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   de.rec.fahrrad      More than just Kraftwerks Tour De France      6,175 messages   

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   Message 5,536 of 6,175   
   Wolfgang Strobl to All   
   Re: =?utf-8?Q?Warnung_vor_dem_T=C3=BCr?=   
   12 Dec 25 16:07:16   
   
   From: news51@mystrobl.de   
      
   Am Fri, 12 Dec 2025 12:06:52 +0100 schrieb Arno Welzel   
   :   
      
   >Wolfgang Strobl, 2025-12-08 09:55:   
   >   
   >> Am Sun, 7 Dec 2025 19:33:30 +0100 schrieb Arno Welzel   
   >> :   
   >>   
   >>> Wolfgang Strobl, 2025-12-05 14:33:   
   >[...]   
   >>>> Wie wäre es denn mit der Empfehlung, nicht im Aufklappbereich von   
   >>>> Autotüren Fahrrad zu fahren?  Wo mit dem Auto Platz genug ist, um   
   >>>> genügend Abstand zu halten oder wo in der eigenen Richtung gerade   
   >>>> kein Autoverkehr ist, gibt es keinen Grund, mit dem Rad dichter   
   >>>> an parkende Fahrzeuge heranzufahren.  Wo mit Autos dicht an   
   >>>> parkenden Autos entlanggefahren wird, öffnet niemand eine Türe   
   >>>> mehr als einen Spalt breit.   
   >>>   
   >>> Du vertraust vergeblich darauf, dass Leute nicht in Panik vor dem bösen   
   >>> Verkehr sich nicht äußerst rechts am Rand der Fahrbahn aufhalten.   
   >>   
   >> Wie kommst Du darauf? Ich vertraue darauf nicht, schon weil ich   
   >> dieses Verhalten häufig beobachet habe.   
   >   
   >Deswegen bringt die Empfehlung nicht viel. Es wird sich sowieso niemand   
   >daran halten, selbst wenn man es den Leuten direkt sagt.   
      
   Hier ist leider der Kontext völlig verlorengegangen. Dies war   
   eine Replik auf eine Serie von absurden Vorschlägen in   
   <10gu5p7U28an1L1@usenet.in-ulm.de>, Türen von Autos zu verbieten   
   oder entweder Schiebetüren oder nur von außen zu öffnende Türen   
   vorzuschreiben.   
      
   Diese Vorschläge bringen den hier herangezogenen Leuten überhaupt   
   nichts und jedenfalls viel weniger als meine Empfehlung, die   
   immerhin den Vorteil hat, dass jedermann und jedefrau sie   
   unschwer umsetzen kann.   
      
   Umgekehrt bleiben viele dieser Leute selbst dann auf ihren   
   vermeintlichen Schonwegen und bizarrerweise sogar im   
   Aufklappbereich von Autotüren, wenn sie auf der Fahrbahn einen   
   sicheren Abstand davon halten könnten.   
      
   Um die geht es aber nicht. Es geht um diejenigen, bei denen sich   
   ihre Entscheidung für die vorsorgliche Flucht vor dem bösen   
   Verkehr nicht schon so verfestigt hat, dass sie mit rationalen   
   Argumenten gar nicht mehr erreichbar sind.   
      
   In der Hinsicht bin ich Optimist.   
      
   Ich sehe da einerseits zwar die junge Mutter, die angetan mit   
   neonfarbenem Helm, neonfarbener Warnweste, Kind mit Helm auf dem   
   Kindersitz mit hohem Tempo auf den 80 Zentimetern Restbürgersteig   
   zwischen Gartenzaun und auf dem Parkstreifen parkenden Autos   
   fährt. Dies, obwohl die in einer Tempo-30-Zone liegende Straße   
   von Radfahrern auf der Fahrbahn frequentiert ist, von denen   
   einige schneller, andere aber auch langsamerfahren und immer mal   
   wieder eine Mülltonne von der letzten Leerung noch auf dem   
   Bürgersteig steht.   
      
   Andererseits sehe ich da aber auch ein Vielzahl von Radfahrenden,   
   welche die Fahrbahn genau so umstandslos nutzen wie dort   
   Fahrräder, Busse, Pkw, Lieferfahrzeuge und E-Scooter genutzt   
   werden.   
      
   Interessant ist für mich, dass nach meiner Beobachtung die Nutzer   
   der auf 20 km/h limitierten E-Scooter einen größeren   
   Mindestabstand von parkenden Fahrzeugen halten als ein Teil der   
   Radfahrenden, die offenbar eine so starke Affinität zum   
   Straßenrand haben, dass sie schon von einer vorsichtig und nur   
   einen Spalt geöffneten Türe vom Rad geholt werden.   
      
   Insofern gibt es durchaus eine Variationsbreite im Verhalten. Und   
   deswegen vermute und hoffe ich, dass entsprechende Empfehlungen,   
   was sicheres und selbstbewusstes Fahren angeht, durchaus Wirkung   
   haben können.   Es geht da nicht um "breitere Radstreifen", auf   
   denen die Straßenrandkleber dann trotzdem im Tuchfühlung zum   
   Bordstein fahren, sondern um das Bewußtsein, dass und unter   
   welchen Umständen die Dooring Zone gefährlich wird, unabhängig   
   davon, ob da ein Radstreifen auf den Boden gemalt ist.   
      
   Ein Posting im Usenet wird da wenig zur Aufklärung beitragen   
   können. Jedoch wird "Klappe halten, weil es ja doch nichts   
   bringt" erst recht keinen Beitrag leisten.   
      
   >   
   >> Jedoch glaube ich auch nicht, dass man die Leute in diesem Fall   
   >> mit Gewalt zu ihrem Glück zwingen kann oder sollte.  Wer im   
   >> Einzelfall aus Angst oder aus sonstigen Gründen sogar auf   
   >> Sperrflächen im Dooringbereich geparkter Autos fährt, ist   
   >> erfahrungsgemäß weder durch Regeln noch durch Aufklärung nohc   
   >> durch schlechte Erfahrungen alleine erreichbar. Vielleicht aber   
   >> durch Aufklärung und durch sichtbare Vorbilder.   
   >   
   >Das wird nicht funktionieren. Dazu müssten die Vorbilder schon massiv in   
   >der Mehrheit sein und das Fahren am äußersten rechten Rand die absolute   
   >Ausnahme.   
      
   Auch hier gilt, dass "Klappe halten, weil es ja doch nichts   
   bringt" erst recht nicht funktioniert. Genauer gesagt, es wird   
   gewiss nicht in einem von mir gewünschten Sinne funktionieren.   
      
   Jedoch habe ich schon häufig den Eindruck gewonnen, dass bereits   
   wenige Vorbilder eine massive Wirkung haben können.  Vielleicht   
   nicht in Städten wie Berlin oder auf einer heftig fequentierten   
   schmalen Verbindungsstraße zwischen zwei Neubaugebieten.   
      
   Jedoch machen sich schon vereinzelte Radfahrende auf Land- oder   
   Kreisstraßen ohne Radstreifen oder Rad- oder Gehwege durchaus   
   insofern bemerkbar, als seitens des Autoverkehrs mit Radverkehr   
   gerechnet wird.  Aus dem von vielen als Konkurrenzsituation   
   verstandenen Verhältnis wird zwar keine Freundschaft, jedoch ein   
   momentanes routiniertes Miteinanderumgehen statt einer   
   simulierten oder echten Überraschung, die sich z.B. in   
   demonstrativ ungeschickten Brems- oder Überholmanövern äußert.   
      
   Dito, was die Umstände in Städten angeht.  Oft sind die   
   Verhältnisse zwischen einzelnen Stadtvierteln (oder größeren   
   Dörfern, die nur wenige Kilometer auseinanderliegen) krass   
   unterschiedlich, was die Interaktion zwischen Radverkehr und   
   Autoverkehr angeht, ohne dass sich das z.B. an der Verkehrsdichte   
   oder anderen offensichtlichen Umständen festmachen ließe.  Mein   
   Eindruck ist, dass schon wenige Häppchen "Radinfrastruktur" in   
   der Form von Radwegen mit einem vergifteten Klima korrelieren.   
   Was hier Auslöser und was Folge ist, ob die Verdrängung des   
   Radverkehrs von den guten Flächen der Auslöser ist, oder ob die   
   abweisende Haltung zum Radverkehr ("nicht auf unseren Straßen!")   
   den Radwegebau auslöst und das dann die Haltung verfestigt, sei   
   dahingestellt. Vmtl. ist es das Resultat einer anfänglich   
   instabilen Lage, die dann in die eine oder andere Richtung   
   umkippt.   
      
      
      
   >   
   >> Mein Vorschlag war die schlichte Empfehlung, Klartext zu   
   >> sprechen. Aufklärung, was Gefahren angeht, wenn Du so willst.   
   >   
   >Ja - habe ich, sehr oft. Dass Menschen deswegen ihr Verhalten ändern,   
   >sehe ich nicht. Oft fahren die Leute dann direkt nach dem Hinweis, dass   
   >das gefährlich ist, einfach direkt so weiter - weil sie es halt so   
   >gewöhnt sind und ängstlich.   
      
   Du kannst nicht erwarten, dass Leute ein eingeübtes ängstliches   
      
   [continued in next message]   
      
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    * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)   

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