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|    Alexander Ausserstorfer to All    |
|    Fahrbericht (vom 15. September 2025): Ue    |
|    30 Nov 25 17:29:35    |
      [continued from previous message]              Kurz später führte rechts von der Straße ein Feldweg durch ein kurzes       Waldstück zu einer Wiese hinauf. Was wollte ich heute Abend essen? Nachdem       ich ausgetreten hatte, sammelte ich dort auf dieser Wiese allerlei Gräser       und Kräuter fürs Abendbrot zusammen.              Es war erst gegen dreiviertel eins, als ich die Stadt Landshut erreichte.       Das war aber schnell gegangen! Und ich hatte mir all die Jahren Sorgen       gemacht, daß ich die Strecke nicht an einem Tag schaffen würde! So kann       man sich täuschen.              In Landshut suchte ich zuerst die Altstadt mit der Sankt-Martins-Kirche       auf. Das Fahrrad stellte ich etwas versteckt am Ständer beim       Martinsfriedhof ab. Wie gut, daß ich mich hier etwas auskannte! Hatte ich       doch gute dreieinhalb Jahre in Landshut beim Studium verbracht.              Leider war die Kirche mit dem höchsten Backsteinturm der Welt (vermutlich       130 Meter) wegen Instandhaltungsarbeiten gesperrt und würde erst ab 15:00       Uhr für Besucher zugänglich sein.              Als nächstes suchte ich daher Ansichtskarten und fand diese in dem       Buchgeschäft Bücher Pustet. Dort hatte die Verkäuferin auch Briefmarken       für mich. Allerdings mußte sie mir diese an einer anderen Kasse verkaufen.       Mit dem Zusammenzählen kam sie auf Grund der Menge anscheinend ins       Schwitzen. Beim Hinausgehen wunderte ich mich. Sie hatte mir einen Euro zu       wenig berechnet. Gut für mich!              Dann suchte ich den Rewe in der Dammstraße auf, stellte jedoch fest, daß       es diesen nicht mehr gab. Man hatte das ganze Gebäude weggerissen. Ein       großer freier Platz lag jetzt dort hinter dem Wohnblock. War das bereits       2018 schon so gewesen, wo ich das letzte Mal hier gewesen bin? Ich       glaubte, mich erinnern zu können. War mir aber nicht sicher.              Ich hatte diesen Rewe nicht gleich gefunden gehabt, weil man über eine       zweite Brücke fahren muß. So schnell vergißt man.              Ich radelte daher zum Edeka an der Podewilsstraße. Leider kommt man vom       Radweg aus nicht direkt über die Stufen zum Geschäft hoch. Ich hatte daher       vorher den Radweg verlassen und die stark befahrene Podewilsstraße queren       müssen.              Im Edeka hielt ich mich diesmal sehr lange auf. Das Geschäft war während       meines Studiums neu erbaut worden. Ich hatte es nur einige wenige Male       besucht gehabt. Insbesondere nach dem Salz suchte ich ewig. Ach, hätte ich       nur den Salzstreuer von zuhause mitgenommen gehabt! Aber daran hatte ich       gar nicht gedacht.              Die kleine Verkäuferin hinter der Kasse trug ein Haartuch und wollte kein       Geld annehmen. Das Geld mußte ich statt dessen in einen Automaten geben.       Der gab mir auch das Rückgeld heraus. Sowas kannte ich bisher nur von       Frankreich und war mir hier neu. Ich werde hier nie wieder einkaufen!              Ich verließ das Gelände dann über einen schmalen Betonstreifen, der sich       am Gebäude entlang zum Radweg hinunterzog. Wartete aber noch, bis eine       Frau mit ihrem Handgepäckwagen, den sie hinter sich herzog, zu mir       hochgekommen war und den viel zu schmalen Weg freigab.              Es war erst gegen halb drei. Etwas weiter vorne am Radweg stand eine Bank.       Darunter floß die kleine Isar lustig dahin. Auf diese Bank setzte ich mich       nieder und schrieb die ganzen zuvor gekauften Ansichtskarten.              Die Sonne schien, aber es war sehr windig. Vermutlich hatten wir heute       einen Fön bekommen.              Gegen drei Uhr fuhr ich zurück in die Altstadt. Dort warf ich zuerst die       Ansichtskarten bei der Post ein. Anschließend besuchte ich die       Martinskirche. In dieser zündete ich eine dieser kleinen weißen       Opferkerzen an. Es war schön, wieder einmal hier zu sein. Und es war       schön, Zeit zu haben! Das würde nicht jeden Tag so sein!              Gegen dreiviertel vier fuhr ich zum Campinplatz am Isarspitz. Ich wußte       ja, wo der war.              Kurz davor war die Straße gesperrt. Bauarbeiten. Ich befürchtete schon,       daß der Zeltplatz geschlossen hatte. Das war dann aber nicht der Fall.              Dafür hing ein Zettel auf der Innenseite der Glasscheibe von der       Anmeldung: Wir sind ausgebucht. Die Schranke: geschlossen.              Was tat ich jetzt?              Ich wollte gerade wieder fahren, als eine Frau aus dem Gebäude trat und       mich anrief.              Das Mißverständnis klärte sich schnell auf: Der Zettel galt nur für       Wohnwägen und Wohnmobile. Woher soll man sowas wissen?              Den Zeltplatz kannte ich ja schon. Ich hatte 2009, 2018 und 2023 bereits       hier gezeltet. Das Zelt war schnell aufgebaut.              Auf den Toiletten traf ich die Putzfrau. Die sänitären Einrichtungen auf       dem Zeltplatz hier in Landshut waren immer sehr sauber.              Nach dem Duschen machte ich noch einen Umweg über die Anmeldung, weil ich       keine Rechnung bekommen hatte. Die gute Frau von vorhin war nicht mehr       hinter der Glasscheibe. Dafür kam ein Radfahrer mit wenig Gepäck heran. Er       sah den Zettel und fing zu fluchen an.              Ich beruhigte ihn und sagte, er solle die Frau suchen gehen.              Der Mann fuhr ein Rennrad mit wenig Gepäck und sprach mit Mühe bairisch.       Er war eigentlich Amerikaner. Lebte früher in New Jersey, heute in       Kalifornien. Seine Eltern stammten jedoch aus Bad Kissingen. Er selbst war       heute von Straubing bis hierher nach Landshut geradelt.              Der Amerikaner hieß Andrew. Er baute das Zelt später so weit wie möglich       von dem meinen auf. Weil er oft laut schnarcht, wie er meinte.              Andrew setzte sich später zu mir an den Tisch, als ich das Tagebuch       schrieb. Er hatte einige Probleme mit dem Lightning-Anschluß von seinem       iPhone und brauchte einige Versuche, bis es lud. Ich sagte nichts dazu.              Anscheinend machte er so eine Radtour hier bei uns nicht zum ersten Mal.       Er hatte Übergewicht und hoffte so, etwas abzunehmen. Dabei war sein       Rennrad ein Leichtgewicht. Nach den ersten 300 Kilometern hatte er bereits       den ersten Platten gehabt. Die schwersten Leute mußten immer die       leichtesten Fahrräder haben. In Amerika wäre das Abnehmen nicht so       einfach, meinte er.              Er war fix und fertig. Insbesondere der Hintern tat ihm weh. Er wollte       morgen nur noch nach München. Mußte dann wieder in die Heimat fliegen.       Aber schön, daß er es überhaupt tat!              Später kam noch ein Pärchen zu uns. Sie wohnten im Breisgau an der       Grenze zur Schweiz und waren in Friedrichshafen mit ihren Fahrrädern       gestartet. Heute Morgen waren sie in München aufgebrochen. Sie hatten       auf einem Zeltplatz in der Nähe von Nymphenburg übernachtet. Den       Zeltplatz kannte ich ja gar nicht! In meiner Karte war keiner       verzeichnet. Ob ich über die Donau nach Regensburg radeln würde? Ich       hatte nicht das Gefühl, daß die Frau wirklich an einem Gespräch mit mir       interessiert war. Ich zog mich daher bald in mein Zelt zurück.              Tageskilometer: 96,62 km       Höhenmeter: +358 m              --       http://home.chiemgau-net.de/ausserstorfer/              --- SoupGate-Win32 v1.05        * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)    |
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