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   de.rec.fahrrad      More than just Kraftwerks Tour De France      6,175 messages   

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   Message 5,625 of 6,175   
   Ralf Stein-Cadenbach to All   
   Re: Helden (?)   
   26 Dec 25 18:02:16   
   
   From: stein@cadenbach.de   
      
   Am 22.12.2025 um 16:10 schrieb Anton Ertl:   
      
      
   Hier Auszüge eines Interviews von Gunnar Fehlau von 2011, das sein   
   Weltbild/Vision wiedergibt:   
      
      
      
      
   https://d-nb.info/1056818328/34   
      
   Klimafreundliche Mobiltät  durch Förderung von Pedelecs   
   Diss. von Frederic Rudolph   
   2014   
      
      
   Experteninterview   mit   Gunnar   Fehlau,   Geschäftsführer   der   
   pressedienst-­‐fahrrad   GmbH   am 4.1.2011 von 14:30 Uhr bis 15:30   
   (telefonisch).   
      
   ........   
   Frage 1: Welche Bevölkerungsgruppen könnten sich für das Pedelec   
   interessieren und warum?   
      
   Darauf kann ich nur provokant antworten: Was ist die Zielgruppe der   
   Waschmaschine und der Spülmaschine? Die Diskussion um Pedelecs wird zu   
   dogmatisch und marketing-­‐orientiert geführt. Ich brauche keine   
   Rechtfertigung, Pedelec zu fahren. So lange es Spaß macht, ist es gut.   
   Das Handy ist ein gutes Beispiel. Es war ursprünglich nur für Manager   
   gedacht, aber heute hat jeder eins. Wenn man die Frage inversiv stellt,   
   also nach Menschen fragt, die sich nicht für das Pedelec interes-­‐   
   sieren, dann werden alle zur Zielgruppe, denn es macht Spaß und schadet   
   niemandem. Es gibt für jeden gewisse Gründe.   
      
   ...............   
   Frage 2: Aus Sicht der nach Frage 1 genannten Bevölkerungsgruppen:   
   Welche Hemmnisse sind für die Nutzung von Pedelecs bedeutsam?   
   Folgende Menschen werden wahrscheinlich Abstand vom Pedelec nehmen:   
   ⦁	Diejenigen, denen der Anschaffungspreis zu hoch ist. Allerdings gibt   
   es einen Unterschied zwischen leisten „können“ und „wollen“. Es gibt   
   eben Leute, die andere Prioritäten setzen.   
   ⦁	Diejenigen, denen der Transport eines Pedelecs in das Büro oder den   
   Keller zu schwer ist.   
   ⦁	Es  gibt  ideologisch  „aufgeladene“  Sportler,  die  das  Fahrrad   
   ohne  Elektro-­‐Doping  nutzen wollen, sowie ökologisch „aufgeladene“   
   Nutzer, die keinen Strom  verbrauchen wollen, sei  die Menge auch noch   
   so gering.   
      
   ...................   
      
   Frage 4: Welche Anforderungen erhebt das Pedelec an die   
   Verkehrsinfrastruktur?   
      
   Unsere  Verkehrsinfrastruktur  bietet  Bedingungen  des  politischen   
   und  wissenschaftlichen  Kennt-­‐ nisstands der späten 60er Jahre. Das   
   ist eine asphaltierte Kriegserklärung an den gesunden Men-­‐   
   schenverstand und zementierte Diskriminierung. Indem nun viele Menschen   
   ein Elektrofahrrad fahren, die keine klassischen Fahrradfahrer sind,   
   entsteht eine spannende Entwicklung. Es ändert sich zwar nichts an der   
   Wegeführung und ähnlichen physischen Diskriminierungen, aber auf ein-­‐   
   mal  erfahren  Menschen  diese  Diskriminierung,  die  sie  vorher   
   nicht  gekannt  haben.  Ich  sehe  bei-­‐ spielsweise  Leute  wie  alte   
   Damen  oder  Geschäftsführer  einer  Bank  mit  dem  E-­‐Bike  in  die   
   Stadt fahren. Diese Menschen erleben nun, dass Radfahrern häufig die   
   Vorfahrt genommen wird und Fahrradwege im Winter nicht vom Schnee   
   geräumt werden. Im Gegensatz zu den langjährigen Radfahrern, die diese   
   Art der Diskriminierung schon seit Jahr und Tag kennen und sie gar nicht   
   mehr registrieren bzw. wohlwollend darüber hinweg sehen, nehmen sie nun   
   also viele Menschen wahr, die möglicherweise ganz sensibel auf   
   Bevormundung reagieren. Dadurch wird sich der Druck erhöhen, etwas zu   
   ändern.   
      
   Frage 5: Welche Faktoren sind für die Verbreitung von Pedelecs   
   ausschlaggebend?   
   ....................   
      
   Derzeit ist die Umstellung auf Elektromobilität aus Klimagründen   
   politischer Wille. Es stellt sich damit  momentan  die  Frage,  wer   
   innerhalb  der  Gesellschaft  der  Opinion–Leader  bzw.  der  Platz-­‐   
   hirsch bei deren Einführung ist. Ich halte das Elektroauto für eine   
   Totgeburt. Man könnte deutlich machen, dass sich durch das Pedelec   
   bereits 300.000 funktionierende Elektrofahrzeuge auf der Straße   
   befinden.  Man  sollte  der  Pkw-­‐Industrie  nicht  das  Feld   
   überlassen,  denn  selbst  wenn  das Elektroauto  in  der  Umwelt-­‐   
   bzw.  Klimabilanz  Vorteile  gegenüber  dem  Auto  mit  Verbrennungs-­‐   
   motor hat, so werden andere Probleme, insbesondere die städtebaulichen,   
   nicht gelöst. Damit das Elektrofahrrad zum Mainstream der   
   Elektromobilität wird, muss man sich überlegen, wie das Pedelec dem   
   „normalen“ Menschen schmackhaft gemacht werden kann. Die Werbung der   
   Autoin-­‐ dustrie kann da als Vorbild dienen. Sie ist sehr erfolgreich,   
   weil sie es verstanden hat, Emotionen   für das Auto zu schüren.   
   Außerdem stellt sich die Frage, wie auf den Pedelec-­‐Boom reagiert   
   wird. Momentan ist das Fahrrad noch  so  unbedeutsam,  dass  man  als   
   Radfahrer  die  tägliche  Diskriminierung  umgehen  kann.  Bei-­‐   
   pielsweise gibt es kaum Abstellmöglichkeiten für Fahrräder, Radfahrer   
   können sich aber „anarchis-­‐ tische Nischen“, also einen sicheren und   
   komfortablen Stellplatz suchen, der als solcher nicht ge-­‐ kennzeichnet   
   ist. Wenn durch das Pedelec eine kritische Masse an Radfahrern entsteht,   
   gibt es zu wenige Nischen und es stellt sich die Frage, wie man das   
   Problem der Diskriminierung löst, wie man  also  die  Thematik   
   „Pedelec-­‐Nutzung“  zu  diesem  Zeitpunkt  diskutiert.   
   .............................   
   Frage  6:  Welche  Instrumente  könnten  Politik  und  Verwaltung   
   umsetzen,  um  Pedelec-­‐Nutzung  zu fördern?   
   Der Staat muss rechtliche Klarheit darüber schaffen, was ein Pedelec   
   ist. Das wurde ja nicht auf Basis von Studien festgelegt, sondern ist   
   eine arbiträre politische Festlegung. Gegenwär-­‐ tig ist das Pedelec   
   eine Summe von Gesetzeslücken. Nötig ist aus meiner Sicht eine zulässige   
   Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h, sowie eine Leistungsobergrenze der   
   Elektromotoren von 500 Watt ohne Helmpflicht und das am besten europaweit.   
   .......................   
      
   --- SoupGate-Win32 v1.05   
    * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)   

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