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   Message 4,506 of 4,809   
   Frank Gosebruch to All   
   Praxistest neue Leica M EV1   
   26 Oct 25 15:54:56   
   
   From: FrankGosebruch@gmx.net   
      
   Und? Hat hier schon jemand die neue Leica M EV1 ausprobiert?   
   Ich hatte gestern die Gelegenheit, das Teil mal zu testen.   
      
   Die prophetischen Diskussionen ueber diese Kamera - in welcher finalen   
   Form sie auch immer erscheinen wuerde - konnten ja bereits seit Jahren   
   verfolgt werden.   
   Die einen haben sie von vornherein schon schlecht geredet und andere   
   haben sie herbeigesehnt.   
      
   Zwar bin ich als Nutzer jetzt kein echter Massstab, aber zumindest hatte   
   ich die Vergleichsmoeglichkeit zu meinen bisherigen Leicas.   
   Am Ende war ich doch recht ueberrascht ...und auch etwas enttaeuscht.   
      
   Eines ist diese Kamera jedenfalls definitiv nicht: eine Leica M.   
   Aber von vorne.   
      
   Ja, die Kamera ist geringfuegig leichter geworden, die neue "Belederung"   
   fuehlt sich etwas griffiger an und oben fehlt das ISO-Einstellrad (was   
   ich selbst allerdings nie verwendet habe).   
   Klar, das Sucherfenster vorne fehlt jetzt natuerlich, aber das war es   
   dann aeusserlich auch schon.   
      
   Bei naeherer Betrachtung faellt aber auf, dass der Suchereinblick jetzt   
   viel groesser ist und ueber kein Einschraubgewinde mehr verfuegt.   
   Das ist fuer die Verwendung von Korrekturglaesern fuer Brillentraeger   
   auch nicht mehr noetig, denn die M EV1 hat erstmals eine einstellbare   
   Augenkorrektur (-4 bis +2dpt). Das Einstellraedchen dafuer laesst sich   
   praktischerweise im Gehaeuse versenken.   
   Der Sucher erscheint mir subjektiv deutlich brillanter, etwas schaerfer   
   und schneller als der von der M11.   
      
   Allerdings ist hier der eingebaute Sucher nicht hochklappbar, wie der   
   aufsteckbare  Visoflex 2 zur M11 P/M, sondern starr.   
   Da hat Leica leider mal wieder echt gepennt.   
   Und da er auch kein Gewinde mehr hat, kann man den alten Winkelsucher   
   12531 jetzt auch nicht mehr anschliessen.   
   Der hatte zwar nur 45°, aber er war in Bodennaehe zumindest eine kleine   
   Hilfe an der M, wenn man keinen Visoflex 2 hatte.   
   Selbst dann, wenn man nur deshalb den Visoflex 2 verwenden wollte, geht   
   das an der EV1 aber auch nicht mehr, weil die Kontakte dafuer im   
   Blitzschuh jetzt eingespart wurden, tja...   
   Das Display kann man ersatzweise auch nicht hochklappen.   
   Ganz grosse Klasse, Leica!   
      
   Ich hatte mir ja auch so meine Gedanken gemacht, wie das klassische   
   Messsucherprinzip hier an der M EV1 am Ende elektronisch umgesetzt   
   werden wuerde.   
      
   Wer jetzt - wie ich - naiv geglaubt hatte, man wuerde hier einen   
   geringfuegig groesseren Sensor, z.B. wie den aus der Fuji GFX100RF,   
   einbauen, damit der Sichtbereich um den Leuchtrahmen herum erhalten   
   bleibt, hat sich gewaltig getaeuscht.   
   Um es kurz zu machen: man hat es einfach gar nicht erst versucht!   
   Nein, man sieht genau wieder nur die 100% des Aufnahmeformats und keinen   
   vom bisherigen M-Messsucher gewohnten Randbereich um das eigentliche   
   Bild herum.   
      
   Gut, dafuer erscheint jetzt das Sucherbild immer ohne Rahmen, immer   
   gleich gross und in der Mitte ist keine Einspiegelung des E-Messers mehr   
   sichtbar.   
   Erstmals koennen aeltere Leica-M-Objektive formatfuellend im intern   
   eingebauten Sucher begutachtet und fokussiert werden (Super-Elmar-M   
   1:3,8/18mm, Summilux-M 1:1,4/21mm, Summilux-M 1:1,4/24mm u.a.)   
      
   Auch die fremdhergestellten Super-Weitwinkelobjektive 9-24mm fuellen den   
   eingebauten EVF nun immer voll aus und der Computer berechnet (und   
   zeigt) dann ggf. auf Wunsch auch eine Perspektivkorrektur, wie man sie   
   schon von der M11 kannte (getestet mit Laowa 9mm und den Voigtlaender   
   Heliaren 10mm bzw. 15mm, aber auch dem Nokton 35mm )   
   Vorstellbar sind nun tatsaechlich jetzt auch kameraintern fokussierbare   
   Teleobjektive, moeglicherweise auch weit jenseits der 135mm Marke.   
      
   Den kleinen Hebel vorne links fuer die Sucherrahmen-Einblendung (habe   
   ich im Ernst in der Praxis mit der M noch nie verwendet!) hat Leica   
   jetzt fuer die M EV1 voellig umfunktioniert. Er ist jetzt programmierbar   
   und steuert die Schaerfenindexierung im Sucher (Entweder Zoom, Peaking   
   oder aus).   
      
   Die roten Kontur-Umrandungen in den M11 Monitorsuchern (hinten und oben   
   im Visoflex), die bei scharfer Einstellung die optimale Schaerfe   
   signalisieren sollen, kann man zwar abschalten und gegen eine   
   Suchervergroesserung tauschen, aber die gewohnte horizontale   
   Ueberlagerung des E-Messers fehlt jetzt in der Mitte und damit der   
   schnelle intuitive Hinweis, in welche Richtung die Schaerfe am Objektiv   
   zur Korrektur gedreht werden muss.   
   Das macht die Kamera fuer Reportagen in der Praxis aber einfach zu   
   kompliziert zu bedienen und jaemmerlich langsam.   
   Zu langsam!   
      
   Die allergroesste Enttaeuschung bei der M EV1 sind aber die Akkus.   
   Gut, sie sind zumindest identisch und austauschbar mit meinen Akkus aus   
   der M11 P und M11 M, aber dafuer sind sie jetzt immer ganz schnell  leer.   
   Selbst mit Verwendung des Visoflex 2 an der M11 P hatte ich den   
   Eindruck, zumindest doppelt so viele Aufnahmen machen zu koennen, wie   
   jetzt mit diesem "Stromfresser" M EV1.   
   Man braucht auf jeden Fall immer einen oder zwei Ersatzakkus dabei.   
      
   Es gibt zwar jetzt eine neuartige "Staubschutzfunktion", aber ich habe   
   zufaellig bemerkt, dass dieses neue Feature nach einem Firmwareupdate   
   auch bei meinen anderen Leicas (M11 P und M11 M) funktioniert, nicht nur   
   bei der M EV1.   
      
   Ansonsten ist die Kamera - auch vom Menue her - bedienbar und von den   
   Dimensionen wie die gewohnte M11.   
      
   Ob die Funktionen der M EV1 auch mit der Leica PHOTOS App   
   vollumfaenglich steuerbar sind, konnte ich aus Zeitmangel nicht mehr   
   testen. Auch glaube ich nicht, dass der jaemmerlich langsame   
   Wifi-Download von der Kamera aufs iPhone mittels PHOTOS inzwischen   
   endlich mal etwas beschleunigt werden konnte. Der eingebaute Wifi-Router   
   ist wohl genauso schlecht wie der alte von der M11.   
      
   Mein Fazit:   
   Die Leica M EV1 ist ganz einfach keine Leica M, sondern schlichtweg nur   
   ein weiteres (neues, zusaetzliches) Leica Konzept, welches mir   
   persoenlich keine neuen Moeglichkeiten eroeffnet.   
   Ob es sich durchsetzt?   
      
   Ich selbst werde mir die M EV1 jedenfalls nicht holen.   
      
   --   
   Gruss   
   Frank Gosebruch   
   https://gosebru.ch   
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