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   Message 3,337 of 4,809   
   Frank Gosebruch to All   
   Re: [NMZ] Drei Blicke vom Niesen (1/2)   
   14 Dec 24 13:25:30   
   
   From: FrankGosebruch@gmx.net   
      
   Am 11. Dez.. 2024 um 09:09 schrieb Frank Gosebruch:   
   > Am 11. Dez.. 2024 um 07:15 schrieb Luigi Rotta:   
   >> Am Tue, 10 Dec 2024 12:23:46 +0100 schrieb Frank Gosebruch:   
   >>> Am Mon, 9 Dec 2024 20:09:17 +0100 schrieb Jochen Petry:   
   >>>>   
   >>>> https://de.wikipedia.org/wiki/Niesen_(Berg)   
   >>>>   
   >>> OK, das koennte man in dem Wikipediaartikel vielleicht mal erwaehnen.   
   >>   
   >> Liegt vielleicht daran, dass der Niesen keinen schriftdeutschen Namen   
   >> hat sondern nur Dialekt.   
   >   
   > Die Schweiz ist dabei durch die reale native Mehrsprachigkeit ohnehin   
   > ein Sonderfall.   
   [...]   
   > Um wie viel komplizierter ist dann wohl erst der Alltag in einem   
   > vielsprachigen Land wie der Schweiz?   
      
   Das Thema ist zwar inzwischen etwas [OT], aber es hat mich seit letzter   
   Woche beschaeftigt.   
      
   Ich habe im Netz und im Bekanntenkreis nach schriftlichen Quellen   
   gesucht, wo man etwas ueber die korrekte Aussprache des Namens nachlesen   
   kann. Ich fand aber nichts.   
      
   Auch ganz allgemein gibt es ueber Schweizer Dialekte kaum fundierte   
   Informationen mit Tonbeispielen.   
      
   Gut, wozu sollte es auch schriftlich dokumentierte Texte zu lediglich   
   gesprochenen Sprachmustern geben? Es ist nur Papier.   
   Gesprochene Sprache veraendert sich aber staendig und ist nichts Festes.   
      
   Im Leben habe ich ohnehin gelernt, dass das, was auf dem Papier   
   geschrieben steht oder offiziell immer wieder behauptet wird, mit der   
   gelebten Wirklichkeit oft nicht wirklich viel zu tun hat.   
      
   Im Rahmen einer der ersten Schweizerisch-Deutschen Uebungskooperationen   
   der Luftwaffe am Militaerflugplatz Duebendorf (Schweiz) im Jahr 1990   
   hatte ich waehrend meiner Bundeswehrzeit zum ersten Mal intensiven   
   persoenlichen Kontakt zu Schweizern.   
      
   Die Armee betrieb dort auf dem Flugplatz eine Anlage fuer die Landung am   
   Fangseil.   
   Der Einsatz sollte von uns dort gemeinsam mit der Schweizer Luftwaffe   
   (Northrop F-5F) erprobt werden. In unserem Fall mit dem Fanghaken der   
   McDonnell Douglas Phantom II - Muster RF-4E.   
      
   Im Jahr zuvor war eine Flugstaffel der Schweizer Armee bereits fuer eine   
   umfangreiche Uebung zur Luftbetankung bei uns in Deutschland zu Gast   
   gewesen.   
      
   Zu der Zeit war das Misstrauen gegenueber deutschen Militaerangehoerigen   
   auf schweizer Boden (zumindest subjektiv von mir so empfunden) noch   
   ziemlich gross. So wurden wir keineswegs unmittelbar am Flugplatz, in   
   der Naehe vom pulsierenden Zuerich untergebracht, sondern weit ueber   
   30km entfernt in einem kleinen Fruehstueckshotel in Hulftegg im Kanton   
   St.Gallen.   
      
   Es gab dort ueberhaupt keine weiteren zivilen Gaeste. Der gesamte Ort   
   bestand im Wesentlichen nur aus diesem einen Hotel und einigen   
   Nebengebaeuden.   
   Zur "Bewachung" wohnten dort auch immer zwei schweizer Offiziere mit uns   
   zusammen.   
   Das eroeffnete mangels sonstiger "Partygelegenheiten" in der freien Zeit   
   zumindest Moeglichkeiten zum persoenlichen und privaten Austausch mit ihnen.   
      
   Wir wurden schon zu Hause darueber informiert und vorbereitet, dass es   
   in der Schweiz offiziell vier Amtssprachen gibt. Neben Deutsch noch   
   Franzoesisch und Italienisch und lokal Raetoromanisch. Aber im   
   Wesentlichen wuerde in der Region des Flugplatzes nur Deutsch   
   gesprochen. Wir sollten uns also keine Sorgen machen. Ausserdem wuerden   
   viele Schweizer zusaetzlich perfekt Englisch sprechen, was ja auch zutraf.   
      
   Das war dann bei der Kommunikation mit den Schweizer Kollegen anfangs   
   auch alles ohne Stress. Im Gegenteil, sie waren sehr freundlich und   
   haben erreicht, dass wir uns gut verstehen und dass die Uebung   
   erfolgreich ablaeuft.   
      
   Ein einziges Mal hatte ich ein kleineres Problem, als jemand uns auf dem   
   Flugfeld auf Schriftdeutsch ermahnte, dass im "Umlauf" das Rauchen   
   streng verboten sei.   
   Damit konnte ich ueberhaupt nichts anfangen und wollte auch nicht dumm   
   nachfragen, da die anderen anwesenden Schweizer den Terminus im o.g.   
   Zusammenhang sehr wohl einordnen konnten. Erst als ein anderer deutscher   
   Kollege nachbohrte, konnte die Verwirrung aufgeloest werden: Es handelt   
   sich beim "Umlauf" konkret um das Gelaende um einen Flugzeughangar und   
   um die Lagerhallen herum.   
   Hmm... nie zuvor gehoert.   
      
   Die Deutschschweizer Kollegen haben uebrigens untereinander   
   ausschliesslich Dialekt gesprochen, wenn wir nicht dabei standen - auch   
   wenn sie im Dienst waren.   
   Sobald einer von uns dabei stand, sprachen sie dann aber Schriftdeutsch.   
      
   Abends im Hotel beim Fernsehen wollte ich mir deshalb die Nachrichten   
   des Schweizer Fernsehens ansehen, um ein besseres Gefuehl fuer die real   
   gesprochene Sprache der Region zu bekommen. Die Nachrichten wurden aber   
   dann zu meiner Ueberraschung lediglich in Schriftdeutsch vorgetragen -   
   nicht im Dialekt!   
   Bei einer Liveschaltung zu einer Aussenreporterin fragte der Sprecher   
   sie auf Hochdeutsch. Diese wiederum sprach dann mit dem dortigen   
   Gespraechspartner im Dialekt, der ihr dann ebenfalls im Dialekt antwortete.   
   Der Nachrichtensprecher verlas danach - ohne Uebersetzung der Reportage   
   - weitere Einzelheiten zu dem soeben gezeigten Ereignis auf Hochdeutsch.   
   Einige Werbespots nach den Nachrichten kamen dann allerdings teilweise   
   in Dialektform.   
      
   Zum grossen Teil habe ich dann gar nichts verstanden, insbesondere dann,   
   wenn der Dialekt auch schriftlich in Transskriptform ingesetzt wurde   
   (Schlagworte/Ueberschriften/Titel in Fernseh-Werbespots oder   
   Kernpositionen auf politischen Plakaten, etc.).   
      
   Das Schluesselerlebnis war dann am naechsten Morgen als mich der Kellner   
   beim Fruehstueck direkt ansprach und fragte: "no aes Zwasli?".   
   Weil ich mit der Antwort irritiert und mit grossen fragenden Augen   
   zoegerte, fragte er mich nochmals, ganz langsam, aber lauter und   
   deutlicher, ob ich "no aes zwaejtis Zwasli hann woett".   
   Die Tochter des Inhabers eilte sofort herbei und "korrigierte" ihn:   
   "Wollen Sie vielleicht noch ein zusaetzliches Broetchen haben?".   
      
   Diese beiden Saetze haben tatsaechlich wohl die gleiche Bedeutung!   
      
   Der uns betreuende schweizer Offizier am Tisch hatte die Frage des   
   Kellners, insbesondere den Begriff "Zwasli" allerdings auch nicht sofort   
   verstanden, obwohl er gebuertig aus Bern stammte. Dort wird stattdessen   
   fuer Broetchen aber der Begriff "Weggli" verwendet, wie er mir spaeter   
   verriet.   
      
   Das war alles ziemlich verwirrend fuer mich, zumal wir von unseren   
   Vorgesetzten vorher voellig falsch vorbereitet und fehlinformiert worden   
   waren.   
   Ich habe danach (subjektiv) vermutet, dass das von den Deutschschweizern   
   aktiv *gesprochene* Hochdeutsch (Schweizer Schriftdeutsch) keineswegs   
   die etablierte amtliche Sprachform ist - so wie uns das vorher zu Hause   
   offiziell immer wieder mitgeteilt worden war.   
      
   Im Gegenteil - unsere Infounterlagen waren wieder einmal nur typisch   
      
   [continued in next message]   
      
   --- SoupGate-Win32 v1.05   
    * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)   

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