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   de.rec.fahrrad      More than just Kraftwerks Tour De France      6,175 messages   

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   Message 5,091 of 6,175   
   Wolfgang Strobl to von denen ich vor drei Jahren hier   
   Re: Biobike (1/2)   
   07 Nov 25 14:29:30   
   
   From: news51@mystrobl.de   
      
   Am Thu, 6 Nov 2025 16:54:47 +0100 schrieb marc@invalid.invalid:   
      
   >Ferdinand Cramer  wrote:   
   >>>   
   >> ???Rennräder, Downhill-MTB's und BMX-Räder sind technisch und von der   
   >> Anwendung her viel weiter auseinander wie ein Holland-Rad und ein   
   >> Holland-Rad mit Batterie.???   
   >> Äußerlich ja.   
   >> Von der Anwendung her nein.   
   >> Die Fahrräder haben gemeinsam, dass für die Erreichung von z.B. einer   
   >> Geschwindigkeit von 25km/h eine nennenswerte Anstrengung nötig ist.   
   >   
   >Nein, nicht wirklich.   
   >   
   >Beim Rennrad sind die 25 km/h auf glatter Strecke und einem nicht ganz   
   >unfitten Fahrer unaufgeregt quasi unbegrenzt haltbar.   
      
   Diese Aussage verfehlt das Thema gleich mehrfach.  Erstens sind   
   Eigenschaften wie "nicht ganz unfit", "unaufgeregt" und   
   "unbegrenzt" nicht gerade typisch für diejenigen, die man auf   
   E-Bikes gelockt hat.   
      
   Denn die haben damit auch die Entscheidung getroffen,   
   vergleichsweise unfit zu bleiben und bezüglich "unbegrenzt"   
   darauf zu setzen, dass die Akkukapazität eines E-Bike praktisch   
   unbegrenzt erweiterbar ist, für die Zeitspanne, die unfitte   
   Menschen es üblicherweise auf einem Fahrradsattel aushalten.   
      
   Zweitens ist kaum ein Mensch in der Situation, seine Wege   
   ausschließlich oder auch nur überwiegend in der Weise   
   zurückzulegen. Außer vielleicht diejenigen, die gelegentlich ein   
   Rennrad mieten, um im Urlaub auf einer aufgelassenen Bahntrasse   
   geradeaus zu rollen.   
      
   Drittens sprach Ferdinand von "Erreichung z.B. einer   
   Geschwindigkeit von 25 km/h", also vom Beschleunigen und Halten.   
   Das erfordert mehr Leistung und ist bei der Verwendung eines   
   Rennrades wohl die Regel, egal ob das für sportliche Zwecke   
   verwendet wird oder als effizientes Verkehrsmittel.   
      
   Ich habe in solchen Diskussionen den Vorteil, messen zu können,   
   wie viel Leistung beim Fahren mit einem Rennrad tatsächlich   
   benötigt wird und habe umfängliche Messreihen, welche mittleren   
   Geschwindigkeiten ich tatsächlich unter welchen Bedingungen   
   (Dauer, Geländeprofil, Verkehrssituation) fahren konnte und kann   
   das auch mit früheren Aufzeichnungen vergleichen, denen ich   
   zumindest Distanz, Zeit und Geländeprofil entnehmen und so   
   zumindest grobe Rückschlüsse auf den seinerzeitigen   
   Leistungsbedarf ziehen kann.   
      
   Das Fazit bei der Betrachtung dieser Datensammlung stützt die   
   zitiere Behauptung: Es erfordert selbst mit einem auf Tempo und   
   Sparsamkeit optimierten Rennrad und unter optimalen Bedingungen   
   eine fühlbare Anstrengung, auf 25 km/h zu kommen, sofern man   
   nicht alle Zeit der Welt dafür hat.   
      
   Tatsächlich ist es genau das, was den Unterschied zu einem E-Bike   
   ausmacht:  wer unfit ist und Anstrengung meidet, der braucht halt   
   länger, um auf das gewünschte Tempo zu kommen und muss sich mehr   
   anstregen, um es zu halten. Und genau das liefert den Ansporn,   
   Fitness zu erwerben, es nervt erstens, zweitens lässt die   
   Verkehrssituation zögerliches Anfahren oft nicht zu und last but   
   not least liefert die Muskulatur für kurze Antrengungen wie z.B.   
   Beschleunigungsvorgänge erheblich mehr Leistung, als insb. von   
   Untrainierten dauerhaft aufgebracht werden kann.   
      
   Freilich rächt sich das dann manchmal, wenn man es übertreibt.   
   Aber es funktioniert und wenn man es nicht überdosiert und   
   fortsetzt, weil die Verkehrssituation es erfordert, dann nimmt   
   die Fitness mit der Zeit zu. Rinse and repeat.   Neben der   
   Fähigkeit, in der Ebene und nicht nur im Gefälle auf 25 km/h   
   kommen zu können, gewinnt der unmotorisierte Radfahrende mit der   
   Zeit auch die Fähigkeit, auf als 25 km/h zu beschleunigen udn mit   
   höhrerem Tempo zu fahren, die gefühlt Anstrengung kommt zurück,   
   wird aber nicht mehr als dauerhafte Bedrohung empfunden.   
      
   Im Endeffekt ergibt sich bei Radfahrenden, die beim Fahrrad   
   bleiben, statt auf ein E-Bike umzusteigen, auf diese Weise ein   
   Geschwindigkeitsmix, der sich den Umständen anpasst, von der   
   Tagesform über die Windverhältnisse bis zum Höhenprofil der zu   
   fahrenden Strecke.   
      
   Leider eliminiert das E-Bike aka Pedelec mit seiner Anfahrhilfe,   
   mit seiner massiv überdimensionierten Motoren und mit deren   
   progressiver Abregelung bis 25 km/h sämtliche dieser förderlichen   
   Motivationen und Abläufe. Infolgedessen setzt sich bei den Nutzer   
   dieser Fahrzeuge der für die Anbieter von Pedelec sehr lukrative   
   Aberglaube fest, man müsse jung, gesund und sportlich sein, um   
   ohne Motor mit dem Fahrrad schneller als 20 km/h oder sogar 25   
   km/h schnell fahren zu können.   
      
   Man bemerkt insofern bei denen, die aufs Pedelec umgestiegen oder   
   gleich damit angefangen haben, nicht nur die hier oft   
   thematisierte, von weitem erkennbare Haltung auf dem Fahrzeug,   
   sondern auch ein eher an andere Kfz erinnerndes Tempoprofil: Die   
   gefahrene Geschwindigkeit resultiert nicht wie bei Fahrrädern aus   
   der aufbringbaren Tretleistung und dem Leistungsbedarf der   
   aktuellen Fahrsituation, sondern aus dem, was die Regulierung   
   eines leistungs- und geschwindigkeitsbegrenzten Kfz halt zulässt.   
   Für die überwiegende Mehrheit der Pedelecnutzer bedeutet dies:   
   sie fahren mit einem Tempo von 18-25 km/h, unabhängig davon, ob   
   ob auf schwerem Untergrund oder glattem Asphalt oder ob es mit   
   mit drei Prozent einen Hügel hoch oder mit einem Prozent runter   
   geht.   
      
   >   
   >Beim Downhill-MTB sind die eingebaut (es heisst ja downhill, nicht   
   >uphill), ...   
      
   Mit "die" sind offenbar die 25 km/h gemeint, auf die man ein   
   Rennrad vergleichsweise gut beschleunigen kann.  Die Behauptung   
   kann man ja wohl nur als Veralberung verstehen.  Freilich kann   
   man den Motorantrieb eines MTB auslagern (externalisieren), indem   
   man es in den Kofferraum eines Autos packt oder es im Sommer mit   
   dem Skilift auf einen Berg transportiert, um wilde Abfahrten zu   
   fahren, bei denen dann das Gefälle für den Antrieb sorgt. Und das   
   sind dann "Downhill-MTB", die nur downhill gefahren werden, nicht   
   nur aufgrund konstruktiver Merkmale.   
      
   Aber erstens könnte man das auch mit einem Rennrad tun, sofern   
   man für die Abfahrt eine vernünftige Fahrbahn _und_ einen Lift   
   zur Verfügung hat und zweitens tut das niemand (oder fast   
   niemand), einfach weil es lächerlich ist und das Hochfahren mit   
   zu dem Spaß gehört, den man mit der Abfahrt hat.   
      
   Jedenfalls bedeutet der Umstand, dass es so ziemlich jedes   
   Fahrrad (incl. der Dowhill-MTB) mit wenig oder gar keiner   
   Tretleistung einen Hügel herabrollen kann, keineswegs, dass alle   
   diese Fahrräder gleich sind und sich von Motorrädern kaum   
   unterscheiden.  Der Umstand, dass ein Mensch aus dem Flugzeug   
   springen und ziemlich lange und ganz ohne Mühe in der Luft   
   herumsegeln kann, hat noch niemanden zu der Behauptung motiviert,   
   Menschen könnten mühelos fliegen und deswegen sei Motorisierung   
   irrelevant.   
      
   Drittens werden auch die Up- und Downhill-MTB längst motorisiert,   
   auch eine üble Folge der rechtlichen Gleichsetzung - wer   
      
   [continued in next message]   
      
   --- SoupGate-Win32 v1.05   
    * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)   

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