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   Message 3,348 of 4,809   
   Guenther Fischer to Frank Gosebruch   
   Re: [NMZ] Drei Blicke vom Niesen (2/2)   
   15 Dec 24 10:18:50   
   
   [continued from previous message]   
      
   > selbst ueberhaupt auffaellt.   
   >   
   > Entscheidend ist, dass der Vorgang am Ende bei der finalen schriftlichen   
   > Notiz im Tagesplan ja noch ein zweites Mal umgekehrt wird.   
   >   
   > Erst Deutsch lesen, ohne es auszusprechen, dann laut im Dialekt   
   > formulieren und Inhalte kommunikativ verarbeiten, um es dann am Ende   
   > wieder Deutsch zusammenzufassen und aufzuschreiben.   
   >   
   > Ich hatte subjektiv den Eindruck, dass das ein hochkomplexer, voellig   
   > inkognitiver Prozess ist, den jeder dort aus dem Effeff beherrscht.   
   > Extrem beeindruckend...   
   >   
   > > > Es existieren allerdings - aehnlich wie bei uns auch - lokale Varianten.   
   > > > Ich selbst koennte aber nicht einschaetzen, ob die Unterschiede dort so   
   > > > gross sind wie bei Begriffen, die hierzulande in Aurich, Aachen,   
   > > > Pfarrkirchen oder Zittau im Dialekt ausgesprochen werden.   
   > >   
   > > Das sind ja vergleichsweiche riesige Distanzen.   
   >   
   > Du, das sieht von oben betrachtet vielleicht so aus.   
   > Geh also doch einfach mal 200 Jahre zurueck, als es noch keine Eisenbahn   
   > gab.   
   > Zu der Zeit war wegen der hohen Berge dazwischen das vermeintlich "nahe"   
   > Naters im Wallis von St. Gallen aus betrachtet vom Zeitaufwand her   
   > mindestens genauso weit entfernt, wie das vermeintlich weitab gelegene   
   > Bamberg, betrachtet von Eckernfoerde aus.   
   > Kontakt hatten die jedenfalls zu der Zeit wohl beide nicht (in   
   > groesserem Umfang).   
   >   
   > Die Schweiz existiert darueber hinaus als Staat weitaus laenger als   
   > Deutschland.   
   > Die Schweizer Regionen hatten also viel mehr Zeit, sich kulturell und   
   > sprachlich auseinander zu entwickeln.   
   >   
   > Auch wegen der viel laengeren Friedensperioden in der Schweiz bestand   
   > schlicht keine Notwendigkeit, wiederholt Soldatenheere aus verschiedenen   
   > Regionen zentral zusammenzuziehen, wo dann ein Ausgleich, Austausch oder   
   > Vermischung der Sprache haette stattfinden koennen.   
   >   
   > > Ich lebe in der Stadt Zürich und kann typischerweis eine Person aus   
   > > Zug, Baden, Winterthur oder Rapperswil am Dialekt verorten (Rapperswil   
   > > ist am schwierigsten). Diese Orte liegen etwa 20km von Zürich   
   > > entfernt. Meistens ist es nur die Vokalfärbung, die -länge oder ein   
   > > paar bestimmte, eigentümliche Wörter, die anders ausgesprochen   
   > > werden.   
   >   
   > Gut, das gelingt mir bei einzelnen schwaebisch oder alemannisch   
   > sprechenden Personen aus Baden-Wuerttemberg auch, dass ich grob erkenne,   
   > aus welcher konkreten Region sie stammen.   
   > Ich koennte aber z.B. akustisch nicht verorten, ob jemand von der Kieler   
   > Foerde stammt, oder von einer nordfriesischen Insel.   
   >   
   > > > Andererseits, bei den (franzoesisch sprechenden) Westschweizern hatte   
   > > > ich z.B. in Genf den genau gegenteiligen Eindruck, dass sich naemlich   
   > > > deren reale lokale Umgangssprache nicht wirklich wesentlich (vielleicht   
   > > > nur bei einzelnen Begriffen) von Schriftfranzoesich unterscheidet.   
   > >   
   > > Richtig, in der frz. Schweiz sind die Dialekte (das "patois") praktisch   
   > > verschwunden.   
   >   
   > Darauf wollte ich hinaus.   
   > Die Deutschschweizer haben in ihrem Alltag bei der Kommunikation einen   
   > vergleichsweise doppelt so hohen intellektuellen Aufwand zu erbringen,   
   > um im Ergebnis am Ende dasselbe zu erreichen wie die Welschen.   
   > Diese hohe Leistungsfaehigkeit uebertraegt sich - so mein persoenlicher   
   > Eindruck - auch oft auch auf andere, nonverbale Bereiche.   
   >   
   > Ich persoenlich habe jedenfalls de facto noch nie im Leben einen   
   > einzigen herausragenden Piloten aus der Westschweiz getroffen, aber sehr   
   > viele aus der Nord-, Ost- und Zentralschweiz.   
   >   
   > ...vielleicht kenne ich aber auch nur die falschen Leute ;-)   
      
   Danke für diese tiefgründige Betrachtung der Schweizer Sprache und ihrer   
   Auswirkung auf den Schweizer Charakter und die intellektuelle   
   Leistungsfähigkeit.   
      
   Eine ähnliche Betrachtung kann man für den ganzen Bereich des ehemaligen   
   Herzogtums Schwaben anstellen, zu dem die deutschsprachige Schweiz nicht nur   
   gehörte - sie war ein kulturelles Zentrum mit Zürich, St. Gallen, Chur und   
   anderen Zentralorten und Klöstern. Die Reichenau bei Konstanz gehörte dazu,   
   Augsburg, Strassburg, Schwäbisch Gmünd und viele andere Orte in   
   Baden-Württemberg, in West-Bayern und im Elsass.   
      
   Die gemeinsame „oberdeutsche" Sprache ist die reichhaltigste aller   
   deutschen Dialekte, schwäbisch und alemannisch sind sehr nah verwandt, zu   
   letzterem gehören auch elsässisch und schwyzerdytsch.   
      
   Als albschwäbisch sprechender Süddeutscher bin ich natürlich auch seit der   
   Gymnasialzeit des Schriftdeutschen mächtig, kann mich aber im Elsass und in   
   der Schweiz problemlos verständigen, sieht man mal von lokalen   
   Wortschöpfungen und Redewendungen ab. Meine Heimat ist übrigens ein Zentrum   
   früherer schwäbischer Herrschaft: Hohenstaufen als Zentrum der   
   Stauferkaiser (und des Herzogtums Schwaben), Hohenzollern als Stammburg der   
   preussischen Könige und die Limburg bei Weilheim als Stammburg der badischen   
   Zähringer, deren Einflußbereich in die Westschweiz und bis nach Burgund   
   reichte.   
      
   Übrigens sind zwei meiner (albschwäbischen) Schulkameraden lange Jahre bei   
   der Lufthansa geflogen....   
      
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    * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)   

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