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Forums before death by AOL, social media and spammers... "We can't have nice things"

   de.rec.fotografie      More than just pics of Bratwurst      4,809 messages   

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   Message 4,694 of 4,809   
   Wolfgang Strobl to All   
   Re: Wohin geht's eigentlich weiter mit d   
   07 Feb 26 13:58:38   
   
   From: news51@mystrobl.de   
      
   Am Sat, 7 Feb 2026 09:08:52 +0100 schrieb Frank Gosebruch   
   :   
      
      
   >Aber Fakt ist nun mal: alle Welt fotografiert inzwischen - massenhaft   
   >und unbeschwert.   
   >Oft zwar nur noch mit dem Telefon, aber dafuer in einer nie dagewesenen   
   >Menge an Bildern. Und das mit sensationellen technischen Moeglichkeiten,   
   >vollkommen automatisch, ohne jegliche notwendige Vorkenntnisse und   
   >haeufig voellig umsonst. Technisch oft sogar in Top Qualitaet.   
   >   
   >Kann man aber andererseits die Fotografie dann heute ueberhaupt noch   
   >serioes als ein ernsthaftes - womoeglich sogar elitaeres(?) - "Hobby"   
   >bezeichnen, wenn doch inzwischen sogar jedes kleine Kind erfolgreich   
   >fotografiert?   
      
   Kann man, wenn man sein Hobby selbst definiert und gestaltet,   
   statt sich über sein Equipment zu definieren und Trends   
   hinterherzulaufen, die immer abstruser werden.  Es hat aber das   
   Problem, damit nicht in ein Schema zu passen, wie es hier in den   
   vergangenen Jahren zelebriert wurde.   
      
   [...]   
      
      
   >Dabei faellt mir aber im Gegenzug auf, dass gerade hier bei d.r.f.   
   >inzwischen immer weniger Themen oder Bilderlinks gepostet werden.   
   >Vor zehn Jahren gab es z.B. oft noch 60 Postings und mehr - pro Tag!   
   >Inzwischen sind es oft nicht einmal mehr 60 pro Monat.   
      
   Nun, ich hatte durch eine Kombination aus rüden Umfangsformen und   
   Themen, die mich kaum interessieren, spätestens 2023 weitgehend   
   die Lust verloren, hier irgend etwas zu schreiben, zu zeigen oder   
   die Gruppe überhaupt zu lesen.   
      
   >   
   >Klar, es sind hier ja inzwischen auch deutlich weniger und deutlich   
   >aeltere Leute unterwegs als seinerzeit und irgendwann wurde ja auch   
   >alles bereits schon mal g'schwaetzt, gell?   
   >Neue, juengere Teilnehmer sind hier jetzt auch immer seltener anzutreffen.   
      
   Das Usenet liegt unbestreitbar in den letzten Zügen, jedoch ist   
   es vorläufig noch nicht ganz tot.  Ob ich zu einem anderen   
   Newsservice umziehe, wenn individual.net demnächst ganz dicht   
   macht, habe ich noch nicht entschieden.   
      
   >   
   >Im Ergebnis wagt es nun aber auch kaum noch jemand, ueberhaupt ein neues   
   >Thema zu starten - kommt ja eh' nur selten was oder gar nix mehr zurueck.   
      
   "Engagement Optimization" ist das Zauberwort.  Man wirft den   
   modernen "sozialen Medien" vor, aus kommerziellen Gründen um   
   jeden Preis nach Engagement zu fischen. Jedoch sind entsprechende   
   Phänomene auch dort zu beobachten, wo es von der Konstruktion her   
   keine direkten kommerziellen Interessen gibt, also z.B. auch   
   hier.  Ob es daran liegt, dass Gruppenkommunikation mit Wort und   
   Bild auch ohne dergleichen das Verhalten verändert, ob es aus   
   Facebook, Twitter, TikTok usw. abfärbt oder ob es ganz andere   
   Gründe hat, weiß ich nicht. Mich schreckt es jedenfalls ab.   
      
   [...]   
      
   >Stattdessen ueberlege ich mir deshalb bereits ernsthaft, ob ich kuenftig   
   >- wenn ueberhaupt - alternativ nicht einfach immer nur noch "toll!",   
   >"suupaa!" oder lediglich einen Daumen nach oben "leiken" soll, egal ob   
   >mir was gefaellt oder nicht.   
   >Waere ja womoeglich motivierender?   
      
   Ich finde es meist abschreckend.   
      
   >Aber was ist schon (m)eine Einzelmeinung wert?   
      
   Eine Menge, unter Umständen. Es kommt auf den Inhalt an. Kritik,   
   die i.W. auf Eigenlob hinausläuft oder darauf, dass man mit   
   besserer Ausstattung, unakzeptablem Aufwand oder unter anderen   
   Umständen ein aus Sicht des Kritikers besseres Ergebnis hätte   
   erzielen können, ist aus meiner Sicht wertlos. Erst recht dann,   
   wenn das bessere Ergebnis einfach nur ein _anderes_ Ergebnis ist.   
   Dies hier ist weder eine Ausbildungsstätte für Journalisten, für   
   die Fotos eine ganz spezifische Rolle haben, noch eine   
   Kunsthochschule.   
      
   Was hatte ich erwartet, als ich gelegentlich noch Bilder zeigte?   
   Erstmal, dass langjährige Teilnehmer der Gruppe zumindest grob   
   einschätzen können, wofür und unter welchen Bedingungen jemand   
   fotografiert und sich Lob bzw. Kritik oder sonstige Kommentare   
   zumindest ein wenig daran orientieren.  "Ein Bild muss für sich   
   selber stehen" ist ein schickes Prinzip, über das ganze Bücher   
   geschrieben wurden, welche i.W. den Standpunkt eines   
   professionellen Kunstkritikers wiedergeben, oder die eines   
   Fotografen, dessen Zielgruppe solche Kunstkritiker sind.   
      
   Gewöhnliche Menschen wie ich fotografieren aber weder für die   
   Pinakotek noch für die Galerie des Heiseverlags oder für   
   de.rec.fotografie, sondern für eigene Zwecke.   
      
   Konkret schrieb ich am 16.5.2010 hier in   
      
      
   | Was ich fotografiere, das fotografiere ich im Vorübergehen,   
   | als Dokumentation, als Erinnerungsstütze, als Sehhilfe, oder   
   | weil es mir gefallen hat. Die Kamera ist für mich in erster   
   | Linie ein Werkzeug, so wie das Schreibzeug oder die   
   | Bohrmaschine. In zweiter Linie kommt dann der Spieltrieb.   
   | Ästhetik und Gestaltung kommen erst an dritter Stelle, das   
   | ergibt sich entweder von selber, aus der Routine oder, ganz   
   | selten, wenn ein Motiv es förmlich herausfordert.   
      
   Dies war ein verallgemeinerndes Statement, welches meine   
   generelle Haltung zum Fotografieren beschreibt.   
      
   Ein nennenswerter Teil meiner Fotos der vergangenen zehn Jahre   
   entstand im Vorüberfahren, dabei war das Werkzeug anders als bei   
   meinen Söhnen nicht das Handy, sondern eine Digitalkamera, von   
   seinerzeit der Nikon D40 bis zur Panasonic DC-TZ96, die ich   
   inzwischen in der Lenkertasche mit mir herumschleppe, wenn ich   
   nicht gerade zum Mt. Ventoux hochfahre und mich dafür aus   
   Gewichtsgründen auf das Handy beschränke.  :-)   
      
   Egal ob ein Foto tatsächlich beim Fahren entstand (eher selten)   
   oder bei einer kurzen Pause, die Bilder entstehen unter   
   einschränkenden Bedingungen, die man ihnen ansieht, wenn man   
   genau hinschaut. Die entsprechenden Mängel kann man entweder zum   
   Feature erklären oder sie einfach hinnehmen - eine Kritik ist   
   jedoch nur dann konstruktiv, wenn sie auf Wissen und Kenntnis der   
   Begleitumstände beruht.   
      
      
   >Vor allem, wenn ich   
   >oftmals ueberhaupt nur noch der einzige bin, der sich mit einem   
   >geposteten Bild kritisch auseinander setzt und obendrein selbst nur sehr   
   >selten eigene Bilder von mir poste?   
   >   
   >Und was waere das alles dann ueberhaupt noch wert?   
   >Wozu ueberhaupt noch Links zu eigenen Bildern in d.r.f.?   
      
   Das ist die Frage, ja.  Vor allem dann, wenn man, wie ich das   
   tue, seine eigenen Bilder selbst hostet. Es kostet mich   
   inzwischen mehr Aufwand, mir bandbreitenfressende Botnetze vom   
   Leibe zu halten, als die Bilder bereitzustellen. Inbesondere bei   
   in Originalauflösung gezeigten Bilder tut es weh, wenn ein und   
   dasselbe Bild von denselben Bots völlig sinnlos immer und immer   
   wieder angefordert wird.   
      
   [...]   
      
   >Ist d.r.f. im Usenet denn fuer Euch ueberhaupt noch eine echte   
   >Bereicherung oder eigentlich nur noch Konvention (aus Nostalgie)?   
      
   Eigentlich nur noch die andere d.r.f, aber da dünnt es sich auch   
      
   [continued in next message]   
      
   --- SoupGate-Win32 v1.05   
    * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)   

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