wiederholte positive Botschaft bzw. ein solches Symbol verspricht   
   Anwesenheit der/einer Herde), Angst und Sorge (Bereitschaft erhöht die   
   Überlebenswahrscheinlichkeit), und noch andere. Diese beiden finden wir in   
   Werbung und Propaganda.   
   Mit Wunschträumen, womöglich noch selbstgemachte, hat das ganze nichts zu   
   tun. Niemand glaubt ernsthaft, an einen solchen scharfen Hasen ranzukommen,   
   oder ohne jede Anstrengung dünn zu werden, auch läßt sich das niemand   
   aufschwatzen. Doch ist der scharfe Hase und Idealgewicht eben eine positive   
   Botschaft, zu der die Herde strebt, bzw. von der System 1 annimmt, die   
   Herde strebe danach. Der folgt man, nicht mehr und nicht weniger.   
      
   Nun hat man dem Pedelec per Übertragung der positiven Eigenschaften des   
   Fahrrades eine Herde verschafft. Jedenfalls glaubt System 1 das. Dazu noch   
   1, 2, 3 tatsächliche Vorteile. Also wirds gekauft. Alles danach ist   
   nachträgliche Rationalisierung a.k.a. Schönreden. Ist bekannt, man will   
   seinen Leuten gegenüber den Fehlkauf nicht als solchen zugeben. Weil System   
   2 aber doch eine Rolle spielt, kommt sowas wie „Pedelec fahren steigert   
   Fitness und Gesundheit“ gerade recht. Oder man sucht nach einer Ausrede, es   
   vergammeln zu lassen.   
   Wie groß ist die (vermutete) Herde mit Rudermaschinenartigen Geräten?   
   Vielleicht würde sich die Madame tatsächlich damit betätigen, hätte man ihm   
   wie dem Pedelec zuvor positive Eigenschaften von einem anderen Gerät mit   
   (vermuteter) großer Herde übertragen. Mindestens aber hätte sie eine   
   gewisse Zeit lang getestet, lang genug, eine ausreichende Ausrede zu   
   finden.   
      
      
   Ich habe jetzt spontan und zum ersten mal zur Frage System 1+2 Perplexity   
   gefragt. Das sei hier nur so nebenbei wiedergegeben.   
      
   System 1 des menschlichen Gehirns behandelt das schnelle, automatische,   
   intuitive und unbewusste Denken und Handeln. ...   
   Auch beim Warten auf eine Lücke zum Linksabbiegen im Straßenverkehr ist   
   System 1 beteiligt:...   
      
   > Nehmen wir nur das Linksabbiegen ohne jede Besonderheit.   
   Beim reinen Linksabbiegen ohne jede Besonderheit, also in einer   
   routinierten Alltagssituation, übernimmt fast ausschließlich System 1 die   
   Steuerung und Entscheidungsfindung. ...   
      
   > These: Genau deshalb werden entgegenkommende Radfahrer auf Radwegen   
   > überfahren. Oder Kollisionen mit Bussen und Straßenbahnen.   
   Die These ist plausibel: Gerade weil System 1 im Alltag als „Autopilot“   
   agiert und auf bekannte Routinen zurückgreift, werden dabei spezifische   
   Gefahren – wie entgegenkommende Radfahrer auf Radwegen oder Busse und   
   Straßenbahnen – häufig übersehen und unterschätzt. System 1 filtert   
   Informationen und „sieht“ oft vor allem das Erwartbare, also das, was in   
   der typischen Erfahrung liegt; Ungewohntes oder Veränderungen werden   
   schnell übersehen – vor allem, wenn Stress, Zeitdruck oder Ablenkung   
   vorliegen.   
   ...   
      
   > These: Sie werden nicht übersehen, sondern von vorn herein nicht   
   > berücksichtigt. Das jedoch ist nötig, damit System 1 darauf reagiert.   
   Die These ist zutreffend und wird von der Forschung unterstützt: Im Alltag   
   „berücksichtigt“ System 1 viele Verkehrsteilnehmer – vor allem solche,   
   die   
   selten sind oder außerhalb der gelernten Routinen liegen – tatsächlich gar   
   nicht aktiv, statt sie bewusst zu „übersehen“. Damit System 1 zuverlässig   
   reagiert, müssten Radfahrer, Busse oder Straßenbahnen schon Teil der   
   inneren Routinen und Erwartungsmuster sein; fehlt diese Einprägung, werden   
   sie schlicht nicht in die automatische Verarbeitung aufgenommen und   
   entsprechend oft übersehen.   
   ...   
      
   > Schlußfolgerung: Der Linksabbieger spannt sozusagen ein Radar auf ...   
   ...   
   Allerdings berücksichtigt dieses „Radar“ nur die gegenwärtigen und aktiv   
   wahrgenommenen Umstände zum Zeitpunkt des „Aufspannens“. Wenn also gerade   
   keine Radfahrer auf dem Radweg oder keine Straßenbahn auf den Gleisen   
   wahrnehmbar sind, werden diese Objekte im inneren Modell von System 1 nicht   
   als potenzielle Gefahr einbezogen. Somit reagiert System 1 anfangs nicht   
   auf sie, weil sie schlicht nicht „da“ sind.   
   ...   
      
   Und so braucht man nichtmal auf steuernde Telefonierer und Smombies   
   schimpfen, weil sie auch ohne Gerät durch den Verkehr schlafwandeln.   
   KI: „Das Smartphone ist oft wie ein Verstärker oder Multiplikator der   
   ohnehin häufig schon vorhandenen reduzierten Aufmerksamkeit im   
   Straßenverkehr. Die Grundtendenz zu automatisiertem, wenig reflektiertem   
   Verhalten besteht jedoch auch ohne es.“   
   Für mich, jemanden, der im Verkehr den Verstand eingeschaltet hat, schlägt   
   KI den Begriff „Bewusstfahrer“ vor.   
      
   Die olle KI hat mir auch hier zugestimmt,   
      
   [continued in next message]   
      
   --- SoupGate-Win32 v1.05   
    * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)   

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