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   de.rec.fahrrad      More than just Kraftwerks Tour De France      6,175 messages   

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   Message 4,241 of 6,175   
   Wolfgang Strobl to All   
   Re: =?utf-8?Q?Unf=C3=A4lle_und_Journali?   
   30 Aug 25 10:57:55   
   
   From: news51@mystrobl.de   
      
   Am Fri, 29 Aug 2025 21:22:00 +0200 schrieb Thomas_Schlueter   
   :   
      
   >Am 29.08.2025 um 11:06 schrieb Wolfgang Strobl:   
   >>   
   >> Das Verhalten beim Gebrauch eines Kfz beinflusst die   
   >> Wahrscheinlichkeit und zu erwartende Schwere von Unfällen.   
   >   
   >Ohne Frage.   
      
   Das bedeutet aber nicht, dass für den Einzelnen die Korrelation   
   zwischen dem eigenem Verhalten und einem davon begünstigten   
   Unfall wahrnehmbar ist.   
      
   >   
   >Der alles dominierende Verkehrsunfall ist die Kollision zweier PKW mit   
   >Blechschaden.   
      
   Wenn es um Zahlen und Fahrzeuge geht, ist alles dominierende   
   Verkehrsunfall der Sturz mit einem Fahrrad, der einen Schaden am   
   Fahrrad oder an der Person zur Folge hat.   
      
   >Das ist die eigentliche Stellgröße, an der der einzelne   
   >Autofahrer sein persönliches Unfallrisiko einpegelt. Unfälle mit   
   >Personenschaden, und spezielle PKW-Unfälle mit Personenschaden und   
   >beteiligten Fußgängern/Radfahrern sind letztlich nur proportionale   
   >Mitläufer in diesem großen Kontext. Begründung: Unfälle sind eben keine   
   >Vorsatztaten. Die Unfallverursacher planen den konkreten Unfall nicht   
   >vorher, sie suchen sich folglich auch weder den Unfallort noch die   
   >Verkehrsart ihres Gegners bewusst aus, und sie bestimmen auch nicht über   
   >die Unfallschwere im Vorhinein. Und weil das so ist, würde eine   
   >geänderte Betonung der Unfallschuld in der Berichterstattung bei   
   >Unfällen unter Beteiligung "schwacher" Verkehrsteilnehmer logischerweise   
   >auch nichts am Unfallrisiko ändern können.   
      
   Und dieses Thema ist schon viel gestritten worden.  Ist es   
   Vorsatz, wenn eine Verhaltensweise massiv risikoerhöhend ist,   
   sowohl was das Eintreten als auch was die Schwere des Ereignisses   
   angeht, der potentielle Täter aber damit rechnen kann, dass es zu   
   seinen Lebzeiten nicht ausgerechnet ihn selber trifft?   
      
   Ist die Unterscheidung und deren Benennung überhaupt relevant,   
   wenn es um die Inhalte der Verkehrspolitik geht? Freilich ist sie   
   relevant und zu berücksichtigen, wenn es darum geht, eine   
   bestimmte Verkehrspolitik zu verkaufen, sie an den Mann oder an   
   die Frau zu bringen.   
      
   Das ist dann aber Psychologie, Soziologie und Marketing und nicht   
   Analyse und Bewertung, welche verkehrstechnischen Konstrukte,   
   Verkehrsführungen, Regeln und welchen Verhaltensweisen die   
   Wahrscheinlichkeit und Schwere von Unfällen beeinflussen.   
      
   Man wird m.E. beides getrennt und im Zusammenhang betrachten   
   müssen und dabei sorgfältig trennen müssen, welchen Bereich man   
   jeweils betrachtet und meint.   
      
   Es sei dahingestellt, ob der Versuch sonderlich zielführend ist,   
   von den Medien eine weniger gefärbte Sprachregelung zu verlangen.   
   Mir persönlich ist schon sehr viel früher das Verschwinden der   
   Gefährdungshaftung aus dem allgemeinen Wortschatz sauer   
   aufgestoßen. Aber ich habe schon lange aufgegeben, dies überhaupt   
   in Diskussionen zu erwähnen.   
      
   Insofern stimme ich Dir zu. Aus meiner Sicht ist Herummäkeln an   
   der kritisierten Sprachregelung hilfloser und folgenloser   
   Aktionismus, was man auch daran festmachen kann, das in den   
   Kreisen, die ihre Blogs mit dergleichen füllen, i.d.R. die   
   günstigstenfalls nutzlosen Forderungen nach "besseren Radwegen"   
   ausgiebig gepodcastet oder verschriftlicht werden.  Es gibt   
   angenehmere und nützlichere Hobbys.   
      
   Bleibt die Frage, was wäre denn nützlich? Meine Antwort darauf   
   besteht darin, dort, wo ich auf Schilderungen von Fahrradunfällen   
   stoße und öffentlich an der Darstellung in der Presse   
   herumgekrittelt wird, mal selber versuche, mir ein Bild zu   
   verschaffen.   
      
   Ein eher zufällig aktuelles Bespiel:   
      
   Da kein Todesfall, sondern ein Sturz mit Prellungen und   
   Schürfwunden, wird der Unfall für Deine Statistik wohl nicht   
   relevant sein.  Jedoch ist es IMO ein brauchbares Beispiel dafür,   
   dass es nicht fehlende Schuldzuweisungen in Pressemitteilungen   
   sind, über die man sich mokieren sollte, sondern systematisch   
   fehlende Details. Immerhin wurde "eine Verengung der Fahrbahn"   
   erwähnt. Dass hier aber ein schon schmaler Radstreifen weiter   
   verengt _und_ gleichzeitig beidseitig verschwenkt wurde und im   
   Bereich der Engstelle an der vorher beiseitig markierte Streifen   
   an der Aussenseite schon 2022 weitgehend abgefahren war, lässt   
   sich nur vor Ort oder mit Glück via Streetview herausfinden.   
      
      
      
      
   --   
   Wir danken für die Beachtung aller Sicherheitsbestimmungen   
      
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    * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)   

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