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|    de.rec.fahrrad    |    More than just Kraftwerks Tour De France    |    6,175 messages    |
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|    Wolfgang Strobl to All    |
|    Re: "dieser Radweg wird kein leichter se    |
|    30 Oct 25 11:34:10    |
      [continued from previous message]              >nicht, dass das nicht täglich passiert.              Ich habe den Eindruck, das weltweit vermarktete holländische       Modell besteht darin, auch erwachsenen Verkehrsteilnehmern zu       unterstellen, als Radfahrer mit dem Verkehr schlechter       zurechtkommen als zwölfjährige Kinder, um dann mit diesem       Zerrbild vor Augen eine Infrastruktur zu propagieren, die       Radfahrer auf das Niveau von Achtjährigen herunterzieht. Mag       sein, dass die Mehrheit der Radfahrenden in auf den motorisierten       Transport fixierten Gesellschaften auf dem Niveau und das       Marketing deswegen so gut funktioniert. Aber ist das eine       Rechtfertigung für eine solche Demontage eines Verkehrsmittels,       bei dem es doch so viele Gründe gibt, es zu fördern, statt es       einzuschränken?              Zugegeben, es ist nicht mal ein anekdotischer Beleg, aber       dennoch: Wir haben zwei Kinder großgezogen, die schon lange       erwachsen sind und das Fahrrad ganz beiläufig in einem Umfang und       mit einer Geläufigkeit (auch) als Verkehrsmittel benutzen, für       den nicht nur Holländer längst im Auto sitzen.              Wir hatten schon in deren Vorschulalter damit begonnen, in der       Freizeit und im Urlaub gemeinsam weiträumig die jeweilige Region       zu erkunden, zur Grundschule konnten sie laufen, zum Gymnasium       auch, haben dafür aber die Fahrräder bevorzugt. Auch dort war       nicht die Fahrt das Problem, sondern das sichere Abstellen von       Fahrrädern. Das Fahrradparkhaus am Bahnhof wäre keine Lösung       gewesen, da viel weiter enfernt :-}, der ehemalige Fahrradkeller       war längst in einen Funktionsraum für Besprechungen aller Art       umgebaut worden, die großen Schulhöfe dienten als Parkplätze für       Lehrer und Schüler. Jammern auf hohem Niveau - es blieb immer       noch genügend Restfläche übrig, das Problem war eher       gelegentlicher Vandalismus und garstige Hausmeister.                            Vor allem ist es nett zu sehen,       >dass langfristig Dinge richtig gemacht werden: Arbeiten an       >Infrastruktur sehen immer vor, dass Radfahren bevorzugt wird, seit       >sicherlich 40 Jahren.              Wenn man in orwellscher Manier Verdrängung in Bevorzugung       umdefiniert, dann sicherlich. Ich glaube nicht, dass uns diese       Diskussion weiterbringt. Wir sehen und gebrauchen das Fahrrad       (auch) als leistungsfähiges Verkehrsmittel, wo andere längst im       Zug oder im Auto sitzen, auch und vor allem die Holländer und       diejenigen, die sich von dem entsprechenden Marketing       angesprochen fühlen. Wir haben schlicht und ergreifend andere       Wünsche und andere Zielvorstellungen.              [...]                     >Ich weiss nicht, wieviel Du in NL unterwegs bist - aber dass vor jedem       >Laden oder anderen Ziel Räder stehen, und dass sich an jedem Platz Räder       >ansammeln, ist Dir schon bewusst? Das ändert sich nicht durch die       >grossen Parkhäuser, und ich glaube auch nicht, dass das so gewollt wäre.              Wir waren, als wie als junge Erwachsene noch ausschließlich       motorisiert unterwegs waren, Mofa, Motorrad, Auto, mehrfach in       mit dem Auto in Holland und fanden uns dort immer gut bedient,       als Autofahrer.              Später haben wir noch einmal Urlaub mit den noch halbwüchsigen       Kindern gemacht, die zwei kleinen Kinderräder hinten in den       Kofferraum eines geliehenen Autos gepackt(damals hatten wir       keines, freiwillig) und ein kleines Häuschen in einem großen       Gelände mit grossem Wasserpark gemietet. Hinkommen und parken       war simpel und luxuriös, verglichen mit den hiesigen       Verhältnissen, dichtes Autobahnnetz, viele Ausfahrten, breite       Autostraßen. Für uns hatten wir zwei Hollandräder gemietet,       Schrott im Vergleich zu meinem Sparta Corwall, besseres stand       nicht zur Verfügung.              Die Kinder waren begeistert von den riesigen, auf tropisch       gestylten Becken und hatten einen Riesenspaß. Radgefahren sind       wir auch, ja, an ein paar Kanälen entlang, auf öden Radwegen,       Schotterstreifen, was hierzulande als Landwirtschaftweg läuft.       Abgehakt und vergessen, muss man nicht wiederholen.              Auch hier stehen vor jedem Laden Fahrräder, auch in der       Fußgängerzone, zumindest dort, wo das Radfahren nicht verboten       ist. Der Flächen rund um den Bahnhof und die Flächen überall       dort, wo Bedarf ist, quellen über von Fahrrädern. Freilich       besteht hier Ordnungsbedarf. Aber nicht einer, der darin       besteht, diese Plätze abzuräumen, weil es "da hinten" ein großes       Fahrradparkhaus mit vielen freien Plätzen gibt. Aber ich       wiederhole mich, das bringt uns nicht weiter.                                   >       >Was die Radfahrer auf Fahrbahnen angeht, ist das IMHO genau umgedreht:       >z.B. im Woonerf fühlt sich der Autofahrer sehr unwohl, weil er gerade       >mal geduldet ist. Und wenn Du mit dem Auto in Amsterdam unterwegs sein       >will, sind Deine Wege oft um ein mehrfaches länger als zu Fuss oder mit       >dem Rad - weil die meisten Strassen für Dich zu sind.       >       >>>Und eine gewisse Dreidimensionalität der Landschaft kann man mit E-Bikes       >>>sehr gut in den Griff kriegen.       >>       >> Danke für die explizite Bestätigung einer naheliegenden       >> Vermutung: wir diskutieren hier darüber, ob man den Radverkehr       >> verdrängen und durch motorisierten Verkehr ersetzen sollte. Ich       >> bin entschieden dagegen, nicht nur, aber auch aus Eigeninteresse.       >>       >> [...]       >       >Wogegen genau bist Du jetzt - das kann ich nicht ganz nachvollziehen.              Das hingegen kann ich gut nachvollziehen. Wir haben       unerschiedliche Ziele. Wir, meine Familie und ich eine ganze       Reihe von Leuten, die hier mitdiskutieren (oder mal diskutiert       haben) wollen Fahrräder als leistungsfähige Verkehrsmittel _und_       Fitnessgerät nutzen, wo andere längst auf motorisierte       Verkehrsmittel umgestiegen sind, seien es Pedelec, Motorräder,       Autos oder Busse&Bahnen.                            >       >Meine Stadt hier ist recht dreidimensional, viele Verbindungen sind mit       >dem Bio-Bike eher unpraktisch. So hat sich z.B. ein Fahrradverleihsystem       >erst durchgesetzt, seit die Räder e-unterstützt sind. Wenn 20 oder 30hm       >pro km Fahrtstrecke normal sind, reisst das Omafiets das auch nicht       >mehr. :)              Ich dachte, wir diskutieren hier über Radverkehr und seine       Notwendigkeiten, nicht über motorisierte Zweiräder.              Abgesehen davon liest Du offenbar nicht, was ich schreibe.       Niemand zwang oder zwingt mich, ein Hollandrad (aka Omafiet) zu       benutzen, ich habe lediglich erläutert, dass ich meine 12       km-Arbeitsweg mit einem heftigen 6-7%-Anstieg am Ende ein paar       Jahre lang auch mit genau so einem Fahrrad gefahren bin. Das ist       nicht unbedingt sinnvoll, es gibt bessere Möglichkeiten (s.w.u.),       aber es geht, wenn man es will oder zeitweilig keine bessere       Möglichkeit hat.              Zwei oder drei Prozent Steigung sind läppisch. Dafür braucht man       keinen Elektroantrieb, dafür braucht man lediglich eine geeignete       Schaltung und die gibt es auch für Hollandräder, wie ich bereits       erläuterte. Und wenn es nicht reicht, Rennräder, Reiseräder und       MTB existieren, die man mit nahezu beliebigen Untersetzungen       erwerben kann.              Wer als durchschnittliche Person mit einem Hollandrad in der       Ebene 22 km/h fahren kann, benötigt dafür etwa 130 Watt. Bei zwei       Prozent Anstieg reduziert sich das auf 15 km/h, bei gleicher       Tretleistung.              Das ist in etwa das Geschwindigkeitsintervall, mit dem ich       E-Bike-Fahrende in der Ebene fahren sehe, dort, wo ich es beim       Hinterherfahren zwangsläufig abschätzen kann. Am oberen Ende geht       es darum, so schnell zu fahren wie möglich, das aber mit so wenig       Eigenleistung wie möglich. Die verschiedenen Modi von E-bikes       bieten da ohne besondere Umstände alles von ungefährem Halbieren       hin zur Reduktion auf ein Viertel der mit einem richtigen Fahrrad              [continued in next message]              --- SoupGate-Win32 v1.05        * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)    |
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