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|    Frank Gosebruch to All    |
|    Re: Zwei Fragen zu Sony    |
|    23 Oct 24 20:00:45    |
      From: FrankGosebruch@gmx.net              Am 22. Okt.. 2024 um 22:49 schrieb Jochen Petry:       > Luigi Rotta wrote:       >> Am 22 Oct 2024 15:31:38 GMT schrieb Jochen Petry:       >>> Luigi Rotta wrote:       >>>> Am Tue, 22 Oct 2024 01:40:46 +0200 schrieb Matthias Andree:       >>>>       >>>>> Ja, und bei manchen kriecht der Fokuspunkt beim Abblenden auch weg. Oder       >>>>       >>>> Das musst du jetzt aber erklären, wie _das_ passiert.       >>>       >>> Ich bin nicht sicher was er meint, mir fällt da jedoch der Focusshift       >>> Effekt auf.       >>> Und ja, ich hab auch Glas welches davon betroffen ist.       >>> Meine Lösung? Offenblende!       >>       >> Ich habe mir folgendes rausgesucht:       >> https://photographylife.com/what-is-focus-shift       >> Scheint mir ein bisschen ein akademisches Problem.       >       > Nein, das Problem ist leider nicht akademisch sondern sehr real.       > Und es ist in der Realität sehr stark von der Objektivkonstruktion       > abhängig.       > Ein typischer Vertreter mit diesem Effekt ist z.B das Zeiss       > Sonnarc1,5 50mm für Kleinbild. Dort heißt die pragmatische Lösung       > tatsächlich Offenblende oder Blende 8 insbesondere im Nahbereich. Bei einem       > Jupiter-3 und anderen Klonen dieses Typs hat man diese Verhalten ebenso.       > Und natürlich gibt es genug Objektivrechnunhen, die dieses Verhalten nicht       > praxisrelevat zeigen.              Was mich etwas wundert, ist die Tatsache, dass das Problem bei diesem       Objektiv schon seit der ersten Version fuer Contax in den 1930ern       bekannt ist.              Man hat die Fokusverschiebung dann ab der zweiten Version (1938) etwas       mildern koennen, indem die Blendenlamellen fuer die mittleren Oeffnungen       (f/2.8 bis f/5.6) innen etwas kantig ausgewoelbt wurden.       Das wird bei dem Objektiv auch bis zur heutigen ZM Version noch so       gemacht. Allerdings heute mit runden Woelbungen.              Man darf nicht vergessen, dass die grundlegende Rechnung des Sonnar       f/1.5 aus den 1930ern stammt, als es noch keine wirksamen Verguetungen       fuer Fotoobjektive gab.       Deshalb hat man aus diesem Grund - ohne Ruecksicht auf andere moegliche       Fehler - so viele Linsen wie moeglich miteinander verkittet, nur um die       internen Reflexionen weitmoeglichst zu vermeiden.       Trotz inzwischen ueblicher hochwirksamer Verguetung blieb das       grundlegende Design aber bis zur heutigen Version gleich.              Mir selbst ist das Problem mit dem Sonnar 1.5 5cm an der Contax II       frueher nie wirklich aufgefallen, da ich sowieso entweder bei wenig       Licht gleich mit ganz offener Blende fotografiert habe, oder bei genug       Licht intuitiv oft auf f/8 abgeblendet habe (siehe auch die Agfa CT 18       Werbung aus der Zeit: "Der Himmel blau, die Sonne lacht - Blende 8").       Allerdings habe ich hier schon die erste T-Version.              Aber das war seinerzeit in den spaeten 1970ern; da habe ich meine Bilder       oft nicht hoeher als auf 10x15 (WPK) vergroessert und die       Fokusverschiebung fiel mir wohl auch aus dem Grund nicht auf.       Wahrscheinlich weil ich zu der Zeit auch kaum Nahaufnahmen gemacht habe.              Der Begriff "Fokusverschiebung" war mir zu der Zeit (noch) garnicht       bekannt und ich vermutete hier damals schlichtweg ein "Montagsprodukt".              Wenn es mich jetzt wegen der Diskussion juckt, packe ich nochmal einen       Pan F in die Contax II und teste das mal mit paar Bluemchenbildern und       mit Prints auf 30x40cm aus, mal sehen...              Offensichtlich existiert das Problem aber auch bei voellig anderen       Objektiv-Designs.              Wirklich deutlich aufgefallen ist es mir persoenlich erst in den spaeten       1980ern an der (analogen) Olympus Pen FT mit dem H.Zuiko f/1.2 42mm bei       Portraits und Nahaufnahmen.       Du hast damit bei offener Blende und bei ca. 70 cm die unteren Wimpern       knallscharf eingestellt, dann auf f/4 abgeblendet und alles war weg!              Das Objektiv ist in der Beziehung eine echte Katastrophe; umso mehr,       wenn Du es wirklich auf 35 cm Mindestentfernung einstellst.       Dann funktioniert es nur noch ab Blende 8 oder noch kleiner.              Das Objektiv war in der Hinsicht noch schlimmer als die erste Version       des Voigtlaender (Cosina) Nokton f/1.4 35mm fuer die Bessa R2S.       Und das ist immerhin ein Weitwinkel, bei dem man so etwas wie       Fokusverschiebung ja erst recht nicht erwartet.              Man kann sich mit Tricks behelfen, indem man (wie bei Infrarotfilm) nach       dem Fokussieren die Einstellung fuer f/2.8 bis f/5.6 etwas nachdreht.       Ein wachsweicher Kompromiss, der viel Uebung erfordert.       Ich habe das Nokton deshalb vor ein paar Jahren verkauft, auch weil ich       die Bessa inzwischen gar nicht mehr verwende.              Andererseits:       Mein altes Leica Noctilux f/1.0 50mm und das Canon f/0.95 50mm fallen in       Hinsicht Fokusverschiebung trotz aehnlichem Design wie das Zuiko kaum       merklich negativ auf.              Bei meinem neuen Noctilux f/0.95 50mm ASPH habe ich es allerdings noch       nicht ausprobiert, oder es ist mir noch nicht aufgefallen, aber da       verwende ich an der M11 P zur Fokussierung auch nur noch den leider       etwas klobigen Visoflex 2 statt dem Messsucher.              Das Nikkor f/1.2 55mm fuer Nikon F faellt in dem ganzen Zusammenhang       etwas ungewoehnlich aus dem Rahmen.       Meine erste Version (Nikkor S-C von ca. 1974) ist deutlich von       Fokusverschiebung betroffen; die AI-Version von 1977 aber kaum noch,       obwohl das Design annaehernd identisch ist.              Und das sind ja alles Gauss-Typen, also ein voellig anderes Design als       Dein Sonnar.              Aber die wirklichen Ursachen der Fokusverschiebung im Zusammenhang mit       einem konkreten Objektiv-Design sind mir nicht bekannt und wie oben       schon beschrieben verstehe ich die Fa. Zeiss nicht, dass man bei der       modernen ZM-Version des Sonnar das Problem nicht laengst korrigiert,       bzw. es mal neu gerechnet hat.              --       Gruss       Frank Gosebruch       https://gosebru.ch       Dieses Schreiben bleibt bis zur vollstaendigen Beantwortung Eigentum des       Verfassers              --- SoupGate-Win32 v1.05        * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)    |
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