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   Message 296,123 of 297,461   
   Stefan Ram to Stefan Ram   
   Re: Official German spelling update   
   15 Jul 24 20:52:37   
   
   From: ram@zedat.fu-berlin.de   
      
   ram@zedat.fu-berlin.de (Stefan Ram) wrote or quoted:   
   >BTW: We had a thread   
   >"vielen Dank" - wieso "vielen"?   
   >in de.etc.sprache.deutsch in 2006, where I wrote   
   >.   
      
   |Das ist in der Tat eigenartig. Normalerweise wird "viel" und "wenig" im   
   |Singular nur dann gebeugt, wenn es determiniert ist: "mein vieles Geld",   
   |"das viele Geld". Eine Ellipse wie "haben Sie meinen vielen Dank" wäre   
   |eine Erklärung, klingt aber holprig.   
   Helmut Richter   
      
   |Es heißte zwar "viel Geld", aber nicht "viel Euro", sondern "viele   
   |Euro". Eine andere Erklärung wäre also, daß "Dank" hier als zählbar   
   |behandelt wird. Dabei sollte zwar normalerweise die Pluralform zur   
   |Anwendung kommen, allerdings hat "Dank" gar keine. Ähnlich merkwürdig,   
   |aber diese Interpretation bestätigend, ist "tausend Dank".   
   Oliver Cromm   
      
   |Bei Adelung findet man allerdings auch: "Wir wollen tausend Spaß   
   |mit ihm haben." Außerdem gab es auch tausend Glück, Freude usw.,   
   |von Sackerment mal ganz zu schweigen. ;)   
   |   
   || [...] und da haben die beiden Hünentöchter tausend Spaß mit   
   || dem niedlichen Spielzeug, [...]   
   |[Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Deutsche Literatur von Luther bis   
   |Tucholsky, S. 46368 (vgl. Bechstein-Sagen, S. 282)]   
   |   
   || Der kleine Wilhelm fieng schon an, Worte zu stammeln, und   
   || machte durch seine Liebkosungen, und durch seine unschuldige   
   || Fragen seinen Eltern tausend Freude.   
   |[Miller: Siegwart. Eine Klostergeschichte. Deutsche Literatur   
   |von Luther bis Tucholsky, S. 394819 (vgl. Miller-Siegwart, S. 1055)]   
   |   
   || Da der Pastor hörte, daß wir auf die Akademie gingen, wünscht'   
   || er uns tausend Glück.   
   |[Hippel: Lebensläufe nach aufsteigender Linie. Deutsche Literatur von   
   |Luther bis Tucholsky, S. 261896 (vgl. Hippel-Lebensläufe Bd. 2, S. 117)]   
   |   
   || Ach die schnöde Kleiderpracht   
   || Macht ihm tausend Leid.   
   |[Droste-Hülshoff: Gedichte (Die Ausgabe von 1844). Deutsche Literatur   
   |von Luther bis Tucholsky, S. 104427 (vgl. Droste-SW Bd. 1, S. 169)]   
   |   
   |Zur Flexion von "viel" wird im Paul (Dt. Wörterbuch, 2002) u. a.   
   |folgendes ausgeführt:   
   |   
   || Andererseits kommt auch der Nom. und Akk. Sg. flektiert vor (_vielen   
   || Dank, viele Mühe, vieles Lesen_, doch kaum _vieler Dank_), wobei auf   
   || den Adjektivformen immer ein Nachdruck liegt, während _viel_ gewöhnl.   
   || enklitisch ist;   
   |   
   Wolf Busch   
      
   |Vorher heißt es im Artikel sinngemäß:   
   |   
   |Bis ins 20. Jh. war es die Regel, daß "viel" im Nom. Akk. Sg.   
   |flexionslos blieb, während es sonst flektiert wurde (viel Geld -   
   |vieles Geldes, mit vielem Gelde).   
   |   
   |Deswegen werden im obigen Zitat nur der Nom. und Akk. Sg. erwähnt,   
   |denn daß in den anderen Fällen flektiert wird, wurde ja schon   
   |vorher gesagt.   
   |   
   |Ob man wirklich "vieles Geldes" gesagt hat, wie im Paul behauptet   
   |wird, weiß ich nicht. Auf der DVD-ROM "Deutsche Literatur von   
   |Luther bis Tucholsky" findet man für "vieles Geldes" keinen Beleg.   
   |Aber "mit vielem Geld" scheint früher tatsächlich recht häufig   
   |verwendet worden zu sein:   
   |   
   |mit viel Geld      - 3 Fundstellen   
   |mit vielem Geld[e] - 22 Fundstellen   
   |   
   |Oder auch:   
   |   
   |mit viel Freude   -  2 Fundstellen   
   |mit vieler Freude - 23 Fundstellen   
   |   
   |Präpositionen mit Akk. verhalten sich allerdings auch so   
   |ähnlich:   
   |   
   |um viel Geld   -  1 Fundstelle   
   |um vieles Geld - 11 Fundstellen   
   |   
   |ohne viel Geld   - 1 Fundstelle   
   |ohne vieles Geld - 0 Fundstellen   
   |   
   |ohne viel Mühe  -  4 Fundstellen   
   |ohne viele Mühe - 14 Fundstellen   
   |   
   |Im Paul wird außerdem behauptet, daß noch im 18. Jh. die   
   |Verwendung der flexionslosen Form größere Ausdehnung hatte ("aus   
   |viel Ursachen"; "an so viel blühenden Stellen").   
   |   
   Wolf Busch   
      
   --- SoupGate-Win32 v1.05   
    * Origin: you cannot sedate... all the things you hate (1:229/2)   

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