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   de.rec.fotografie      More than just pics of Bratwurst      4,809 messages   

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   Message 4,701 of 4,809   
   Ralph Aichinger to Frank Gosebruch   
   Re: Wohin geht's eigentlich weiter mit d   
   07 Feb 26 17:19:39   
   
   From: ra@h5.or.at   
      
   Frank Gosebruch  wrote:   
   > Definitiv ist jedes Foto das ich mit dem Telefon mache erst mal besser,   
   > als jedes das ich nicht mache, weil ich gar keine Kamera dabei habe.   
      
   Ja klar, aber gleichzeitig ist jedes Foto das ich mit dem Handy heute   
   mache technisch besser als die Fotos mit der Instamatic oder sogar   
   der (gar nicht so schlechten) Olympus Sucherkamera meiner Tante (sogar   
   mit Meßsucher!) die ich als Kind auch mal verwenden durfte. Auf 100   
   ASA-Film, in der Großlaborentwicklung der 1970er mit immer etwas   
   seltsamen Farben, etc.   
      
   > Kulturell und historisch bin ich bei Bildern aber noch immer altbacken   
   > auf eine vorrangig horizontale Ausrichtung gepraegt und kann mit der   
   > Senkrechtdarstellung oft gar nichts anfangen. Finde ich haesslich (bei   
   > Video sowieso).   
      
   Ich fotogafiere am Handy meist quadratisch, einfach weil das Instagram   
   so vorgibt. Meine erste Kamera war eine Instamatic, die hat das auch   
   gemacht, aber von Hasselblad bis Rollei, das hat auch eine andere   
   Tradition.   
      
   > Mein aeltester Sohn ist nie tiefer in das Thema eingetaucht und   
   > fotografiert seit knapp 20 Jahren nur mit dem Hendi. Er hat sich seitdem   
   > kaum weiter entwickelt (Motivauswahl, Komposition, Ausschnitt, Horizont,   
   > Aesthetik, Motivzeitpunkt, Licht/Schatten, Aufnahmewinkel...).   
      
   Mein Bruder fotografiert auch seit ca. 10-15 Jahren fast nur mit dem   
   Handy, und er macht eindeutig bessere Bilder als ich, einfach weil er   
   sehr viel Gespür für visuelle Komposition hat. Er hat sich aber nie   
   so tief mit Fotografie beschäftigt wie ich, ist einfach ein Naturtalent.   
      
   > Das beobachte ich bei grossen Teilen der Bilder in seinen   
   > socmed-Accounts - von ihm selbst, als auch der uebrigen Altersgruppe um   
   > ihn herum.   
      
   Ich seh in vielen Social Media-Accounts von früheren Arbeitskollegen   
   etc. sehr viele Leute die Fotografie nicht explizit als ihr Hobby   
   deklarieren, die aber zum niederknien schöne Fotos machen. Ja, manche   
   von ihnen haben eventuell ein interessanteres Leben als ich und kommen   
   öfter in aufregende Weltgegenden oder soziale Situationen, aber das sind   
   ehemalige Arbeitskollegen von mir, keine Superstars oder Promis, d.h.   
   vermutlich eine eher zufällige Auswahl aus der Mitte der Gesellschaft.   
      
   > Zumindest beim Kochen stimme ich Dir zu.   
      
   Beim Kochen sieht man IMHO auch die änliche Situation bezüglich   
   der Selbstdefinition als Hobby. Viel mehr Leute praktizieren es,   
   als es als Hobby bezeichnen. Ich finde es auch manchmal sogar   
   entspannend was zu kochen (ich zelebriere es nicht, nur einfache   
   Gerichte), aber ich würde es nicht als Hobby bezeichnen.   
      
   Viele Leute tun das aber mit Sicherheit.   
      
   Wir sind alle Fotografen heute, aber der Teil der Menschen, die es als   
   Hobby bezeichnen ist vermutlich nicht soviel größer verglichen mit vor   
   30 Jahren.   
      
   >> Also das sehe ich nicht so. Man braucht schon...(allerhand)   
   >   
   > Na ja, die Werbung behauptet das Gegenteil.   
      
   Natürlich, nur die Werbung wird niemandem eine Systemkamera verkaufen,   
   der sich nicht ernsthaft mit Fotografie (auf die eine oder andere Weise)   
   beschäftigen will. Die Werbung kann mir auch keinen Thermomix vekaufen,   
   obwohl ich im Alltag koche, obwohl die Werbung sagt, dass mit dem   
   Thermomix alles "von selbst" geht, etc. Weil ich eben das Bestreben   
   gar nicht habe das Zeug zu kochen, das mit dem Thermomix möglich ist.   
   Und Kochen gar nicht als Hobby sehe, oder gar nicht den Anspruch habe   
   "besser" (für wen?) zu kochen als ich es derzeit tue.   
      
   Was ich da schon eher glaube ist, dass heute manche Kameras als   
   "Schmuckstücke" zum Rumtragen verkauft werden (manche Fuji- und   
   Leica-Käufer fallen da eventuell drunter).   
      
   >> Und das passiert auch im Normalfall erst nachdem   
   >> ein bißchen auch technisches Wissen erworben worden ist   
   >   
   > Weiter unten beschreibst Du selbst ein Beispiel, hier aus unserer Mitte,   
   > auf den das (offensichtlich) nicht zutrifft.   
      
   Das Gefühl hab ich nicht. Die Kamera grade zu halten (oder nachher die   
   Bilder gradezudrehen) halte ich für keine wirkliche technische   
   Fähigkeit. Aus 30 ähnlichen Bildern die 5 besten rauszusuchen und nur   
   die zu zeigen, das auch nicht.   
      
   Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, ob derjenige mit einer Kamera,   
   eventuell sogar einer "guten", teuren, oder dem Handy fotogrfiert.   
   Technisch scheinen mir seine Fotos adäquat zu sein, zumindest in   
   Bildschirmauflösung, wenn ich mich recht erinnere.   
      
   > Umgekehrt erwerbe ich aber nur durch den Erwerb einer guten Kamera noch   
   > lange keine erweiterten Faehigkeiten.   
      
   Klar, aber *heute* ist der Erwerb einer teuren Kamera oft ein Ausdruck   
   davon, dass man sich mit Fotografie beschäftigen will. Früher wird es   
   auch wohlhabende Menschen gegeben haben, die sich "die beste" Kamera   
   gekauft haben, weil Geld keine Rolle spielt und sie gute Resultate   
   wollten ohne sich damit zu beschäftigen (oft ein Trugschluß, klar),   
   heute wir diese Einstellung seltener sein. Zu krass ist das   
   Mißverhältnis aus Rumschleppen der Kamera gegenüber einfach "bestes   
   iPhone" kaufen. Gerade wenn man eben nicht weiß, was man tut.   
      
   > So, jetzt sind wir schon sehr nahe dran! Genau!   
   > Solche aktuellen Bereiche der Fotografie, die viel veraendern, viel   
   > kaputt machen, aber auch viele Chancen eroeffnen, sehe ich bei d.r.f.   
   > nicht oder nur sehr selten.   
   > Vielmehr erkenne ich mich selbst, wie ich mit der aktuellen Entwicklung   
   > gerade gar nicht mehr mitkomme und innerlich bereits hilflos aufgegeben   
   > habe.   
   > -> Scham, Ignoranz, Technikmuedigkeit...   
      
   Ich denke, gerade um den negativen Aspekten solcher neuen Entwicklungen   
   zu begegnen ist es wichtig auch die Einschätzungen derer die "es nicht   
   anders kennen" (aber die sich tiefer damit beschäftigt haben) zu   
   berücksichtigen. Natürlich hat es diese Diskussion "schon immer"   
   gegeben, mindestens seit Photoshop verstärkt, aber generative AI   
   dreht die Schraube halt noch mal ein *großes* Stück weiter.   
      
   > Ist das so (Frage im Raum)?   
   > Ich koennte das auf die Gruppe bezogen nicht quantitativ oder gar   
   > allgemein einschaetzen.   
   > Hm... was mich selbst betrifft, will ich eigentlich schon noch immer   
   > moeglichst die aktuelle Technik nutzen und informiere mich auch darueber.   
      
   Ich denke ich bin als jemand der 55 ist noch eher im unteren Bereich der   
   Poster im Usenet. Neulich haben wir ein Essen von der Arbeit aus gehabt,   
   da war auch ein pensionierter Kollege eingeladen, der hat sich in der   
   Pension jetzt umfangreiche HiFi-Gerätschaften gekauft (12   
   Plattenspieler, etliche Kassettendecks, bei denen er auch die Riemen   
   tauscht etc.), aber das wird doch eher die Ausnahme sein. Wir können   
      
   [continued in next message]   
      
   --- SoupGate-Win32 v1.05   
    * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)   

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