From: FrankGosebruch@gmx.net   
      
   Am 11. Dez.. 2024 um 07:15 schrieb Luigi Rotta:   
   > Am Tue, 10 Dec 2024 12:23:46 +0100 schrieb Frank Gosebruch   
   > :   
   >   
   >> OK, das koennte man in dem Wikipediaartikel ja vielleicht mal erwaehnen.   
   >> Aber zumindest korrekt geschrieben wird Niesen wie Niesen?   
   >   
   > Liegt vielleicht daran, dass der Niesen keinen schriftdeutschen Namen   
   > hat sondern nur Dialekt. Wie zum Beispiel Deutsch Matterhorn für den   
   > Horu.   
      
   Die Schweiz ist dabei durch die reale native Mehrsprachigkeit ohnehin   
   ein Sonderfall.   
      
   Dadurch dass - wie z.B. auch in Belgien oder Kanada - nicht nur   
   unterschiedliche lokale Dialekte, sondern je nach Kanton/Gebiet real ja   
   wirklich unterschiedliche Sprachen existieren, sind teilweise wohl - wie   
   bei Deinem Beispiel - auch völlig unterschiedliche allgemein etablierte   
   Eigennamen beispielsweise fuer Staedte/Orte/Fluesse etc. ueblich.   
   So habe ich Dich verstanden.   
      
   Ein interessantes Phaenomen fuer Aussenstehende mit eher reduziertem   
   eidgenoessischem Hintergrund, wenn man sich die dabei moeglichen   
   Situationen im Alltag vorstellt.   
      
   In welcher Sprache werden bei der Armee im Ernstfall die Befehle erteilt?   
   Wie laufen Gerichtsverhandlungen/Pruefungen an der Uni/Kommunikation im   
   behoerdlichen Schriftverkehr ab?   
   Muessen Polizisten in der Schweiz zwingend mehrsprachig sein?   
      
   Oder ganz konkret an Deinem Beispiel gefragt:   
   Versteht ein tessiner Student (...oder einer aus der Deutschschweiz oder   
   gar aus Graubuenden), wenn eine wallisische Studentin auf dem Campus   
   etwas ueber den "Horu" berichtet?   
   Weiss der Durchschnitts-Schweizer, wie der Berg "Niesen" korrekt   
   ausgesprochen wird?   
      
   Ich vermute, viele Mitleser hier aus Deutschland sind mit solchen   
   Situationen nicht vertraut, weil ihnen die konkrete Alltagspraxis der   
   Schweizer fehlt.   
      
   Wobei mir in den letzten Jahren auch hier schon aufgefallen ist, dass   
   ich selbst bei der Kommunikation auf Deutsch mit meinen eigenen   
   Mitbuergern immer oefter an Grenzen stosse.   
      
   Ein Konfirmand bei mir in der Gemeinde konnte z.B. bei einer Diskussion   
   mit dem Begriff "Faust" keinen literarischen Zusammenhang erkennen:   
   "...aeh, des han I no nie g'hoert...".   
   Der tuerkisch-staemmige Obstverkaeufer kuerzlich auf dem Markt in Asperg   
   verstand es auch nicht, als ich einen freundlichen kurzen Scherz ueber   
   die krummen Spargelstangen machte. Als ich ihm das dann hinterher   
   umstaendlich mit vielen einfachen Worten erklaeren wollte, war es am   
   Ende nicht mehr wirklich witzig.   
      
   Das liegt hier lokal aber wohl eher an der katastrophalen   
   Bildungspolitik, der zunehmend mangelnden Lektuere von echten Buechern   
   oder Zeitschriften bei Kindern und Jugendlichen, der mangelnden   
   Bemuehung um ethnische Integration (auf beiden Seiten) und der Zunahme   
   von Sub- und Parallelkulturen.   
      
   Kommunikation wird auch hier in Deutschland immer mehr zur   
   Herausforderung - Schweigen ist ja keine Loesung.   
   Um wie viel komplizierter ist dann wohl erst der Alltag in einem   
   vielsprachigen Land wie der Schweiz?   
      
   --   
   Gruss   
   Frank Gosebruch   
   https://gosebru.ch   
   Dieses Schreiben bleibt bis zur vollstaendigen Beantwortung Eigentum des   
   Verfassers   
      
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    * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)   
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