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   de.rec.fahrrad      More than just Kraftwerks Tour De France      6,175 messages   

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   Message 4,862 of 6,175   
   Wolfgang Strobl to All   
   Re: "dieser Radweg wird kein leichter se   
   30 Oct 25 17:07:08   
   
   From: news51@mystrobl.de   
      
   Am Wed, 29 Oct 2025 13:59:30 -0000 (UTC) schrieb Ralph Angenendt   
   :   
      
   >Wolfgang Strobl erdachte folgendes:   
   >>>Ich habe 2 Arbeitskollegen, die ähnliche Infrastruktur in Amsterdam   
   >>>nutzen - die pendeln beide mit dem Zug rein, nehmen sich ihr Fahrrad aus   
   >>>dem Parkhaus, fahren damit ins Büro und stellen das Rad abends wieder in   
   >>>dem Parkhaus ab. Das scheint für die, und für viele andere Pendler sehr   
   >>>gut zu funktionieren.   
   >>   
   >> Es bedeutet jedoch, dass die Fahrradmitnahme im Zug nicht   
   >> sonderlich attraktiv ist und sie an an ihrem Wohnort ein zweites   
   >> Fahrrad vorhalten müssen und dieses ggfs. dort an einer   
   >> Haltestelle oder einem Bahnhof parken müssen, um damit nach Hause   
   >> zu fahren.  Erscheint mir ziemlich umständlich und mit einigen   
   >> Restriktionen verbunden.   
   >   
   >Fahrrad im Berufsverkehr im Zug mitzunehmen skaliert halt nicht und   
   >scheitert, wenn mehr als 15 Leute auf die Idee kommen, ihr Rad   
   >mitzunehmen.   
      
   Inzwischen scheitert sie, wenn acht Pedelec-Nutzer auf die Idee   
   kommen, ihr Pedelec mitzunehmen. :-{   
      
   Weil es so wie umgesetzt nicht skaliert, schrieb ich ja, dass die   
   Konzentration auf eine und dann zentrale Lösung keine ist.  Eine   
   umfänglichere und generell brauchbare Fahrradmitnahme in Zügen,   
   die über ein Feigenblattangebot hinausgeht, gibt es nicht, weil   
   sie nicht gewollt ist, nicht weil sie grundsätzlich unmöglich   
   wäre. Leihfahrräder wie sie z.B. Nextbike in vielen deutschen   
   Städten bietet, sind für Einpendler m.E. die bessere Lösung, um   
   eine Kurzstrecke zum Büro zurückzulegen.   
      
   Für Radreisen im Fernverkehr ist Fahrradmitnahme von oder nach   
   Deutschland unbrauchbar, weil sie selbst nach Inkaufnahme   
   diverser Mehrkosten und vieler Umständlichkeiten schließlich   
   daran scheitert, dass es keine Verbindungen gibt, die in irgend   
   einer Weise zuverlässig genug sind, wie man es für die meisten   
   Fernreisen braucht.  Wer jung, athletisch, gesund und schmerzfrei   
   ist und wer Widrigkeiten als Herausforderung begreift, mag daran   
   Gefallen finden.  Wir sind längst zu alt dafür und haben frühe   
   Versuche auch schon zu der Zeit aufgegeben, als die Kinder noch   
   in der Schule waren, aufgrund schlechter Erfahrungen.   
      
   Was in Regionalzügen einigermaßen funktioniert, das ist die   
   Mitnahme jenseits der Stoßzeiten - unsere Söhne nutzen das recht   
   versiert, wenn sie den Wunsch verspüren, mal wieder eine neue   
   Strecke zu fahren, die nicht mitten in der Großstadt beginnt und   
   wo man beim Rausfahren durch Radwege behindert wird.   
      
   Man könnte Lösungen entwerfen, welche die Bahn in die Lage   
   versetzen könnten, Fahrradmitnahme in weit größerem Umfang zu   
   ermöglichen, als in der vorhandenen homöopathischen Dosierung.   
   Man tut das Gegenteil, hat ein Minimalangebot, das bestenfalls   
   ein Feigenblatt darstellt und setzt das so um, dass die Nutzung   
   ein Glücksspiel ist, wenn es um größere Distanzen geht.   
      
   Es ist absurd: man hat umfängliche Angebote für Autoreisezüge   
   entwickelt, ganze Autoreisezüge und entsprechende Bahnhöfe gebaut   
   und dann zum großen Teil wieder eingestellt.  Was hätte man alles   
   mit dem Aufwand an Zeit, Material, Fläche, Energie und   
   Gehirnschmalz umsetzen können, wenn es lediglich um das Problem   
   geht, 8-15 kg Fahrrad und noch mal so viel Gepäck zu   
   transportieren?   
      
   Niemand verlangt, dass beliebige Fahrräder, beliebig viel Gepäck   
   und das jederzeit von überallher und überall hin transportiert   
   wird.  Für die immer noch angebotenen Autoreisezüge macht die   
   Bahn konkrete Vorgaben, genannt werden maximal 2,05 Meter Höhe   
   und 1,95 Meter Breite, Länge und das Gewicht sind offenbar   
   irrelevant, Einschränkungen gibt es aber bei der Kombination der   
   Maximalmaße - hohe Fahrzeuge müssen schmaler sein, vmtl. weil die   
   in der zweiten Etage transportiert werden.  Für Fahrräder wären   
   ähnliche, ebenfalls auf den Querschnitt (also Breite mal Höhe)   
   abstellende Maße denkbar. Wäre mal eine interessante Rechnung,   
   wie viele Container man transportieren könnte, wenn man sie   
   passend dimensioniert und dicht packt und zu dem Zwecke nur zwei   
   oder drei aufeinander abgestimmte Formate zulässt.   
      
   Freilich wäre das zunächst nur für den Fernverkehr und nur mit   
   Bündelung praktikabel und deswegen kaum für den täglichen   
   Berufsverkehr zu Stoßzeiten. Und es bedürfte einer   
   ausgearbeiteten Logistik, auch was die Koordination angeht.   
   Jedoch verfügen wir anders als vor fünfzig Jahren heutzutage   
   zumindest im Prinzip über weitaus mehr Möglichkeiten, so etwas   
   adhoc zu planen.  Verfügbarkeiten von Streckenabschnitten bei der   
   Bahn sind deterministisch, nicht zufällig und chaotisch wie die   
   Nutzung von Straßen.  Trotz vollständiger Planung auftretende   
   Ausfälle kann man statistisch abschätzen und durch Vorhalten von   
   Reserven kompensieren.   
      
   Es gibt zwei Probleme: mangels Angebot gibt es keine Nachfrage,   
   und mangels Nachfrage auch weder ein Angebot, noch den   
   politischen Willen, so etwas überhaupt zu erörtern.  Damit   
   entfällt auch der Gedanke, dass ein solches Angebot, wenn einmal   
   etabliert, durchaus nebenher auch Kapazitäten für Stoßzeitbedarf   
   bieten könnte.  Wer im Urlaub in den Süden fliegt, was wir nicht   
   tun oder wer in einem Rutsch mit dem Auto in den Süden fährt*),   
   was wir ebenfalls nicht tun, weil wir mit diesem Verhalten jedoch   
   offenbar die Ausnahme darstellen, stellt sich der mit Bahn oder   
   Flugzeug Fernreisende ohnehin darauf ein, zu fast jeder   
   beliebigen Tags- oder Nachtzeit abreisen oder ankommen zu müssen.   
      
   Es gibt einige weiter knifflige Probleme, für die mir zunächst   
   keine Lösung einfällt. Angesichts des Umstands, dass wir ein   
   solches System eh nicht mehr erleben werden,  sofern es überhaupt   
   entstehen sollte, bin ich nicht motiviert, weiter darüber   
   nachzudenken.   Das Fehlen einer brauchbaren Fahrradmitnahme in   
   Fernzügen und in allen Zügen zu den Stoßzeiten gehört halt zu den   
   widrigen Umständen, mit denen man genau so umzugehen lernen muss   
   bzw. die man genau so umfahren und meiden muss muss wie die   
   Radwege oder Monsterkreisel nach holländischem Muster, bzw. die   
   europäischen Ländern und Regionen, wo irgend ein verblendeter   
   Verkehrsplaner dergleichen einem Bürgermeister eingeredet hat,   
   der sich ein Denkmal setzen möchte.   
      
   So oder so, das Modell, als pendelnder Berufstätiger mit einem   
   Bürojob am Zielort in einer Radstation ein billiges Hollandrad   
   vorzuhalten, dort für einen Stellplatz zu zahlen, allfällige   
   Reparaturen dort in Auftrag zu geben, bloß um mit dem Rad dann   
   ein paar Kilometer weit mit einem Hollandrad ins Büro zu fahren,   
   wo es dann ebenfalls einen Abstellplatz benötigt, für den man   
   selbst sorgen muss,  das kommt mir auch nicht sonderlich   
   attraktiv vor.  Wo immer es ein funktionierendes Leihradsystem   
   gibt, wäre es doch viel simpler, es am Ziel einfach irgendwo   
      
   [continued in next message]   
      
   --- SoupGate-Win32 v1.05   
    * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)   

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