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   de.rec.fahrrad      More than just Kraftwerks Tour De France      6,175 messages   

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   Message 4,811 of 6,175   
   Wolfgang Strobl to All   
   Re: "dieser Radweg wird kein leichter se   
   27 Oct 25 16:28:15   
   
   From: news51@mystrobl.de   
      
   Am Sun, 26 Oct 2025 17:48:52 -0000 (UTC) schrieb Kai-Martin Knaak   
   :   
      
   >On Sun, 26 Oct 2025 07:51:12 GMT, Ulf Kutzner wrote:   
   >   
   >> Kai-Martin Knaak  posted:   
   >>   
   >>> On Sat, 25 Oct 2025 13:51:45 +0000 (UTC), Ulli Horlacher wrote:   
   >>>   
   >>> > Beitrag der letzten heute-show ueber Radverkehr:   
   >>> > "dieser Radweg wird kein leichter sein"   
   >>> >   
   >>> > https://nrodlzdf-a.akamaihd.net/none/zdf/25/10/251024_sendung_hsh/   
   >>> 1/251024_sendung_hsh_3360k_p36v17.mp4   
   >>> >   
   >>> > Ab Minute 25.   
   >>>   
   >>> Bei 28:40 gabs die Anmerkung, dass die Niederlande 132 € pro Jahr und   
   >>> Kopf in Fahrradinfrastruktur investieren. In Berlin wären es etwa 5 €.   
   >>> Gibt es irgendwo eine Quelle für diese Zahlen?   
   >>   
   >> Und ist es begrüßenswert, wenn mehr Geld für separierende   
   >> Fahrradinfrastruktur verausgabt wird?   
   >   
   >Unmittelbar vor der Anmerkung wurde ein Fahrradparkhaus in Utrecht   
   >gezeigt. Das als "separierend" zu charakterisieren, trifft es irgendwie   
   >nicht ganz.   
      
   Ich erhielt an anderer Stelle einen Hinweis auf diese Ausgabe   
   dieser Satire-Show, die ich gelegentlich ganz gerne angeschaut   
   habe. Aber schon dieser Hinweis ließ mich diesmal Abstand nehmen,   
   ich wollte mich nach den schönen Fahrradurlaub ganz ohne   
   "Fahrrradinfrastruktur" nicht gleich wieder ärgern.   
      
   Aufgrund des Hinweises von Ulli habe ich jedoch meine Frau   
   gefragt, ob sie die Sendung gesehen habe.  Die Antwort: "ja, aber   
   ich habe es nicht erwähnt, weil ich nicht wollte, dass du dich   
   ärgerst. Es waren die üblichen Sprüche, die man überall hört,   
   sieht oder liest. Nichts Neues, lohnt nicht".   
      
   Was Fahrradparkhäuser angeht, auch die in Holland, als ich mir   
   das letzte Mal die Mühe gemacht habe, nach einer ähnlichen   
   Lobpreisung mal zu recherchieren, wie ein Fahrradparkhaus in   
   Holland in der Praxis aussieht, war mein Eindruck der, dass es   
   i.W. denselben Zweck erfüllt, dem "Fahrradinfrastruktur" fast   
   immer dient: die Radfahrer aus dem Weg zu räumen, weil sie den   
   Verkehr stören, oder das Verkaufsgeschäft, oder sonst irgend   
   etwas. Und wenn sie nicht freiwillig das Feld räumen, muss man   
   sie erschrecken und zu Tode erschrecken, siehe das Zitat am Ende   
   dieses Postings.   
      
   Ich erinnere mich noch gut, auch aus den Zeiten, als ich noch im   
   ADFC aktiv war, wie umfänglich damals das Konzept "Wegeketten"   
   propagiert wurde: Die Radfahrer fahren nicht in die zentrale   
   Tiefgarage, um dann in der Stadt herumzuschlendern und Einkäufe   
   ggfs. dann dort in den Kofferraum zu packen, ggfs. auch auf   
   mehrere Gänge verteilt, sondern sie fahren von Geschäft zu   
   Geschäft oder von oberirdischem Abstellplatz zu Abstellplatz,   
   z.B. um das Fahrrad in Sichtweite zu behalten und natürlich, um   
   größere Einkäufe nicht weit tragen zu müssen. Ein möglichst   
   zeintrales und möglichst großes Parkahaus ist da nutzlos und eher   
   abträglich, und sei es auch nur, weil es eine Rechtfertigung   
   liefert, gut frequentierte oberirdische   
   Fahrradabstellmöglichkeiten vergammeln zu lassen und dann   
   abzubauen, wie es leider auch in Bonn geschehen ist.   
      
   Bei einem Fahrradparkhaus mit 12.500 Plätzen zentral am Bahnhof   
   frage ich mich, wer das eigentlich nutzt.  Unsere Radstation am   
   Bonner Bahnhof ist gleichzeitig auch ein eher kleines   
   Fahrradparkhaus.  Mit dem Fahrrad oder zu Fuß sind es etwa 1,5 km   
   Fahrt oder Fußweg zu dem aus unserer Sicht am Rand des Stadtkerns   
   liegenden Parkhauses, je nach Route. Meist laufen wir in die   
   Stadt, nur wenn etwas zu transportieren ist, das zu tragen zu   
   beschwerlich ist oder wenn das Ziel eher am anderen Ende des   
   Stadtkerns liegt, nenmen wir die Alltagsräder.   
      
   In den seltensten Fällen lag die Radstation auf unserem Weg.   
      
   Oft habe ich mich in der Vergangenheit aufs Hollandrad   
   geschwungen und bin damit zu einem der mit dem Rad erreichbaren   
   zentralen Plätze gefahren, um das Rad dort abzustellen, oder um   
   Einkäufe meiner Frau nach Hause zu fahren, um ihr das Schleppen   
   zu ersparen.   
      
   Insgesamt gab es in all den vielen Jahrzehnten, seit denen wir   
   hier wohnen, keinen einzigen Anlass, das Fahrradparkhaus zu   
   nutzen.   
      
   Nun frage ich mich wie gesagt, wer ein solches zentrales   
   Monsterparkhaus mit dem Fahrrad nutzt, wenn er nicht dazu   
   gezwungen ist, weil zu wenige brauchbare dezentralen   
   Abstellmöglichkeiten gibt.   
      
   Bleiben die 12.500 Nutzer alle in fußläufiger Entfernung um das   
   Parkhaus am Bahnhof?  Ich glaube ja gerne, dass es sehr attraktiv   
   ist für Leute, die mit der Bahn anreisen und dann für einen oder   
   mehrere Tage entweder mit einem mit eigenen oder einem   
   Leihfahrrad der Station ihren Geschäften nachgehen. Aber so   
   viele?   
      
   Abgesehen davon unterscheiden sich die küstennahen Städte im den   
   flachen Niederlanden mit ihrem perfekt asphaltierten, aber nahezu   
   fahrradfreien Umland doch so sehr von den kleineren und größeren   
   Städten, die ich kenne, dass ich es nicht erstaunlich finde, wenn   
   die Versuche einer Übertragung dieser Konzepte regelmäßig dazu   
   führen, perfekt zum Radfahren geeignete Straßen (oder Städte) so   
   zu verschandeln, dass man mit dem Fahrrad lieber Abstand hält.   
      
      
   Ansonsten vermute ich, der Tenor und Tonfall der Show war von dem   
   vorgegeben, was ein sechs Jahrer Marketingartikel schon lieferte:   
      
      
      
   "Utopia meint: In vielen europäischen Städten ist Fahrradfahren   
   nach wie vor lebensgefährlich und daran muss sich etwas ändern.   
   Die Niederlande gehen, was den Ausbau der Fahrrad-Infrastruktur   
   angeht, schon lange mit gutem Beispiel voran."   
      
   Ja danke. Bei "Unterstützung" von dieser Seite braucht man als   
   radfahrender Verkehrsteilnehmer wirklich keine Feinde mehr.   
      
      
   --   
   Thank you for observing all safety precautions   
      
   --- SoupGate-Win32 v1.05   
    * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)   

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