From: news51@mystrobl.de   
      
   Am Sat, 25 Oct 2025 14:12:08 +0200 schrieb Helmut Fischer   
   :   
      
   Vorbemerkung: Ich lasse mal die gesamte Herleitung weg lasse   
   Kreuzotter rechnen, weil dort Faktoren wie Fahrradtyp, Reifen   
   Haltung berücksichtigt werden.   
      
   >Behalte ich bei steileren Anstiegen meine gewohnte Trittfrequenz und den   
   >gefühlten Energieeinsatz ("Anstrengung") bei, bin ich, sofern die   
   >Schaltung genügend kleine Gänge vorhält, ruck-zuck im Schrittempo. Da   
   >fällt es dann immer besonders auf wenn e-Bikes mich mit sehr niedriger   
   >Trittfrequenz überholen.   
      
   M.E. resultieren die gefühlten Unterschiede daher, dass Äpfel mit   
   Birnen verglichen werden. Der Anteil, den Luftwiderstand   
   einerseits und Hubarbeit andererseits ausmachen, bzw. deren   
   Verhältnis, hängen davon ab, ob man beim Tempo in dem Bereich   
   bleibt, in dem der Luftwiderstand noch kaum eine Rolle spielt   
   (hängt vom Fahrradtyp bzw. der Haltung ab), oder ob man mit einem   
   Tempo fährt, bei dem ein großer Teil der verfügbaren Leistung   
   schon für die Überwindung des Luftwiderstandes aufgebracht werden   
   muss.   
      
   Wer in der Ebene mühelos so schnell fährt, dass er per Fahrrad   
   und Haltung bereits in einem Bereich fährt, in dem der   
   Luftwiderstand eine merkliche Rolle spielt, wird bei dem Versuch,   
   an Anstiegen das in der Ebene gewohnte Tempo zu halten, schon   
   geringfügige Steigungen wie z.B. 2% als sehr anstrengend   
   empfinden, weil das anstrengend _ist_, denn die Hubarbeit ist bei   
   dem Tempo erheblich und zusätzlich.   
      
   Wer an heftigeren und vor allem längeren Anstiegen gelernt hat,   
   die aufgebrachte Tretleistung rechtzeitig zu begrenzen, fährt   
   entsprechend langsamer, elimiert dadurch weitgehend die für   
   Überwindung des Luftwiderstandes erforderliche Leistung und   
   leistet so überwiegend Hubarbeit, ohne das als ungewöhnlich   
   anstrengend zu empfinden.   
      
   Dies klingt einfacher als es ist, denn es gibt zwei Fallstricke.   
      
   Ein oft übersehener Fallstrick besteht darin, die eigene   
   Leistungsfähigkeit zu überschätzen. Der menschliche Muskelmotor   
   ist kein Kfzmotor, sondern wird aus unterschiedlichen   
   Energiequellen versorgt, die sich bezüglich dessen unterscheiden,   
   wie viel Leistung sie liefern können, wie groß das Reservoir ist,   
   aus dem sie gespeist werden und wie schnell dieses wieder   
   aufgefüllt wird. Die Sportwissenschaft liefert reichlich   
   Material zu diesem Thema. Für die Praxis reicht zunächst die   
   Erkenntnis, dass das, was sich an Anstiegen für eine ganze Weile   
   als "noch gut fahrbar" anfühlt, deutlich oberhalb dessen liegt,   
   was über längere Zeiträume durchhaltbar ist.   
      
   Ein zweiter Fallstrick ist offensichtlicher: man kann mit dem   
   Tempo nicht beliebig runter gehen. Man kann üben, auch bei 4   
   km/h und weniger nicht vom Rad zu fallen, jedoch ist das kein   
   praktikables Rezept für lange Anstiege.   
      
   Was also tun? Ein von Sportlern abgeschautes Rezept für die   
   Bewältigung von langen Anstiegen, welches zumindest für mich   
   recht gut funktioniert hat, besteht darin, die individuelle   
   Ausdauerleistung zu bestimmen, diese spezifisch zu trainieren und   
   dann auf realen Anstiegen eisern mit dieser Leistung zu kurbeln   
   und zu vermeiden, sie deutlich oder für mehr als eine kurze   
   Zeitspanne zu überschreiten, auch wenn's schwerfällt.   
      
   Ebikes konditionieren auf so ziemlich das Gegenteil dieses   
   Verhaltens, da wird rauf und runter i.W. mit einem Tempo   
   gefahren, das nur wenig variiert.   
      
   --   
   Wir danken für die Beachtung aller Sicherheitsbestimmungen   
      
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    * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)   
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