From: news51@mystrobl.de   
      
   Am Sat, 25 Oct 2025 14:33:56 +0200 schrieb Helmut Fischer   
   :   
      
   >Am 24.10.25 um 23:24 schrieb Wolfgang Strobl:   
   >   
   >> (einen Tourbericht)   
   >   
   >Danke für den Bericht und die Eindrücke.   
      
   Gerne. Ich plane eine Fortsetzung. :-)   
      
   >   
   >Ich war vor ca. 20 Jahren zwei Mal mit meiner Liebsten auf von   
   >"Rückenwind" aus Oldenburg organisierten Rundreisen in der Provence, die   
   >zweite Tour war ganz in der Nähe von Eurem Revier. Wir haben das in   
   >vielfacher Hinsicht sehr genossen. Die Touren waren minutiös   
   >ausgearbeitet und haben größere Straßen fast vollständig vermieden.   
      
   Auch größere Straßen lassen sich in der Region auch heute noch   
   gut befahren, auch wenn der Ausbau manch geeignete Strecke für   
   das Radfahren unattraktiver macht oder ruiniert. Freilich ziehen   
   auch wir weniger befahrene Straßen vor, zumindest dann, wenn die   
   Beläge nicht gar zu schlecht bzw. kaputtgefahren sind.   
      
   Wir sind in den Neuzigern mit den Kindern mehrfach per   
   organisierter Busreise unterwegs gewesen, da wir in dem Jahrzehnt   
   kaum Auto fuhren und es von '93 bis Ende '99 ganz abgeschafft   
   hatten. Die Unternehmen hießen vamos und Sausenwind, Rückenwind   
   hatten wir nicht. 2012 schrieb ich hier   
      
   | Wir sind vor Jahren ein paar Mal mit vamos und Sausewind   
   | nach Frankreich bzw. Polen gefahren, Eltern, zwei Kinder,   
   | Gepäck, vier Fahrräder, jeweils im Reisebus mit Anhänger.   
   | Das waren allerdings organisierte Reisen, incl. Unterkunft,   
   | Kinderbetreuung und z.T. Freizeitgestaltung in der Form von   
   | Radtouren. Die organisierten Radtouren konnte man knicken,   
   | das wollten und brauchten wird auch damals schon nicht, der   
   | Rest war aber durchaus brauchbar. Die Firmen existieren   
   | immer noch und ...   
      
   Die beiden Firmen existieren noch, solche Angebote gibt es jedoch   
   schon sehr lange nicht mehr. Vielmehr wird erwartet, dass man mit   
   dem Pkw anreist, organisiert wird dann lediglich die Planung und   
   die Unterkunft (oder, bei Radreisen, die Unterkünfte) und der   
   Gepäcktransport von Tat zu Tag. Ein Kontrast wie Tag und Nacht,   
   im Vergleich zu dem, was damals geboten wurde. Was angeboten   
   wird, konnten und können wir selbst und besser auf unsere Wünsche   
   zugeschnitten, woran wir Interesse gehabt hätten (nämlich   
   Transport von Gepäck, Rädern bis zum oder bis nahe genug ans   
   Ziel, um den Rest per Taxi erledigen zu können) wird nicht mehr   
   angeboten. Inzwischen haben wir uns längst mit der Anreise per   
   selbst gesteuertem Auto abgefunden.   
      
      
   >   
   >Einige Jahre später haben wir dann eigene Räder in ein Quartier zwischen   
   >St. Remy und Cavaillon mitgenommen, die Erfahrungen waren durchwachsen.   
   >Es gab fast keine anderen Radfahrer, auf kleinen Landstraßen fuhren die   
   >Autos sehr schnell und wir wurden oft unnötig eng überholt.   
      
   Wir waren in Frankreich in allen möglichen Regionen unterwegs.   
   Ähnlich wie in Deutschland hängt das Verkehrklima von der Region   
   ab, bisweilen recht kleinteilig. Von manchen Städten muss man in   
   manchen Regionen einen großen Abstand (>5-10 km) halten, um nicht   
   unglücklich zu werden, in anderen Regionen fährt jeder, vom   
   trainierenden und sportlichen Rennradfahrer bis hin zum Greis auf   
   einem alten Hollandrad ganz unbefangen auf der Fahrbahn, einfach   
   weil es keine andere Möglichkeit gibt. Freilich ist Frankreich   
   Autoland, mehr noch als Deutschland und in der Nähe von Radwegen   
   wird es immer ungemütlich. So lange man aber weit genug von den   
   Autobahnen und stark befahrenen Nationalstraßen bzw. deren   
   Nachfolger bleibt, ist alles gut. Dass Rennradtouristen eine   
   Einnahmequelle darstellen und viele davon Radwege höchstens mal   
   als Abkürzung nutzen, spielt vielleicht auch eine Rolle. Leider   
   wird das in letzter ZEit durch Ebike-Touristen jedoch mehr als   
   kompensiert.   
      
   Was Cavaillon angeht, wir haben die Gegend westlich von   
   Coustellet gemieden, zu nahe an der Autobahn. Das merkt man auch   
   und bisweilen mehr noch auch auf den kleinen Landstraßen.   
      
      
      
   >Im Dunkeln   
   >haben wir uns mit dem Rad nicht mehr rausgetraut. Auf der Hinreise   
   >hatten wir an der Autobahn ironischerweise viele Plakate gesehen die für   
   >Rücksichtnahme auf Radfahrer warben. Das war auch bitter nötig und hat   
   >mit der Zeit vielleicht einen gewissen Effekt gehabt.   
      
   Meine Vermutung ist, dass es eher den gegenteiligen Effekt hat   
   und dass es ursächlich andersherum läuft: man entschuldigt sich   
   für das rüde Verhalten, weil man sonst nichts dagegen unternehmen   
   kann bzw. will. Die Ironie, ausgerechnet auf der Autobahn für   
   Rücksichtnahme auf Radfahrer zu bitten, die hat jedoch eine   
   gewisse Größe.   
      
      
   >   
   >Deine Devise "Ausprobieren was man noch schafft" kann ich nur   
   >bestätigen. Das hat es mich, nach einer Testrunde im Harz, letztes Jahr   
   >wagen lassen eine Alpenüberquerung erfolgreich zu probieren   
   >(hierzugroups berichtet).   
      
   Ich hatte es überflogen und fand es erfreulich, insb. weil ihr   
   euch gefordert, aber nicht überfordert und das gesteckte Ziel   
   erreicht habt. Zur konkreten Tour konnte und kann ich wenig   
   sagen, weil das doch recht komplementär zu dem ist, was wir   
   bevorzugen. Aber wie man hier im Raum Köln/Bonn sagt: "Jeder Jeck   
   ist anders".   
      
   Wir haben uns entgegen früherer Absichten schon früh   
   entschlossen, keine mehrtägigen Radreisen mehr zu machen, wir   
   meiden Radwege, Flachland und alpine Regionen und ziehen hügelige   
   Gegenden vor, die es uns erlauben, in wechselnden Kombinationen   
   radzufahren. Oft fahre ich zusammen mit meiner Frau, im Urlaub   
   wie zuhause, mal alleine und dann weiter und schneller. Bisweilen   
   wird auch gesplittet, den ersten Teil einer Runde fahren wir   
   gemeinsam, dann fahre ich weiter, während sie eine kürzere Route   
   zurückfährt. Jetzt im Urlaub und an dem hier geschilderten Tag   
   funktioniert das mit den Kindern umgekehrt, wir fahren gemeinsam   
   los, dann fahren die, denen es reicht zurück (nicht unbedingt auf   
   direktem Weg) und der Rest fährt weiter. Noch eine Variante   
   besteht darin, mit Vorgabe zu starten, wer langsamer fährt,   
   startet früher, dann trifft man sich irgendwo, fährt ein gutes   
   Stück gemeinsam und trennt sich dann wieder, oder fährt gemeinsam   
   zurück. Noch eine auch schon mal praktizierte Variante bestand   
   darin, sich entgegenzufahren, konkret bin ich über einen etwas   
   höheren Col gefahren, während meine Frau eine andere, flachere   
   Runde gedreht und die so kalkuliert hat, dass wir uns in einem   
   netten Café in einem naheliegenden Städtchen treffen konnten. Hat   
   nicht ganz geklappt (Rechenfehler), aber gut genug für einen   
   zweiten Espresso. Aber ich greife vor.   
      
   Erst eine Weile in der Rente hinein hatten wir die Gelegenheit,   
   mal wieder und etwas umfänglicher gemeinsam mit den Kindern zu   
   urlauben und Fahrrad zu fahren. Aufgrund der krassen   
   Leistungsunterschiede wären Radreisen wie eure auch deswegen   
   nicht umsetzbar gewesen.   
      
      
   [continued in next message]   
      
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    * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)   
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