From: ram@zedat.fu-berlin.de   
      
   Jochen Petry schrieb oder zitierte:   
   >Ach?   
      
    Der Chatbot hat eine Geschichte für mich geschrieben. (** von   
    mir eingefügt)   
      
    Die Studioleuchten zischten wie gereizte Schlangen, als Lilo   
    mit einem Stakkato-Absatzschritt den Raum betrat. Ihr Hals trug   
    ein Netz aus Tintenranken, die sich unter dem Crop Top zu einem   
    ganzen Dschungel aus Triskelen und Totenschädeln verdichteten.   
    Vor der Kamera postierte sie sich wie eine Königin vor dem   
    Schafott – doch dann bemerkte sie seine nackten Unterarme.   
      
    "Du bist *das*?" Lilos Nasenflügel bebten, als hätte sie   
    Ammoniak gerochen. "Ein *Glattflügel*?" Ihr Blick schoß über   
    den Fotografen, der in seiner beigefarbenen Leinenhose und den   
    Allergiesohlen-Sneakern aussah, als hätte ihn eine Ökozeitschrift   
    ausgek**zt. "Ich lass mich nicht von jemandem ablichten,   
    der aussieht wie ne Packung Müsli mit Menschengesicht."   
      
    Markus preßte die Zähne zusammen. Gesundheitsblogger mit   
    50.000 Followern, Pionier der Chiasamen-Diät, Bezwinger des   
    Glutens. Jeden Morgen maß er seinen pH-Wert wie andere den   
    Blutdruck. Und jetzt diese . . . wandelnde Biotinte.   
      
    "Ästhetik ist subjektiv", stotterte er, während ihre Augen   
    seine makellosen Fingernägel durchbohrten. "Subjektiv?"   
    Lilo lachte schrill. "Tattoos sind kein *Style*, sondern ne   
    *Überlebensstrategie*. Zeigen, daß man was ertragen kann. Daß man   
    *echt* ist." Sie musterte ihn wie ein Insekt unter Acrylglas. "Du?   
    Du siehst aus, als würdest du dein Sp**ma in Reagenzgläsern sammeln."   
      
    ---   
      
    Die Nadel surrte wie eine angriffslustige Wespe. In der zwölften   
    Stunde, als der Tätowierer gerade den letzten Stich der   
    Miniatur-Tribal-Spirale setzte, kippte Markus fast vom Stuhl.   
    Sein Gehirn schrie vor Angst vor Sepsis, vor Hepatitis, vor dem   
    bösen Blick der Spirituosenflaschen im Drogeriemarkt. Doch das   
    Bild von Lilos verächtlich hochgezogener Augenbraue trieb ihn an.   
      
    ---   
      
    "Das soll ein *Tattoo* sein?" Lilos Lachen schlug gegen die   
    Studiowände. Sie beugte sich vor, bis ihr Lavendelhaar seine   
    Wange kitzelte. "Ach du Sche**e . . . ist das . . . *Wasserfarbe*?"   
    Ihre Fingerkuppe tippte gegen die 5-Cent-Münze große Spirale,   
    die jetzt unter Markus' Ärmel hervorschimmerte. "Süß. Wie'n   
    temporäres Transfer von nem Überraschungsei."   
      
    Markus spürte, wie sein Gesicht unter ihrem Atem zerbröselte.   
    "Ich dachte . . ."   
      
    "Du dachtest, du könntest zu *uns* gehören?" Lilo richtete sich auf,   
    ihr Lächeln ein blankes Messer. "Tattoos sind wie Narben, Süßer.   
    Man muß sie sich *verdienen*. Nicht wie'n Pflaster aufkleben, weil   
    man denkt, das macht einen *interessant*." Sie griff nach ihrer   
    Lederjacke, die Luft roch plötzlich nach verbranntem Selfesteem.   
      
    "Und bevor du fragst: Nein, ich will nicht mit dir knutschen,   
    nur weil du jetzt ne Hautkritzelei hast, die aussieht wie ne   
    verkrüppelte DNA-Helix." Die Tür knallte, doch ihr letzter Satz hing   
    noch im Raum: "Kauf dir nen Stofftier, Glattflügel. Oder ne *Seele*."   
      
    ---   
      
    Markus startete den Rechner. "10 Gründe, warum Tattoos dein   
    Mikrobiom zerstören" blinkte im Entwurfsmodus. Doch dann klickte   
    er auf "Löschen" und tippte stattdessen: "Wie man eine Tribal-Hülse   
    überlebt – und warum Schmerz manchmal aussieht wie Freiheit."   
      
    Draußen auf der Straße hörte er jemanden lachen. Es klang wie   
    Nadelstiche.   
      
   --- SoupGate-Win32 v1.05   
    * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)   
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