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   de.rec.fahrrad      More than just Kraftwerks Tour De France      6,175 messages   

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   Message 6,078 of 6,175   
   Chr. Maercker to Wolfgang Strobl   
   Re: Muenster (Was: Fahrradfreundlichkeit   
   15 Feb 26 17:04:20   
   
   From: Zweistein@gmx-topmail.de   
      
   Wolfgang Strobl wrote:   
   > Holland hat in Europa gemessen an der Fläche die meisten   
   > Autobahnen, wenn ich mich recht erinnere, und die größte Dichte   
   > an Autobahnausfahrten auf diesem Autobahnnetz.   
      
   Was sich zum gut Teil durch die hohe Bevölkerungsdichte der Niederlande   
   erklärt.   
      
   > Bei unseren beiden Söhnen habe ich Wert darauf gelegt, dass sie   
   > einen PKW-Führerschein machen. Beide sind längst erwachsen,   
   > besassen nie einen PKW, haben jedoch beide bei irgend einem   
   > Carsharer in ihrer Region eine Mitgliedschaft. Für alle Fälle,   
   > wenn die Bahn ausfällt oder irgend etwas zu transportieren ist,   
   > das voluminös oder schwer ist. Soweit ich es mitbekomme, wird sie   
   > selten genutzt.  Selbst ich bin bei einem lokalen Carsharer   
   > Mitglied, trotz Autobesitz, habe diese Möglichkeit bislang jedoch   
   > noch nie genutzt.   
      
   Selbst ohne eigenes Auto hab ich Car-Sharing bestenfalls innerhalb der   
   Familie genutzt. ;-)   
      
   > Wenn ich die eingangs aufgelisteten Highlights betrachte,   
   >   
   > | Highlights   
   > |   
   > | • The Level of traffic stress negatively impacts cycling mode choice.   
   > | • Family cycling habits positively influence individual cycling mode   
   choice.   
   > | • Social norms positively influence cycling adoption.   
   > | • Infrastructure improvements alone are insufficient for promoting   
   cycling uptake.   
   > |   
   >   
   > dann liest sich das für mich wie eine sehr zurückhaltend   
   > formulierte Aussage, dass "Infrastruktur" nicht zur   
   > Fahrradnutzung beiträgt. Das ist interessant insofern, als auch   
   > diese Zusammenfassung von Studien von der nicht weiter   
   > hinterfragten Prämisse ausgeht, dass "stressarme Infrastruktur"   
   > Radverkehr fördert.   
      
   Insbesondere das erste Highlight geht in diese Richtung. Es ist im   
   Grunde das, was ADFC u.v.a. mit Sicherheitsgefühl assoziieren. Dass die   
   Unfallzahlen mit zunehmender Verkehrsdichte zwar absolut zunehmen, nicht   
   aber bezogen auf das Fahrzeugaufkommen, ist weitgehend unbekannt.   
      
   > | Infrastructure elements such as segregated cycle lanes,   
   > | shared pathways, and dedicated cycling signals enhance   
   > | safety and convenience, encouraging more individuals to   
   > | choose cycling as a primary mode of transport.   
      
   Was dem vierten der obigen "Highlights" diametral widerspricht.   
      
   > Zu hinterfragen und zu prüfen wäre jedoch, ob und inwieweit diese   
   > Infrastruktur nicht auch dazu beiträgt, genau diesen Stress,   
   > diese Fahrbahnphobie hervorzurufen und zu verstärken.   
      
   Verstärkend wirkt sie auf jeden Fall, allein schon durch die Gewöhnung,   
   überwiegend ohne Kfz im eigenen Straßenteil zu fahren.   
      
   > Wenn diese "Infrastruktur" wie häufig zusätzliche Querungen von   
   > Fahrbahnen zur Folge hat und erzwingt und damit nicht nur Stress   
   > produziert, sondern auch Querungsunfälle verursacht, dann muss   
   > die Frage gestellt werden, ob es nicht schlicht und einfach eine   
   > falsche Fährte ist, wenn "Infrastruktur" naiv mit der Abwesenheit   
   > von Stress gleichgesetzt und das dann positiv bewertet wird.   
      
   Das Sicherheitsgefühl lässt sich kaum leugnen, geschweige denn   
   (emotional) einfach abstellen. Der Betrug besteht darin, dass allgemein   
   suggeriert wird, schöne Sicherheitsgefühle seien das gleiche wie echte   
   Sicherheit. Wäre es nicht so, könnte und würde man zwar behaupten,   
   Fahrbahnen seien für Radfahrer (bisweilen) unangenehm, nicht aber sie   
   seien gefährlich.   
      
   > Gefühlte Sicherheit angesichts realer, aber übersehener Risiken   
   > ist keine Sicherheit, sondern deren Gegenteil.   
      
   > Wir, die wir "Fahrradinfrastruktur" (vulgo "Radwege") meiden, wo   
   > immer wir die Möglichkeit haben, mögen eine Minderheit sein.   
      
   Nir will scheinen, wir werden in zunehmendem Maße Minderheit.   
      
   > Jedoch fahren wir mehr, wir fahren auch ohne Fahrradinfrastruktur   
   > und dort besser und, last but not least, wir fahren dort auch   
   > stressärmer.  Statistisch gehen wir jedoch in der Mehrheit unter,   
   > die sich gerne auf Radwege vertreiben läßt, Simpsons Paradox   
   > lässt grüßen.   
      
   Der Stress, den die Mehrheit auf Randwegen erlebt, wird vor allem durch   
   chaotische Führung und Un-Qualität bewirkt, weniger durch die Unfälle,   
   die infolge von Randwegen passieren. Nab/frau glaubt ja, auf Fahrbahnen   
   wären Unfälle viel schlimmer und häufiger.   
      
   > Auch hierzulande hat sich der Begriff "Fahrradinfrastruktur" als   
   > beschönigende Umschreibung von "Radweg" eingebürgert.   
      
   Als Oberbegriff für die mind. drei verschiedenen Bauformen von Randwegen   
   lasse ich es gelten. Wobei "Randweg" in der Tat die treffendere   
   Bezeichnung wäre. ;-)   
      
   > Das Blatt hat sich längst dahingehend gewendet, dass selbst   
   > Fahrzeuge, verglichen mit denen die fetten Benzin-Mopeds der   
   > Siebziger wie Fahrräder wirken, problemlos als Fahrräder verkauft   
   > und genutzt werden können, auch und vor allem auf besagter   
   > "Fahrradinfrastruktur".   
      
      
   Einen Vorteil haben die Dinger: da sie deutlich mehr kosten und schwerer   
   sind als Fahrräder steigern sie die Nachfrage nach ordenglichen   
   Abstellanlagen. Leider u.U. auch deren Preise (für die Nutzer).   
   --   
      
      
   	CU	Chr. Maercker.   
      
   	RADWEGE sind TOD-SICHER!	Schlaue Füchse fahren Fahrbahn.   
      
   --- SoupGate-Win32 v1.05   
    * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)   

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