home bbs files messages ]

Forums before death by AOL, social media and spammers... "We can't have nice things"

   de.rec.fahrrad      More than just Kraftwerks Tour De France      6,175 messages   

[   << oldest   |   < older   |   list   |   newer >   |   newest >>   ]

   Message 5,025 of 6,175   
   Wolfgang Strobl to All   
   Re: "Virtuelle Leistung" bei Sportuhr? (   
   04 Nov 25 13:22:36   
   
   From: news51@mystrobl.de   
      
   Am Mon, 03 Nov 2025 20:28:53 +0100 schrieb Stephan Gerlach   
   :   
      
   >Wolfgang Strobl schrieb:   
   >> Am Thu, 23 Oct 2025 12:15:51 +0200 schrieb t.r.h@gmx.net (Torsten   
   >> Rüdiger Hansen):   
   > >   
   >>> Und   
   >>> das Pedalec ist eine gute Alternativer *ZUM AUTO*. Denn Deine Vorgaben   
   >>> (körperlich, geografisch, finanziell, Zeit und ggf. andere mehr) gelten   
   >>> nicht für mich.   
   >>   
   >> Das Pedelec ist auch deswegen eine schlechte Alternative zum   
   >> Auto, weil es eine pessimale Konstruktion ist.  Die auf 45 km/h   
   >> begrenzten E-Roller liefern für ähnlich viel Geld erheblich mehr   
   >> Nutzen, wenn es tatsächlich darum geht, in Bezug auf pure   
   >> Bequemlichkeit, Wetterschutz, Reichweite, Tempo und Transport mit   
   >> dem Auto zu konkurrieren.   
   >   
   >Der Nachteil des E-Rollers gegenüber dem Pedelec ist die größere   
   >Hemmschwelle zur Nutzung wegen notwendiger Versicherung und Helmpflicht(?).   
      
   Der Vorteil eines E-Rollers der Mopedklasse ist, dass man damit   
   erheblich schneller ist, komfortabler fährt, ohne Einschränkungen   
   auf Fahrbahnen fahren darf und bei den meisten Rollern genügend   
   Stauraum hat, um einen richtigen Helm statt eines Nudelsiebes   
   ordentlich verstauen zu können.   
      
   Abgesehen davon hat nicht jeder eine Haftpflichtversicherung, die   
   auch Schäden mit Fahrrädern und Pedelec abdeckt. Wer 2-4000 EUR   
   für ein Pedelec ausgibt, wird auch 50 € für eine   
   Haftpflichtversicherung tragen können. Freilich bemerke auch ich   
   den psychologischen Effekt von "aber ich _könnte_ ja auch ein   
   400€-Pedelec aus China fahren!".   
      
   Der wesentliche Vorteil, den auch ein Fahrzeug der Mopedklasse   
   mit Fahrrädern teilt, besteht im Wegfall der TÜV-Pflicht. Einen   
   45 km/h-Moped oder einen entsprechenden E-Roller kann man in die   
   Garage, in den Vorgarten oder auf die Straße stellen und hat   
   nicht mehr Aufwand als den Dauerauftrag für die Versicherung und   
   die Mühe, einmal im Jahr den Schraubenzieher bemühen zu müssen.   
      
   Nicht mein Ding, für mich gab es keine Lücke zwischen dem Fahrrad   
   einerseits und zeitweilig einem autobahntauglichen   
   Leichtmotorrad. Wer jedoch ein Pedelec für Distanzen zu benötigen   
   glaubt, die damit in vernünftiger Zeit zu bewältigen sind, der   
   wäre mit einem E-Roller und dann einem der Mopedklasse besser   
   bedient. Denn der E-Roller ist anders als ein Pedelec tatsächlich   
   geeignet, Autofahrten zu ersetzen, die mit einem Fahrrad in einem   
   vorgegebenen Zeitbudget nicht wirklich zu bewältigen sind.  Um   
   einen Stundenschnitt von 40 km/h zu fahren, reicht bloße   
   Geläufigkeit nicht.   
      
      
   >Mit dem Pedelec hingegen kann man (wie auch beim Fahrrad) direkt   
   >losfahren (ohne an Versicherung/Helm zu denken)... naja, abgesehen vom   
   >notwendigen Laden des Akkus.   
      
   Fraglos hat die rechtliche Gleichstellung von Motorfahrzeugen mit   
   Fahrrädern diese Motorfahrzeuge attraktiver gemacht, man sieht   
   den Umstieg an den Verkaufszahlen und aus der Verschiebung beim   
   Angebot.  Jedoch sollte man auch den Einfluß von Marketing und   
   Selbstbetrug nicht unterschätzen.   
      
   Ein Pedelec wird vom Handel auch deswegen geschätzt, weil es viel   
   mehr einbringt, im Umstiegsgeschäft, aber auch, weil es teurer   
   verkauft wird, weil Motoren und Akkus zusätzliche Wartung   
   benötigen und vom Kunden oder Selbsthilfewerkstätten kaum   
   reparierbar sind, beides zusätzliche und verlässliche   
   Zusatzgeschäfte. Fahrräder gelten mit 1000 € schon als teuer,   
   Pedelec für den Preis hingegen als billig, da werden bedenkenlos   
   4000€ ausgegeben. Fahrräder halten je nach Nutzung und Wartung   
   fünf, 10, 15 oder noch mehr Jahre, ohne dass mehr als der   
   gelegentliche Austausch von Verschleissteilen wie Ketten, Reifen   
   oder Bremszügen nötig ist.  Bei Pedelec muss man wie bei allen   
   Motorfahrzeugen mit einem Wertverlust durch Alterung,   
   zusätzlichen Verschleiss durch rücksichtslosere Nutzung von   
   Motorleistung, abnehmende Unterstützung ältere Modelle durch   
   Hersteller und Werkstätten und dergleichen rechnen. Geplante   
   Obsoleszenz der für die Motorisierung zwingend erforderlichen   
   Komponenten - Motor, Motorelektronik, spezifische,   
   fahrraduntypische Komponenten bei der Kraftübertragung, Display,   
   Akku, Kabelbäume, Sensoren - kommt hinzu.  Der Punkt ist nicht,   
   das es dies nicht auch beim Fahrrad gebe, sondern dass dies ein   
   zusätzlicher Aufwand ist und ein zusätzliches Risko darstellt.   
      
   Aber ja, frisch gekauft oder erst ein oder zwei Jahre genutzt   
   wird man mit dem Pedelec, wie auch mit einem Fahrrad "direkt   
   losfahren", ohne an irgendwas zu denken zu müssen - ideal für   
   Spontankäufe.   
      
   Wenn wir mal Kinder ausklammern, die längst Zielgruppe geworden   
   sind, dürften die meisten Jugendlichen und Erwachsenen einen   
   Führerschein haben oder leicht machen können, der zum Fahren   
   eines Mopeds berechtigt, konkret einen der EU-Klasse AM, der in   
   der EU mit 14-16 Jahren erworben werden kann (in DE mit 15) und   
   der im PKW-Führerschein automatisch enthalten ist.  Das ist e9ne   
   Hemmschwelle, aber keine ernstzunehmende Hürde, genau so wenig   
   wie die Versicherung.   
      
   Was den Helm angeht, es ist ein Unterschied, ob man ohne   
   Körperspannung und ohne Nutzung der eigenen Muskulatur auf einer   
   Art Sofa hockt und trotzdem 45 km/h fährt, so lange der Tank   
   Benzin enthält bzw. der üppig dimensionierte Akku noch Ladung,   
   oder ob man jeden Tacken mehr Tempo mit dem Körper spürt, wie das   
   schon lange vor 45 km/h der Fall ist, wenn man die Leistung   
   selber aufbringen muss.   Es sei dahingestellt, ob die Helme bei   
   45km/h-Mopeds erforderlich sind oder ob die Helme bei schnellen   
   Motorrädern tatsächlich unter dem Strich einen Nutzen bringen   
   (woran es begründete Zweifel gibt). Ich fand sie auf den   
   Motorrädern, die ich gefahren bin, einfach nur praktisch, weil   
   sie den Lärm fernhielten und für Wetterschutz sorgten, der auf   
   dem Motorrad mehr oder weniger erforderlich ist, sobald man nicht   
   bloß im Sommer vor dem Eisladen oder der Kneipe posiert. Wenn es   
   nach mir ginge, könnte man sie bei 45 km/h-Mopeds weglassen, aber   
   ich sehe sie da anders als bei Fahrrädern nicht ausschließlich   
   als nutzlose Belästigung.   
      
   Vom Wetterschutz her nimmt sich das Mopedfahren mit 45 km/h nicht   
   so viel, im Vergleich mit schnelleren Motorrädern und das Risiko,   
   irgendwann in eine Bordsteinkante reinzurutschen ist bei   
   kraftlosen Figuren, die trotzdem beliebig lange und beliebig weit   
   45 km/h schnell fahren können, erheblich größer als bei denen,   
   die auf dem Fahrrad längere Zeit 45 km/h durchhalten können, aber   
   beileibe nicht beliebig lange.   
      
   Mal wieder nachgeschlagen, die Kreuzotter-Standardperson braucht   
   442 Watt, um 45 km/h zu halten, wenn sie auf dem Rennrad   
   Untenlenker fährt, oder 937 Watt, wenn  es von der Sitzposition   
   her halbwegs so bequem wie auf einem Hollandrad sein soll. Wenn   
   ich meine maximale (!)durchhaltgehaltene Leistung in den letzten   
      
   [continued in next message]   
      
   --- SoupGate-Win32 v1.05   
    * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)   

[   << oldest   |   < older   |   list   |   newer >   |   newest >>   ]


(c) 1994,  bbs@darkrealms.ca