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|    Message 5,422 of 6,175    |
|    Wolfgang Strobl to All    |
|    Re: "dieser Radweg wird kein leichter se    |
|    03 Dec 25 09:39:07    |
      [continued from previous message]              Was die Begrifflichkeit angeht, ich würde es im Rahmen von       Radverkehrspolitik nicht unbedingt eine Phobie nennen, der man       sich widmen sollte. Phobien haben eine Vorgeschichte, es gibt       diverse Erklärungsmodelle, was ihre Entstehung angeht.              Es gibt die Fahrangst (Amaxophobie), die nach Stürzen auch bei       Radfahrenden vorkommt, jedoch geht es im Vorfeld auch um eine       archaische Vermeidungshaltung, die m.E. eher in Richtung       magisches Denken geht, man möchte lieber nicht so genau darüber       nachdenken und den Teufel nicht an die Wand malen - und ihn so       anlocken.              Im konkreten Fall beginnt die Verkehrsphobie vn Radfahrenden m.E.       mit einer Wahrnehmungsstörung, die durch Rückkopplung verstärkt       wird. Durch Flucht auf die Radwege, die um jeden Preis       durchgehalten wird, nimmt die Zahl der Bagatell- und       Beinaheunfälle zu, die in keiner Statistik auftauchen und die       auch kaum rational mit Dritten besprochen werden.              Neben der angesprochenen Vermeidungshaltung ergibt sich ein Bias       auch daraus, dass es sehr viel einfacher ist, sich öffentlich       oder im kleinen Kreise über ein Auto zu echauffieren, welches       einen "beim Radfahren auf der Straße fast über den Haufen       gefahren" hätte, als über den Sand auf dem Radweg, der beim       Schlenker angesichts eines entgegenkommenden Radfahrers oder       Fußgängers zum Sturz mit aufgeschürftem Knie führte.              Im ersteren Fall gibt's den Wohltueffekt durch die Bestätigung       beim gemeinsamen und konsequenzenlosen Jammern über den bösen       Autoverkehr, im zweiten Fall kann man auf Gegenwind und bissige       Reaktionen vertrauen, weil sich jemand als Fußgänger oder       Radfahrer angegegriffen fühlt. "Ja soll ich denn auf der       lebensgefährlichen Straße fahren?? Da fahre ich lieber auch in       Gegenrichtung auf dem Radweg. Pass' halt besser auf!".              Fazit: Schlüsse, was Deine Statistiken angeht, wird man hier       nicht ziehen können, sie belegen klar und deutlich, dass       Radfahren in Deutschland selbst unter den sehr       verbesserungsfähigen aktuellen Umständen _nicht_ lebensgefährlich       ist. Man kann daraus jedoch auf der positiven Seite auch den       Schluss ziehen, dass es lebensgefährlich ist, _nicht_ von anderen       Verkehrsmitteln auf ein unmotorisiertes Fahrrad umzusteigen, wo       immer man die Möglichkeit dazu hat. Hierfür wird man jedoch       weitere Statistiken (etwa bezüglich der Haupttodesursachen bei       vorzeitigem Ableben) heranziehen müsse.              --       Wir danken für die Beachtung aller Sicherheitsbestimmungen              --- SoupGate-Win32 v1.05        * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)    |
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