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   Message 3,358 of 4,809   
   Guenther Fischer to Frank Gosebruch   
   Re: [NMZ] Drei Blicke vom Niesen   
   16 Dec 24 09:06:00   
   
   From: gfischer@fischerplast.de   
      
   Und jetzt nochmal alles neu geschrieben. Hoffentlich klappt es ...   
      
   On 15. Dec 2024, Frank Gosebruch wrote   
   (in article ):   
      
   > Am 15. Dez.. 2024 um 10:18 schrieb Guenther Fischer:   
   > > On 14. Dec 2024, Frank Gosebruch wrote:   
   > > >   
   > > > Die Deutschschweizer haben in ihrem Alltag bei der Kommunikation einen   
   > > > vergleichsweise doppelt so hohen intellektuellen Aufwand zu erbringen,   
   > > > um im Ergebnis am Ende dasselbe zu erreichen wie die Welschen.   
   > > > Diese hohe Leistungsfaehigkeit uebertraegt sich - so mein persoenlicher   
   > > > Eindruck - auch oft auch auf andere, nonverbale Bereiche.   
   > > >   
   > > > Ich persoenlich habe jedenfalls de facto noch nie im Leben einen   
   > > > einzigen herausragenden Piloten aus der Westschweiz getroffen, aber sehr   
   > > > viele aus der Nord-, Ost- und Zentralschweiz.   
   > > Die gemeinsame „oberdeutsche" Sprache ist die reichhaltigste aller   
   > > deutschen Dialekte, schwäbisch und alemannisch sind sehr nah verwandt, zu   
   > > letzterem gehören auch elsässisch und schwyzerdytsch.   
   >   
   > Tatsaechlich fuehle ich mich als Badener in Gesellschaft von Elsaessern,   
   > Nordschweizern oder Schwaben, teilweise auch unter Oesterreichern oft   
   > sehr viel wohler und vertrauter, als beispielsweise unter meinen eigenen   
   > Mitbuergern aus Berlin, Dresden oder Bremen.   
   >   
   > Das ist nicht ganz fair, denn ich habe in den letztgenannten Regionen ja   
   > auch nie laengere Zeit gelebt.   
   >   
   > Erst wenn man die Menschen anderer Regionen naeher kennenlernt, weiss   
   > man sie auch zu schaetzen, bzw. kann erst dann erkennen, warum man sie   
   > nicht mag.   
   >   
   > Ohne meine beruflich bedingten langen Aufenthalte in Goose Bay,   
   > Rochester, Stavanger oder Wien waere ich wohl nie von deren Bewohnern so   
   > begeistert gewesen.   
   > ...oder von den New-Yorkern so angewidert worden.   
      
   Ja, New York ist ein besonderer Fall. Nach dem zweiten Aufenthalt dort wollte   
   ich nicht mehr in diese Stadt....   
      
   In der Tat ist der längere Aufenthalt in einer Region wichtig, um mehr   
   Kontakte zu finden und die Menschen schätzen zu lernen.   
   Meine Region ist Texas, Oklahoma und New Mexico. Sehr herzliche, konservative   
   Menschen, aber in den letzten Jahren auch stark politisch polarisiert.   
   Dadurch kann ich mit einigen Freunden kaum mehr ein längeres Gespräch   
   führen.... Das wird aber durch die Offenheit und den Gemeinsinn anderer   
   aufgewogen.   
   Interessant ist der hohe Anteil von Nachkommen deutscher Auswanderer in   
   diesen Regionen. Man spürt auch schnell die besonderen Gene schwäbischer   
   Herkunft durch mutiges Unternehmertum, Kreativität und Erfindungsgeist.   
   Meine besonderen Freunde sind indianische Nachkommen eines Auswanderers aus   
   Heidenheim, dessen Sohn um 1860 von Indianern entführt und bei diesen voll   
   integriert sein Leben verbrachte - anfangs als Krieger, später als genau so   
   erfolgreicher Farmer.   
      
   Besonders kreativ ist der Zweig der Myers family, wie man an Jhane Myers   
   sieht   
      
   https://youtu.be/B3796T9d9Ds?si=54eluVvWcfw5d8E2   
      
   Die schwäbischen Gene sind bei dieser erfolgreichen Filmproduzentin,   
   Buchautorin, Kunsthandwerkerin, Tänzerin, .... unverkennbar, ihre Kinder   
   führen die Tradition fort.   
   > Allerdings - zurueck zum [OT]-Thema - empfinde ich in der Praxis den   
   > Kontrast in der Sprache schon extrem, wenn ich z.B. bei Oehningen die   
   > Grenze nach Stein am Rhein ueberquere (Distanz ca. 1km) und ploetzlich   
   > wirklich gar nichts mehr verstehe. Wie kommt das?   
   >   
   > Meine Guete, die Leute kennen sich doch dort, arbeiten teilweise seit   
   > Jahrzehnten grenzueberschreitend zusammen in denselben Betrieben und   
   > kaufen in denselben Geschaeften ein.   
      
   Während meiner Zeit an der Uni hatten wir für ein halbes Jahr eine   
   Praktikantin aus der Gegend. Sehr gut aussehend und angenehmstes Wesen - aber   
   wenn sie nur einen Satz sagte, geriet das alles in den Hintergrund. Der harte   
   alemannische Dialekt klang in der Stuttgarter Welt fremdartig und kaum   
   verständlich. Sie verstand zwar uns, aber umgekehrt mußte oft mit einem   
   „Hä, was hosch gsait?“ nachgefragt werden. Das änderte sich im laufe   
   der Monate nur insofern, als wir des Alemannischen mächtiger wurden..   
   > Im viel weiter suedlich entfernten Zuerich ist der Dialekt fuer mich   
   > dann ueberhaupt kein Problem mehr.   
   >   
   > > Übrigens sind zwei meiner (albschwäbischen) Schulkameraden lange Jahre   
   bei   
   > > der Lufthansa geflogen....   
   >   
   > Kein Wunder... mir Schwoba fliaget hald au middem Fiedle.   
   >   
   > Ich moechte mich da jetzt nicht unnoetig weit aus dem Fenster lehnen,   
   > aber ich stimme Dir zu, dass unsere gemeinsame   
   > schwaebisch-badisch-alemannische (heute internationale) Heimatregion   
   > sehr haeufig die Besten ihrer Zunft hervorgebracht hat.   
   >   
   > Das gilt fuer viele technische Bereiche und Pioniere - nicht nur fuer   
   > Piloten:   
   > Niklaus Wirth (RIP!), Carl Benz, Albert Einstein, Wilhelm Maybach,   
   > Robert Bosch, Hans Caspar Escher, Ferdinand von Zeppelin...   
      
   Ich schätze auch Max Eyth, dessen Geburtshaus meine Lieblings-Bücherei mit   
   seinen Werken u.a. dem "Schneider von Ulm“ und „Hinter Pflug und   
   Schraubstock“ beheimatete. Viele Stunden habe ich dort verbracht.   
   Die Märchen von Wilhelm Hauffoder der württembergische Kult-Roman   
   „Lichtenstein“ sind ja auch in einem sehr schwäbischen Kopf entstanden -   
   sein naher Verwandter Bernhard Hauff hat die Fossilienforschung durch neue   
   Fund-, Bergungs- und Präparationstechniken bereichert.   
   Beide haben meine Jugend sehr bereichert und mich bis heute begleitet.   
      
   > Und um endlich mal die Kurve zurueck zur Fotografie zu kriegen:   
   > Carl August von Steinheil, Alfred Gauthier, Friedrich Deckel...   
      
   Du hast Dich vergessen....   
      
   --- SoupGate-Win32 v1.05   
    * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)   

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