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   de.rec.fahrrad      More than just Kraftwerks Tour De France      6,175 messages   

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   Message 5,199 of 6,175   
   Wolfgang Strobl to All   
   Re: =?utf-8?Q?Zweir=C3=A4driges_Kraftfa?   
   11 Nov 25 10:55:51   
   
   From: news51@mystrobl.de   
      
   Am Sun, 9 Nov 2025 21:24:31 +0100 schrieb Andrej Jantzen   
   :   
      
   >Vielleicht was Unterhaltsames zur endlosen Diskussion bezüglich Abgrenzung   
   Fahrrad vs. Pedelecs&Co.   
   >https://velo.outsideonline.com/ebike/ebike-gear/first-impressio   
   s-also-hm-b-rivian   
   >   
   >Zumindest würde kaum jemand das für ein Fahrrad halten.   
      
   Freilich nicht - aber es laufen genug Leute herum bzw. lassen   
   sich von einem Motorfahrzeug transportieren, die steif und fest   
   behaupten, ihr Fahrzeug sei ein Fahrrad.  Das gilt für   
   Uralt-Klapprädern ähnliche Fahrzeuge, von denen niemand, der ein   
   Zweirad mit so einer Geometrie schon mal gefahren ist, glauben   
   würde, dass jemand so etwas heute noch fahren würde und das mit   
   dem Tempo eines Rennrades, wenn nicht ein kräftiger Motor für den   
   Antrieb sorgen würde, ohne viel Unterstützung durch den Fahrer.   
      
   Bizarr finde ich jedoch, wenn auch so etwas   
      
   heutzutage unter "Fahrrad" läuft und deswegen weitgehend   
   unreguliert und unversichert gefahren werden kann.   
      
   Ich sehe hier mit einer gewissen Regelmäßigkeit solche Klein-Lkw   
   von GLS in mutmaßlich etwas älterer Ausführung in meiner Straße   
   oder in der Nähe herumstehen oder fahren. Diese Fahrzeuge werden   
   ganz offensiv als "Lastenrad" oder "Fahrrad" beworben.  Die   
   Schamfrist, in der man in Deutschland für Pedelec zumindest den   
   Anschein eines muskelbetriebenen Fahrrades wahren wollte, ist   
   längst abgelaufen.   
      
   Was mich aber wundert - wo sind eigentlich diejenigen   
   abgeblieben, die hier in d.r.f lauthals protestiert haben, wenn   
   darauf hingewiesen wurde, dass eine so genannte   
   Tretunterstützung, die dauerhaft ein Vielfaches dessen leisten   
   darf und leisten kann, was ein gesunder Erwachsener treten kann,   
   aus einem Fahrrad ein Motorrad macht?   
      
   Freilich führt dieser Mummenschanz auch dazu, dass aus technisch   
   absurden Designerkunststückchen, die bei echten Fahrrädern im   
   Museum landeten, nun dank des Motorantriebs auch auf der Straße   
   zu bewundern sind, weil der Motor viele Schnitzer,technische   
   Fehler und Schwächen kompensieren kann.   
      
   Dieser Artikel, für dessen Anschauen man 17 JS-Domains   
   freischalten muss, wenn man NoScript nutzt, über ein "Most   
   Impressive Bike I've Ridden All Year" ist in der Tat ein Witz,   
   genau so wie das gezeigte Zweirad.   
      
   "Pedal-by-wire drivetrain: No mechanical connection between   
   pedals and wheel — torque sensors convert effort to electrical   
   input for a traction motor."   
      
   Wait, what?   
      
   Nee klar. Was ich immer schon sagte: Die Pedale von Pedelec sind   
   i.W. eine höchst umständliche Form eines Gasdrehgriffs.  Die   
   Innovation hier besteht darin, auf die Komplikation zu   
   verzichten, auf Basis eines vorgegebenen Profils (ECO, STANDARD,   
   TOUR, TURBO+, ...) oder "intelligent"  eine konkrete, kleine   
   Tretleistung in eine mehr oder weniger kräftigere Motorleistung   
   umzurechnen.  Wozu also noch mechanisch koppeln?   
      
   Der Motor wird hier ausschließlich von einem Akku versorgt. Die   
   Kurbel treibt einen Generator an, welche diesen Akku auflädt. Von   
   dem, was evtl. an Tretleistung aufgebracht wird, geht also   
   zusätzlich zu den Motorverlusten auch das verloren, was der   
   Generator nicht in elektrische Energie umwandeln kann und danach   
   auch die Lade- und Entladeverluste des Akku.  Man muß schon sehr   
   naiv sein, um zu glauben, dass die Kurbelei hier einen mehr als   
   homöopathischen Beitrag zur Antriebsleistung liefert.   
      
      
   >Als Ingenieurkunst kommt es, glaube ich, nicht durch - allein wegen der   
   absurder mechanischer   
   >Übertragung der Kraft von Motor zum Hinterrad. Ich kann mir auch keine   
   ausreichende Wirkungsgrad   
   >der pedal-by-wire Strecke Pedalen-Generator-Motor-Riemen-Hinterrad vorstellen.   
      
   Ich auch nicht. Was mich allerdings wundert, ist das Geschwafel   
   über torque sensors (Drehmomentsensoren), konkret "torque sensors   
   convert effort to electrical input for a traction motor.". Das   
   tun Drehmomentsensoren nicht. Ein Sensor ist ein Bauteil, welches   
   Werte oder Zustände erkennt oder misst, aber nicht Energie   
   konvertiert und damit etwas antreibt. Jedoch ist die Formulierung   
   "convert effort to electrical input for a traction motor" derart   
   konfus und mehrdeutig, dass es eigentlich nur zwei Möglichkeiten   
   gibt: Der Autor des Artikels will uns verscheissern - oder er   
   wurde vom Hersteller verscheissert.  Sensoren produzieren   
   Energie, sogar elektrische, meistens jedenfalls - aber gerade mal   
   so viel, dass ein Computer oder eine sonstige elektronische   
   Schaltung damit irgend etwas anfangen kann. Einen Motor kann man   
   damit nicht antreiben, einen leistungshungrigen E-Bike-Motor erst   
   recht nicht.   
      
   Was die Kraftübertragung angeht, ich zähle da vorne 20 und hinten   
   60 Zähne, also 1:3, Faktor ~0.3 untersetzt.  Meine für ein   
   Rennrad schon ungewöhnlich große maximale Untersetzung von 36 zu   
   42 (~ 0.7, von der kompatiblen MTB-Gruppe übernommen) dient dem   
   Zweck, mit meiner dem Alter geschuldet geringeren Tretleistung   
   und -kraft trotzdem auch steile Anstiege bewältigen zu können,   
   ohne dass die Trittfrequenz zu niedrig wird oder die benötigte   
   Leistung zu hoch.   
      
   Dieses Zahnrad ist nicht ohne Grund hinter einer Verkleidung   
   versteckt, es wird sich bei den Geschwindigkeiten, mit denen man   
   so ein Fahrzeug fahren kann (45 km/h, laut Artikel) so schnell   
   drehen, dass man seine Wade nicht in Kontakt mit so einer Fräse   
   bringen will.  Dieses Fahrzeug sieht bis in solche Details aus   
   wie eine Spielzeugversion eines Motorades - der Antriebstrang des   
   Motors der Honda Innova (autobahntaugliches Leichtmotorrad), die   
   ich kürzlich verkauft habe, sieht inwendig ähnlich aus.   
      
   Auch wenn man so ein Zweirad auf 32 km/h begrenzte, bliebe es ein   
   Motorrad, halt ein schlechtes Motorrad. Von 25 km/h ist im   
   Artikel nicht die Rede. Jedoch wüsste ich auf Anhieb nicht, was   
   verhindern könnte, dass so ein Motorrad, vielleicht mit ein paar   
   unwesentlichen Änderungen der Firmware, als Pedelec zulässig wäre   
   und dann als Fahrrad geltend die gewünschte und geschätzte   
   Narrenfreiheit gewährt bekäme.   
      
      
   >Kurbeln nur als Alibi für Akku-getriebene Fortbewegung?   
      
   Das wird es wohl sein.  Als Konzept, die windelweiche Regulierung   
      
   [continued in next message]   
      
   --- SoupGate-Win32 v1.05   
    * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)   

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