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|    Frank Gosebruch to All    |
|    Re: [NMZ] Drei Blicke vom Niesen (2/2)    |
|    14 Dec 24 13:25:30    |
      [continued from previous message]              nachgeplappertes bundesdeutsches Behoerden-Blabla in Kombination mit       Ignoranz und Arroganz, ohne wirkliche Kenntnis der realen Situation vor       Ort. Ich habe mich damals sehr darueber geaergert.              Mein Eindruck war danach: fuer viele Deutschschweizer ist das von ihnen       selbst *gesprochene* Schriftdeutsch lediglich eine zusaetzliche erlernte       Fremdsprache, die mit dem realen Leben im Alltag nicht wirklich viel zu       tun hat. Es ist darueber hinaus auch ein Hilfsinstrument, eine Bruecke       zur Kommunikation mit den Mitbuergern im Land, die die drei anderen       Amtssprachen sprechen.              Beispielsweise habe ich selbst mehrfach beobachtet, dass sich Schweizer       Offiziere z.B. waehrend der Lektuere des (von der Schweizer Armee auf       Hochdeutsch verfassten) Tagesplans untereinander im Dialekt darueber       ausgetauscht und dabei in der Unterhaltung unter Bezugnahme einzelner       Phrasen aus dem Text in Realtime im Dialekt uebersetzt haben.              Konkret: ein gelesener, auf Hochdeutsch verfasster Satz wurde muendlich       unmittelbar nur im Dialekt ausgesprochen und der Inhalt untereinander       dann auch im Dialekt diskutiert.       Das Ergebnis der Beratung wurde anschliessend dann aber handschriftlich       wieder auf Hochdeutsch im Plan eingetragen.       Ein verblueffend vollkommen integraler zweisprachiger Prozess!              Lediglich der real gesprochene Dialekt ist dort vollkommen etabliert. Er       ist de facto die eigentliche vierte Landessprache und nicht Deutsch!              Dialekt ist im Alltag nicht nur allgemein akzeptiert, er wird vielmehr       sogar gepflegt und geschaetzt - ganz im Gegensatz zu den Dialekten       innerhalb Deutschlands, so mein Empfinden.              Es existieren allerdings - aehnlich wie bei uns auch - lokale Varianten.       Ich selbst koennte aber nicht einschaetzen, ob die Unterschiede dort so       gross sind wie bei Begriffen, die hierzulande in Aurich, Aachen,       Pfarrkirchen oder Zittau im Dialekt ausgesprochen werden.              Andererseits, bei den (franzoesisch sprechenden) Westschweizern hatte       ich z.B. in Genf den genau gegenteiligen Eindruck, dass sich naemlich       deren reale lokale Umgangssprache nicht wirklich wesentlich (vielleicht       nur bei einzelnen Begriffen) von Schriftfranzoesich unterscheidet.       Ich mag mich aber irren.              ...das ist aber jetzt auch alles schon bisl weit weg von Jochens drei       Blicken vom Berg Niesen.              --       Gruss       Frank Gosebruch       https://gosebru.ch       Dieses Schreiben bleibt bis zur vollstaendigen Beantwortung Eigentum des       Verfassers              --- SoupGate-Win32 v1.05        * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)    |
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