From: news51@mystrobl.de   
      
   Am Mon, 03 Nov 2025 19:20:18 +0100 schrieb Stephan Gerlach   
   :   
      
   >Wolfgang Strobl schrieb:   
   >   
   >[...]   
   >> Was also tun? Ein von Sportlern abgeschautes Rezept für die   
   >> Bewältigung von langen Anstiegen, welches zumindest für mich   
   >> recht gut funktioniert hat, besteht darin, die individuelle   
   >> Ausdauerleistung zu bestimmen,...   
   >   
   >Wie hast du diese bestimmt? In einem Institut für Sportwissenschaften   
   >o.ä., oder privat zu Hause?   
      
   Für die nächste Zeit beabsichtige ich tatsächlich, meine   
   aktuellen Schwellen durch einen entsprechenden sportmedizinischen   
   Test bestimmen zu lassen. Das ist jedoch vorläufig nur eine   
   Absicht, die sich aus den Gesprächen im Urlaub ergeben hat.   
      
   Bislang habe ich mich mit Abschätzungen aufgrund der Resultate   
   diverser Belastungsprogramme auf unserem Tacx Neo 2T   
   "Smarttrainer" begnügt. Sicherlich ist das suboptimal, verglichen   
   mit einem sportwissenschaftlich und mit besseren Messmitteln   
   vorgenommenen Test, jedoch ist es i.A.. erheblich besser als   
   Mutmaßungen anhand draussen gefahrener Touren.   
      
   Junge Sportler haben reichlich Reserven und deswegen bessere   
   Kontrolle darüber, wie sie sich belasten. Sportverächter wie   
   ich, die alt geworden sind, müssen anteilig viel mehr Reserven   
   einkalkulieren, um Risiken zu vermeiden. Damit meine ich primär   
   die Gefahr, mitten in der Pampa seine Körner verbraucht zu haben   
   und für die Rückfahrt vor einem Problem zu stehen. Je besser man   
   seine Reserven kennt (und je genauer man im Bereich seiner   
   Ausdauerleistung fahren kann), um so weiter (oder höher) kann man   
   fahren.   
      
   Jedenfalls, wenn man sich darauf beschränkt, auf dem Trainer ohne   
   diese Einschränkungen besser zu trainieren, verschenkt man zwar   
   ein wenig Potential. Jedoch ist Perfektionierung der Performance   
   nicht alles - ich fahre zu meinem Vergnügen, um die Landschaft zu   
   sehen und um Ziele zu erreichen, für die andere ein Motorfahrzeug   
   bemühen müssen und die Landschaft eher wie im Kino wahrnehmen.   
   Jedenfalls habe ich auch so bislang immer das erreicht, was ich   
   mir vorgenommen hatte und bin in keinem Fall vorzeitig oder am   
   Ziel vor Erschöpfung zusammengebrochen. :-)   
      
   So gesehen ist mein bisheriger Ansatz ein Mittelweg zwischen   
   Antons "auf die harte Tour" und einem sportmedizinisch betreuten   
   Training gewesen.   
      
   Aber man wird nicht jünger und ein wenig sportmedizinische   
   Optimierung (und Kontrolle) kann ja auch nicht schaden. Der erste   
   (und einzige) Ausbelastungstest ist Jahre her und diente auch nur   
   dazu, sicherzustellen, der Belastung grundsätzlich gewachsen zu   
   sein und vermeidbare Risiken auszuschließen, nicht dazu,   
   Trainingszonen und Schwellen zu bestimmen.   
      
      
   >   
   >> ... diese spezifisch zu trainieren und   
   >> dann auf realen Anstiegen eisern mit dieser Leistung zu kurbeln   
   >> und zu vermeiden, sie deutlich oder für mehr als eine kurze   
   >> Zeitspanne zu überschreiten, auch wenn's schwerfällt.   
   >   
   >Hier scheint die psychologische Komponente eine Rolle zu spielen in dem   
   >Sinne, daß es sich an (besonders steilen) Anstiegen aus irgendwelchen   
   >Gründen mehr "lohnt" als in der Ebene, die Ausdauerleistung für einige   
   >Sekunden bzw. Minuten deutlich zu überschreiten.   
      
   Ich kann da nur eigene Erfahrungen und Beobachtungen berichten.   
   Zunächst geht es um objektive physiologische Vorgänge, die   
   weitgehend unabhängig sind von psychologischen Mechanismen.   
      
   Soweit ich es als Laie verstanden habe, lohnt sich die   
   Überschreitung der Ausdauerleistung nie, sofern es darum geht,   
   eine gewisse Leistung ausdauernd, also so lange wie irgend   
   möglich durchhalten zu können. Die Erklärung dafür basiert   
   letztlich darauf, aus welchen Quellen und wie sich die Muskulatur   
   in mehreren Stufen mit Energie versorgt und wie sich der   
   Mechanismus bzw. die Mechanismen durch ihre Nutzung verändern,   
   sowohl was Energievorräte angeht, als auch deren   
   Nutzungsintensität.   
      
   Sportmedizinische Fachliteratur dazu gibt es reichlich, im   
   Zweifel muss man spezifische Details dort suchen und nachlesen.   
   Ich profitiere hier mehr davon, was sich unsere Söhne angelesen   
   haben, für mich reicht es, ein paar Grundlagen verstanden zu   
   haben.   
      
   Die obige Erklärung liefert nicht die gesamte Antwort, denn auf   
   Fragen, wie man Muskulatur aufbaut oder wie man Ausdauer   
   trainiert, lauten die Antworten möglicherweise leicht anders oder   
   auch krass anders. Auch das ist keine Frage der Psychologie und   
   Motivation, sondern der Biologie.   
      
   Psychologie kommt erst ins Spiel, wenn es darum geht, dass das   
   Gefühl oft trügt, wenn es darum geht, ob sich eine Belastung als   
   zu anstrengend oder als vergleichsweise leicht anfühlt.   
      
   Platt ausgedrückt, man fährt einen Hügel i.d.R. zu schnell hoch,   
   im Vergleich zur Fahrweise in der Ebene. Es ist das ein Phänomen,   
   welches man bei Anderen und an sich selber beobachten kann.   
      
   Dies liegt IMHO daran, dass eine Tendenz besteht, mit einem   
   gewünschten Tempo zu fahren und dass der eigentlich als   
   Überlebenshilfsmittel entstandene Mechnanimus kurzzeitiger   
   Überlastung dieses Verhalten fördert, erstens in dem er es   
   möglich macht und zweitens weil es gefühlt weniger anstregend   
   erscheint.   
      
   Biologisch bzw. evolutionsbiologisch ist bzw. war es offenbar   
   nützlich, die Muskeln und ihre Versorgung kurzeitig so weit   
   belasten zu können, dass diese Leistung nicht permament   
   aufgebracht werden kann und(!) dies auf Kosten der mittelfristig   
   verfügbaren Ausdauerleistung geht.   
      
   Für "besonders steile Anstiege" gilt zudem, dass hier die   
   Belastung mit dem Tempo fast nur noch linear zunimmt, eine kaum   
   fühlbar gesteigerte Anstrengung also mit einer wahrnehmbar   
   schnelleren Tempo belohnt wird. Kaum fühlbar, weil aufgrund der   
   grob logarithmischen Leistungskurve (Dauer vs. aufbringbarer   
   Leistung) ein Belastung (bzw. Überlastung) lange genug   
   durchgehalten werden kann, um auf die langfristiger verfügbaren   
   Reserven zugreifen zu müssen - was jedoch nur dann funktioniert,   
   wenn der Körper diesen Mechanimus - Ausdauer trainiert hat.   
      
   In der Ebene hingegen fährt man durch den mit v² zunehmenden   
   Luftwiderstand förmlich wie gegen eine Wand, sofern man das Tempo   
   mit mehr Tretleistung zu steigern versucht. Statt hier mit   
   Textbuchformeln zu jonglieren, ist es einfacher und   
   illustrativer, sich die eigene Leistungskurve und Kreuzotter   
   herzunehmen und ein paar Beispiele herzunehmen. Wenn man die   
   eigene Leistungskurve nicht kennt, reicht es, eine aus dem Netz   
   gefischte herzunehmen und die für sich entsprechend zu skalieren.   
   Es kommt auf den etwas deformierten, jedoch grob logaritmischen   
   Verlauf an, nicht auf Details.   
      
   Ob man es als physiologischen oder psychologischen Mechanismus   
   wertet, dass die gefühlte Anstrengung das entsprechende Verhalten   
   fördert (kurzzeitige Überlastung nimmt man nicht wahr bzw.   
   unterschätzt sie, Belastung oberhalb dessen wird als unangenehm   
      
   [continued in next message]   
      
   --- SoupGate-Win32 v1.05   
    * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)   
|